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Nachbeben in Haiti - 25.02.10

Caritas Mitarbeiter Andreas Lexer berichtet aus Haiti.

Caritas Mitarbeiterin Ilse Simma vor den Trümmern der Stadt - alle haben Angst vor Nachbeben. Foto: Caritas

"Das hat aber jetzt gerumpelt”, sagt Oliver Müller, ein Kollege von der deutschen Caritas am Morgen des 23. Februars. Er steht wie alle anderen, die im Compound der Caritas Haiti wohnen, im Freien und ist froh, dass es vorbei ist.

Zwölf Sekunden zuvor sitzt Michael Kleinbichler, entsandt von der Caritas Österreich um hier Nothilfe und Wiederaufbauprogramm zu koordinieren, vor dem Computer im zweiten Stock des Compounds. Es ist halb zwei Uhr früh, fast alle sind schon im Bett. Michael Kleinbichler liest gerade in einem Artikel auf der Spiegel-Webseite, darüber, dass in nächster Zeit noch heftige Erdbeben zu erwarten sind. Plötzlich fängt die Erde an zu zittern, ein Donnern erhebt sich über Port au Prince. Michael Kleinbichler weiß sofort: Das ist ein schweres Beben. Er stürzt aus dem Zimmer und die zwei Stockwerke nach unten in den Innenhof. Dort ist Panik ausgebrochen. Die Haitianer, die in den Zelten schlafen, schreien, stürmen so weit wie möglich weg vom Haus, aus Angst, erschlagen zu werden. Mittlerweile sind auch alle Mitglieder der internationalen Caritas wach, jeder ist ins Freie gelaufen, alle wollen sich in Sicherheit bringen.

Wir alle kennen die Bilder der Zerstörung aus der Nähe, keiner will unter den Trümmern eines Hauses begraben werden. Auch Ilse Simma, die zweite Mitarbeiterin der Caritas Österreich steht im Nachthemd auf dem Balkon im Freien. "Nicht schon wieder", sind die ersten Worte gewesen, als sie das Nachbeben aus den Träumen gerissen hat. Unglaublich lange zehn Sekunden bebt es. Danach: Stille. Nur die Straßenköter, aufgekratzt und nervös, heulen, dass es in den Ohren weh tut.

Fünfzehn Minuten vergehen, in denen alle im Innenhof stehen und über das Erdbeben sprechen. Es ist bereits das zweite in zwei Tagen, auch Montag früh hat die Erde ähnlich stark gebebt, ebenfalls mit der Stärke 4,7, aber kürzer. Sechs Wochen nach dem großen Beben sind das die ersten schweren Nachbeben seit mehr als einem Monat. Alle haben sich bereits wieder sicher gefühlt, die kleineren, sehr schwachen Nachbeben, die wir gelegentlich gespürt haben, sind kaum der Rede Wert gewesen.

Wie trügerisch diese Sicherheit ist, zeigt sich eine Viertel Stunde später. Denn noch einmal bebt die Erde, ähnlich stark, aber kürzer.
Als es vorbei ist, dringen die Gebetsgesänge der Nachbarn über die Mauern in den Compound.

Es dauert lange, bis wieder Ruhe eingekehrt ist. Michael Kleinbichler schnappt sich seine Matratze und verbringt den Rest der Nacht im Freien. Ab jetzt werden wieder alle in den Zelten schlafen, so wie in den Nächten nach dem großen Beben am 12. Januar. Wir alle rechnen damit, dass die Erde auch heute nach wieder bebt.

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