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Hintergrundinformationen und Ziele der Kampagne

Hintergründe und Ziele der Kampagne

Hintergrundinformationen
zur HAART-Kampagne


- 800 Kinder sterben täglich an Aids und dessen Folgekrankheiten, 720 davon in Afrika südlich der Sahara.
- 800 Kinder: Ihr Tod könnte verhindert werden durch den Zugang zu lebenswichtigen Aidsmedikamenten und geeigneten HIV-Tests

Antiretrovirale Therapie (ART) entscheidet zwischen Leben und Tod von 800 Kindern täglich. Der HI-Virus verhält sich extrem aggressiv in den kleinen Körpern der Kinder. Bekommen HIV-positive Kleinkinder keine Aidsmedikamente, sterben 1/3 von ihnen noch vor ihrem 1. Geburtstag, 50% von ihnen noch bevor sie 2 Jahre alt werden.

Auch für Afrika gibt es bereits die lebenswichtige AIDS-Therapie, derzeit haben jedoch 62% der Kinder keinen Zugang dazu. Das Fehlen von geeigneten HIV-Tests für Kleinkinder und die nur punktuell vorhandenen Programme zur Verhinderung der Übertragung des Virus von der Mutter auf das Kind (Prevention of Mother to Child Transmission: PMTCT) erschweren weiters die Situation.

Kinder in Afrika südlich der Sahara haben keine Lobby, die mit der Pharmaindustrie für die Entwicklung besserer Medikamente und HIV-Tests verhandeln könnte. Sie haben keine Lobby, die bei den Regierungen für die Erhöhung der Mittel für PMTCT kämpfen könnte. Wir alle müssen Lobby für diese Kinder sein.

Deshalb haben wir als Caritas Vorarlberg beschlossen, uns der HAART for children-Kampagne der Caritas Internationalis anzuschließen. Hierzu brauchen wir Ihre/eure Unterstützung. Gemeinsam werden wir als Lobby für diese Kinder folgendes fordern:


Die Forderungen der HAART-Kampagne

1. Intensivierung von Entwicklung und Zugang zu antiretroviralen Medikamenten für Kinder
2. Besserer Zugang zu geeigneten HIV-Tests für Kinder unter 18 Monaten
3. Vermehrte Maßnahmen zur Verhinderung der HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind
4. 10% der weltweiten HIV/AIDS-Mittel für Schutz, Versorgung und Ausbildung für Aidswaisenkinder

Statistische Zahlen aus unseren Schwerpunktländern

Aids in Mosambik:

100.000: Kinder (0-14 Jahre) HIV-positiv im Jahr 2007
400.000 Aidswaisen (gegenüber 120.000 im Jahr 2001)


Aids in Äthiopien:

92.000: Kinder (0-14 Jahre) HIV-positiv im Jahr 2007
650.000 Aidswaisen 2007 (gegenüber 310.000 im Jahr 2001)


Aids in Südafrika

280.000 Kinder (0-14 Jahre) HIV-positiv im Jahr 2007
1,4 Millionen: Aidswaisen 2007 (gegenüber noch 400.000 im Jahr 2001)


Ab wann sollen HIV-positive Kleinkinder Aidstherapie bekommen?

Experten der WHO empfehlen: Gemäß den WHO Richtlinien sollen alle HIV-positiven Kinder unter 1 Jahr Aidsmedikamente bekommen4.

Das besondere an HIV-Infektionen bei Kindern:

HIV-Infektionen haben bei Kindern einen um vieles agressiveren Verlauf als bei Erwachsenen. Bekommen HIV-positive Kleinkinder keine Aidsmedikamente, so sterben 1/3 von ihnen noch vor ihrem 1. Geburtstag, 50% vor ihrem 2. Geburtstag.

Zu Forderung 1: Intensivierung von Entwicklung und Zugang zu AIDSMedikamenten für Kinder


Aidstherapie für Kinder: Für Kinder stehen, ähnlich wie für Erwachsene, sogenannte antiretrovirale Medikamente, also Aidsmedikamente zur Verfügung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass alle Kleinkinder bis zum 1. Lebensjahr, bei denen der HI-Virus nachgewiesen werden konnte, die lebensrettende Aidstherapie erhalten. Diese besteht derzeit durchwegs – für Kinder wie für Erwachsene - aus einem Cocktail von bis zu 3 Tabletten, die mehrmals täglich eingenommen werden müssen. Außerdem stehen für Kinder Sirupe zur Verfügung.

Herausforderungen bei der bisherigen Therapie: Schon für Erwachsene ist die Einnahme von mehreren unterschiedlichen Tabletten täglich eine große Belastung. Die Tabletten müssen immer zur gleichen Tageszeit und meist zusammen mit Essen und sauberem Trinkwasser eingenommen werden. Für die meisten Familien in Afrika ist dies gar nicht, oder nur sehr schwierig zu bewerkstelligen: gerade in ländlichen Gebieten haben Familien kein regelmäßiges Essen, und sauberes Trinkwasser muss oft von sehr weit her geholt werden. Die vielen unterschiedlichen Medikamente sind für die kleinen Körper kaum zu ertragen.

Eine weiteres Problem: In manchen Gebieten Afrikas gibt es zwar Aidsmedikamente. Aber keine eigens für Kinder hergestellte. So werden den Kindern einfach die „normalen“ Medikamente verabreicht, die halbiert werden. Diese schlechte Dosierung kann jedoch die Gesundheit des Kindes bedrohen. Denn Kinder brauchen eigens für Kinder entwickelte Medikamente, die in ihrer Zusammensetzung speziell für Kinder erforscht und erprobt werden müssen.

Bei der Therapie in Sirupform für Kinder stellt sich eine ganz andere Herausforderung dar: die meisten von ihnen müssen gekühlt werden. In ländlichen, afrikanischen Haushalten gibt es weder Strom, noch Kühlschrank. Außerdem verlangt die Einnahme von Sirupen eine genaue Dosierung, mit einem Löffel, oder einer Spritze. In armen Gegenden Afrikas stellt dies eine extreme Herausforderung dar und ist kaum bewältigbar.

WHO-Empfehlung für Aidsmedikamente

Die Experten der WHO empfehlen, gerade für Kinder, die Verwendung von fix dosierten Kombinationspräparaten (Fixed-Dose Combinations, FDC)5/6. Von diesen Präparaten stehen derzeit jedoch nur 3 auf der „WHO Model List of Essential Medicines for Children“. Die WHO plädiert dafür, dass weitere solcher Kombinationspräparate entwickelt werden, vor allem Produkte in unterschiedlichen Dosierungen (für unterschiedliches Alter der Kinder) und Medikamente, die nicht gekühlt werden müssen.

Warum gibt es nicht schon längst größere Fortschritte in der Entwicklung von Aidsmedikamenten für Kinder?

Der Markt für Aidsmedikamente für Kinder liegt zu 90% in Afrika südlich der Sahara7. Von den weltweit 2 Millionen infizierter Kinder, leben 1,8 Millionen in Afrika. In einkommensstarken Ländern wird dank guter Präventionsprogramme nur eine sehr kleine Anzahl an Kindern HIV-positiv geboren. Der afrikanische Markt jedoch ist für die Pharmaindustrie nicht lukrativ, können dort doch nie die Preise der einkommensstarken Länder erzielt werden. Außerdem befinden sich die Sitze der Pharmafirmen zum überwiegenden Teil in Industrieländern.
Deshalb haben auch wir hier in Europa Verantwortung für diese Kinder.

Zu Forderung 2: Besserer Zugang zu geeigneten HIV-Tests für Kinder unter 18 Monaten

HIV-Tests für Kleinkinder: Die Problematik: Die „normalen“ HIV-Tests, die auch in Afrika problemlos durchgeführt werden können, sind „Antikörpertests“: das heißt, dass nicht der HI-Virus selbst im Körper nachgewiesen wird, sondern die Antikörper. Sind im Körper eines Erwachsenen Antikörper vorhanden, bedeutet dies, dass er/sie auch den HI-Virus in sich trägt.

Nicht so bei Kleinkindern. Kinder, die von HIV-positiven Müttern geboren werden, tragen Antikörper in sich, die eine Reaktion auf die HIV-Infektion der Mutter sind. Diese werden genauso wie auch andere Antikörper, zB gegen Durchfall oder Infektionskrankheiten, auf die Kinder übertragen. Wird nun bei diesen Kindern ein Antikörpertest durchgeführt, kann nicht mit Sicherheit festgestellt werden, ob die Antikörper auf einer eigenen HIV-Infektion beruhen, oder ob sie eine Reaktion auf den Virus der Mutter sind. Die mütterlichen Antikörper werden erst nach Monaten abgebaut. Erst im Alter von 18 Monaten kann ein Antikörpertest den Virus im Körper des Kindes mit Sicherheit nachweisen.

Eine HIV-Infektion bei Kindern ist jedoch ein Wettlauf mit der Zeit: 1/3 der Kinder stirbt noch vor ihrem 1. Geburtstag, wenn sie bei einer HIV-Infektion keine Aidsmedikamente bekommen.

Tests zum Nachweis des Virus: In Industriestaaten und in größeren Agglomerationen werden für Kleinkinder unter 18 Monaten für den Nachweis des HI-Virus Verfahren verwendet, die auf einem Nachweis der Erbinformation des Virus beruhen, sogenannte PCR-Tests (Polymerase Chain Reaction). Diese Tests jedoch verlangen hochspezifische Laborausrüstung und qualifiziertes Laborpersonal und können derzeit in ländlichen Gegenden Afrikas nicht durchgeführt werden.

Um das Testverfahren für den Nachweis des HI-Virus zu vereinfachen, wurde ein Verfahren mit getrocknetem Blut auf Filterpapier entwickelt. Dieses Verfahren erlaubt es, auch aus ländlichen Gebieten Afrikas Blutproben in gut ausgerüstete Labore zu schicken, um den Virus bei Kleinkindern nachzuweisen.

Trotz dieser Weiterentwicklungen und Vereinfachungen im Bereich der HIV-Tests, ist die Zahl der Kleinkinder, unter 18 Monaten, bei denen HIV-Tests durchgeführt wird, erschreckend gering: in 41 Ländern wurden 2008 nur 15% der Kinder, die von HIV-positiven Müttern geboren wurden, mit einem Virus-Nachweis-Verfahren in den ersten 2 Lebensmonaten getestet.


Zu Forderung 3: Vermehrte Maßnahmen zur Verhinderung der HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind


Von den 2 Millionen HIV-positiver Kinder, die es heute gibt, haben sich 90% durch die Mutter – in der Schwangerschaft, während der Entbindung oder beim Stillen – infiziert. Die meisten Mütter wissen jedoch gar nicht, dass sie HIV-positiv sind. Denn es fehlt in Afrika südlich der Sahara an flächendeckenden Programmen zur Verhinderung der Übertragung des Virus von der Mutter auf das Kind (Prevention of Mother to Child Transmission: PMTCT).

Solche Präventionsprogramme umfassen folgende Komponenten:
- Aufklärung von Schwangeren
- HIV-Tests bei Schwangeren
- Einnahme von Aidsmedikamenten bei HIV-positiven Schwangeren
- Entbindung in einer Gesundheitsstation mit geschultem Personal
- Beratung über die Gefahren der Übertragung des Virums beim Stillen

Durch die Erhöhung der Mittel für gezielte PMTCT-Programme kann die HIV-Infektion von Kindern auf unter 2% gesenkt werden. Dies ist eine konkrete, lebensrettende Maßnahme um zu verhindern, dass sich jährlich 380.000 Kinder mit HIV infizieren 8.
Wir fordern daher vermehrte Maßnahmen zur Verhinderung der HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind.

Zu Forderung 4: 10% der weltweiten HIV/AIDS-Mittel für Schutz,      Versorgung und Ausbildung für Aidswaisenkinder

Die Bürde für Aidswaisenkinder: Geschätzte 2 Millionen Kinder weltweit sind mit dem HIV infiziert. Geschätzte 15 Millionen Kinder weltweit sind Aidswaisenkinder, haben also einen oder beide Elternteile an Aids verloren. Sie müssen mit dem Trauma leben, die wichtigsten Bezugspersonen verloren zu haben und sind gleichzeitig vieler Zukunftschancen wie einer angemessenen Bildung beraubt. Viele von ihnen leben in sog. Kinderfamilien, mit dem ältesten Kind als Familienoberhaupt. Schutzlos sind sie Ausbeutung – oft durch Verwandte – und auch sexuellen Übergriffen ausgesetzt. Das Stigma gegenüber den Eltern, die an AIDS starben, wird auf deren überlebende Kinder ausgeweitet und sie werden gesellschaftlich und sozial ausgeschlossen.
Erhöhung der Mittel

Ein Teilziel der Millennium Development Goals9  ist die Erreichung des universellen Zugangs zur Behandlung für alle Aidspatienten, die ART brauchen, bis zum Jahr 2010. Unter anderen Staaten bekannte sich auch Österreich zur Fortschrittsüberprüfung der Ziele der Sondersitzung der UN-Generalversammlung zur Universal Access Initiative10.
Auch die Versorgung von Aidswaisen ist in diesen Zielen definiert. Laut Hochrechnungen von UNAIDS braucht es für die Erreichung dieses universellen Zugangs im Jahr 2009 geschätzte 19,8 Mrd. US$, und im Jahr 2010 geschätzte 25,1 Mrd. US$11. 10% davon müssen laut UNAIDS für Aidswaisen ausgegeben werden, um für sie umfassenden Schutz und Entwicklung zu gewährleisten.

Deshalb fordern wir, dass von den Mitteln, die weltweit für die Bekämpfung von HIV/AIDS ausgegeben werden, mind. 10% für die Versorgung und Bildung von Aidswaisen ausgegeben wird.


20 Jahre Kinderrechte - Das Recht der Kinder auf medizinische Versorgung: Im Jahr 2009 feiert die Kinderrechtskonvention ihr 20jähriges Bestehen (Convention on the Rights of the Child, CRC). Die Konvention, die von 99% aller Nationen weltweit unterzeichnet wurde, definiert unter anderem auch das Recht der Kinder auf Gesundheit und bestmögliche Gesundheitsversorgung.

Derzeit gibt es bezüglich ART für Kinder 2 unterschiedliche Standards: den Standard für die einkommensstarken Länder, wo für Kinder ART problemlos zur Verfügung stehen. Und den Standard für einkommensschwache Länder, wo nur 38% der Kinder überhaupt ART bekommen. Zudem sind diese schwierig zu dosieren und kompliziert in der Einnahme.

Dies ist nicht akzeptierbar und darum treten wir für bessere Entwicklung von und Zugang zu Aidsmedikamenten für Kinder ein.

UN-CHARTA: Artikel 25: Motherhood and childhood are entitled to special care and assistance. All children, whether born in or out of wedlock, shall enjoy the same social protection.

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HAART - Kampagne

Kampagne für einen besseren Zugang zu kindgerechter Therpaie und HIV Tests