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Länderinformation Armenien

Länderinformation ARMENIEN

Reiseinformationen:

Sicherheitshinweis:
Von Reisen in die Grenzgebiete zu Aserbaidschan wird aufgrund bewaffneter Konflikte abgeraten. Außerdem besteht teilweise Minengefahr.

Geld:
US$-Noten neueren Datums und Euro können getauscht werden. Preise werden gelegentlich noch in US$ angegeben, aber die Bezahlung erfolgt stets in der armenischen Landeswährung, dem Dram (AMD). Die Annahme ausländischer Währungen ist Geschäften verboten.
In der Eriwaner Innenstadt gibt es zahlreiche Geldautomaten, an denen man mit Kreditkarten abheben kann. Außerhalb von Eriwan ist die Bargeldversorgung über Geldautomaten nur in wenigen größeren Städten (z. B. in Gjumri und Wanadsor) möglich; es wird empfohlen, Reisen außerhalb der Hauptstadt nur mit ausreichenden Bargeldreserven anzutreten. Standorte von Geldautomaten des Visa- und des MasterCard/Maestro-Netzwerks können folgenden Webseiten entnommen werden:
http://www.mastercard.com/atmlocator/cobrand/index.jsp?lang=en&country=ARM&var=COBRAND
http://visa.via.infonow.net/locator/global/

Kreditkarten:
Einige Restaurants, Geschäfte und Hotels für gehobene Ansprüche akzeptieren gängige Kreditkarten. Es kommt jedoch – besonders außerhalb der Hauptstadt – gelegentlich zu technischen Schwierigkeiten; in diesen Fällen ist nur Barzahlung möglich.

Elektrischer Strom:
220 Volt/50 Hertz Wechselstrom, Zwischenstecker erforderlich (nur in internationalen Hotels gibt es Steckdosen, die den österreichischen entsprechen)

Zeitdifferenz zu MEZ: +2 h, +3 h zur Sommerzeit

Impfungen:
Neben dem Standardimpfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Polio wird auch Hepatitis A und B empfohlen, eventuell auch Tollwut oder Typhus (je nach Reisedauer und Art der Reise).

Malaria:
geringes Risiko herdförmig von Juni bis Oktober im westlichen Tiefland (Ararat-Tal, Masis-Distrikt). Ausschließlich Malaria tertiana (Plasmodium vivax). Expositionsprophylaxe bei Aufenthalt in den Endemiegebieten wird vom deutschen Auswärtigen Amt empfohlen.

Wichtige Adressen

Botschaft der Republik Armenien
Hadikgasse 28, 1140 Wien
Tel: (+43 / 1) 522 74 79
Fax: (+43 / 1) 522 74 79 – 150
E-Mail: armeniaping@armembassypong.at

Botschaft
c/o BMeiA, Minoritenplatz 8, A-1014 Wien
Telefon: (+43/5) 01150-3501
Telefax: (+43/5) 01159-323
E-Mail: zentralasien-suedkaukasienping@bmeia.gvpong.at
Konsularbezirk: zuständig für Konsularangelegenheiten: Österreichische Botschaft/Konsularabteilung Moskau; zuständig für Erteilung von Touristenvisa im Rahmen des Schengen Abkommens: Deutsche Botschaft in Jerewan

Botschaft der Bundesrepublik Deutschland
Tscharenzstr. 29
375025 Eriwan
Tel.: (0037 410) 52 32 79, 52 45 81
Fax: (0037 410) 52 47 81
E-Mail: infoping@eriwan.diplopong.de
Website: http://www.eriwan.diplo.de

Caritas Armenien
Gyumri (nat. Büro) Dep. Director Anahit Mkhoyan
H. Sargsyan 8, side-street 3
377518 Gyumri
Tel: (374312) 57201
Fax: (374312) 57849
E-Mail: caritasping@cararmpong.am
Website:http://www.caritasarm.am/default.asp

Armenian Caritas Yerevan Field-Office
Movses Hakobyan, Office Responsible
Tigranuhi Tarakhchyan, Projekt Migration and Development
Chaykovsky 34;Apt.23
375028 Yerevan
Tel: (37410) 56 57 66
Mobile: (37491) 43 46 19
E-Mail: carylping@webpong.am, armeniancaritasyfoping@webpong.am
            t.tarakhchyanping@foy.cararmpong.am

 

Informationen zum Land

Ländername Republik Armenien (armenisch: Hajastani Hanrapetutiun)
Lage Südlicher Kaukasus, 39-41 Grad nördlicher Breite, 44-47 Grad östlicher Länge, zwischen Georgien im Norden, Aserbaidschan im Osten, Iran im Süden, Nachitschewan (autonomes Gebiet zu Aserbaidschan) im Südwesten und Türkei im Westen

Landesfläche 29.800 qkm (vergleichbar Belgien)
Hauptstadt Eriwan mit 1,5 Mio. Einwohnern (offizielle Angaben)
Bevölkerung offiziell 3,2 Mio. (tatsächlich wohl weniger), davon 96% Armenier, sowie Russen, Kurden, Jessiden, Griechen
Landessprache Armenisch (eigenständige indoeuropäische Sprache mit eigenen Schriftzeichen) als Amtsprache, Russisch existiert als "Zwischennationalitäten-Sprache" fort

Nationalfeiertag 21. September
Unabhängigkeit unabhängig seit 21.09.1991
Regierungsform Präsidialrepublik
Staatsoberhaupt Sersch Sargsjan
Regierungschef Premierminister Tigran Sargsjan
Parlament Nationalversammlung: eine Kammer, zuletzt am 12.Mai 2007 (131 Sitze) in direkten Wahlen auf vier Jahre gewählt, nächste Wahl: 2011
Parlamentspräsident: Sersch Sargsjan (Republikanische Partei)
Regierungsparteien Republikanische Partei
Verwaltungsstruktur 11 Marse (Bezirke), wobei die Hauptstadt Eriwan den Status eines Mars hat

Mitgliedschaft in internationalen Organisationen OSZE (17.04.1992), UN (02.03.1992), Weltbank (16.09.1992), IWF (28.05.1992), WHO, UNIDOUNIDO, UNESCO, EBRD, GUS, IAEO, WTO (05.02.2003), Natokooperationsrat, Schwarzmeerkooperationsrat, Europarat (25.01.2001), Vertrag über Kollektive Sicherheit

Wichtigste Medien Fernsehen:
Öffentliches Fernsehen H1 (ehem. armenisches Staatsfernsehen) mit einem Programm, zwei weitere landesweite Privatsender, drei russische Programme sowie mehrere kleinere regional begrenzte Privatsender; insgesamt derzeit 75 Fernsehsender.

Hörfunk:
Öffentliches Radio sowie zahlreiche weitere Radiosender
Printmedien:
Agenturen: ArmenPress (staatlich), Noyan Tapan, ARKA-Wirtschaftsnachrichten (unabhängig), Arminfo, Mediamax
Tageszeitungen:
Azg, Hayastani Hanrapetutiun, Irawunk, Ayzhm, Aravot, sowie 3 russischsprachige Tageszeitungen
Wochenzeitung:
Noyan Tapan Highlights (englischsprachig).

Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2006 (Jan-Jun): 809,5 Mrd. Dram (AMD);
BIP per capita 2006 (Jan-Jun): 251.468 Dram (= ca. 520 Euro)
Monatlicher Durchschnittslohn 2006 (Jan-Jun): 59.618 Dram (= ca. 123 Euro)
Wechselkurs Stand Mai 2010: 1 Euro = ca. 500 Dram


Geografie und Klima

Armenien liegt am Übergang zwischen Kleinasien und (dem aus europäischer Sicht so benannten) Transkaukasien, zwischen 38° 51' und 41° 16' nördlicher geografische Breite sowie 43° 29' und 46° 37' östlicher geografische Länge. Der heutige Kleinstaat umfasst ein Gebiet von 29.800 km² im Nordosten des Armenischen Hochlands und am Südrand des Kleinen Kaukasus.
Armenien grenzt im Norden an Georgien, im Osten an Aserbaidschan, im Südosten an den Iran, im Süden an die aserbaidschanische Exklave Nachitschewan und von Südwesten bis Westen an die Türkei.
Armenien ist ein Gebirgsland – 90% der Landesfläche liegen mehr als 1.000 m über dem Meeresspiegel, die mittlere Höhe beträgt sogar 1.800 m. Von Norden her erstrecken sich die über 3.000 m hohen Ausläufer des Kleinen Kaukasus. Die höchste Erhebung ist der erloschene Vulkan Aragaz (4.090 m) (unweit des biblischen Ararat), der tiefste Punkt liegt rund 380 m hoch am Ufer des Aras an der Grenze zur Türkei. Das Gebiet liegt in einem Faltengebirge – es entstand und verändert sich nach wie vor durch den Zusammenstoß der Eurasischen Platte mit der Arabischen Platte – und ist dementsprechend stark erdbebengefährdet. Das Gestein ist oft vulkanischen Ursprungs. Unter den nachgewiesenen Bodenschätzen sind verschiedene Kupferoxide am wichtigsten, die als Nebenprodukt Molybdän, Eisen und Gold enthalten, außerdem Uran, verschiedene Halbmetalle, Schmucksteine und Gesteinsarten wie Tuff, Basalt, Marmor u. a. Hinzu kommen Mineralwasserquellen, deren Wasser für Heilzwecke und im Alltagsgebrauch Verwendung findet.

Der größte See Armeniens ist der östlich von Eriwan ca. 1.900 m hoch gelegene Sewansee mit einer Fläche von derzeit ca. 940 km². Durch Wasserentnahme ist seine Fläche stark zurückgegangen (1984: 1.262 km²). Die längsten Flüsse Armeniens sind Aras, Worotan, Kasach, Hrasdan und Debed.

Klima

Das Territorium der Republik Armenien liegt zwar in den Subtropen,  doch durch die beträchtlichen Höhenunterschiede – der Aragaz (4.090 m) und der tiefste Punkt am Aras (rund 380 m) liegen z. B. nur rund 80 km voneinander entfernt – und die kleinteilige Landschaft ergeben sich jedoch unterschiedliche lokale Klimata. Einerseits wirken die nahen Meere ausgleichend, andererseits begünstigen die Hochgebirge der Umgebung extreme Schwankungen. Die hohen Gipfel des Kaukasus wirken starken Kälteeinbrüchen von Norden her entgegen. In den Tälern und Niederungen ist das Klima kontinental, wobei die Mittagstemperaturen im Sommer meistens über 30 °C liegen, in den Bergen insgesamt etwas kühler und an der Grenze zum Iran subtropisch und sehr trocken.

Pflanzen- und Tierarten

Das Gebiet der Republik Armenien ist artenreich; es gibt eine Vielzahl endemischer Arten. Um 1900 waren rund 25 Prozent der Fläche von Bäumen oder Sträuchern bedeckt, 1964 rund 15 Prozent, 2005 nur noch 8–10 Prozent.

In Sangesur im Süden des Landes liegt die Baumgrenze bei 2400 Metern. In noch höheren Lagen ähnelt die Pflanzenwelt derjenigen der Alpen.
Der lateinische Name der Aprikose, (Prunus armeniaca), lautet übersetzt „armenische Pflaume“. Die Aprikose gehört zu den Symbolen Armeniens, daher auch die Farbe des untersten Streifens der Flagge Armeniens.
Es gibt viele Reptilien, darunter die Armenische Felseidechse und Giftschlangen wie etwa Vipern; unter den Spinnentieren auch Skorpione. In feuchten Niederungen leben Wildschweine, Schakale, Rehe, Nerze, Möwen und Adler; in den Steppen im Gebirge vor allem Nagetiere; in den Wäldern auch Syrische Braunbären, Wildkatzen und Wölfe. Im Naturschutzgebiet Chosrow leben noch Luchse und einige Kaukasische Leoparden.


Bevölkerung

Von den etwa drei Millionen Einwohnern des Landes sind laut der 2001 erfolgten Volkszählung 94,9% Armenier, 4.9% jesidische Kurden, 0,5% Russen (darunter auch Molokanen), weitere sind Aramäer. Bis 1990 (vor dem Berg-Karabach-Konflikt) lebten auch zahlreiche Aserbaidschaner in Armenien. In Armenien ist die Bevölkerungsentwicklung rückläufig (–0,4% pro Jahr). Zwischen 1991 bis 1998 sind etwa 750.000 Armenier vor allem nach Russland und in andere Staaten der GUS emigriert.
Die armenische Sprache stellt einen eigenen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie dar. Armenisch (Eigenbezeichnung Hajeren) wird weltweit von etwa 7 Mio. Menschen gesprochen, in Armenien von etwa 3 Mio., das sind über 95% der Bevölkerung. Das armenische Alphabet wurde am Anfang des 5. Jahrhunderts durch Mesrop Maschtoz für das Altarmenische entwickelt. Seitdem ist dieses Alphabet die feste Grundlage der nationalen Sprache und der Kultur geworden.
Eine weitere bedeutende Sprache des Landes war bis 1990 die Turksprache Aserbaidschanisch mit rund 160.000 Sprechern; aufgrund des Konfliktes um Bergkarabach wurden allerdings die meisten Aserbaidschaner aus Armenien vertrieben. Das nordwestiranische Kurmandji und das Russische werden noch jeweils etwa 100.000 Muttersprachlern in Armenien gesprochen. Als Zweitsprache wird das Russische von wesentlich mehr Armeniern beherrscht, zumal Russisch noch immer erste Fremdsprache in den Schulen ist (es gibt aber einen neueren Trend zum Englischen als erster Fremdsprache).
Insgesamt werden in Armenien elf Sprachen aus vier verschiedenen Sprachfamilien gesprochen. 

Geschichte

Vorgeschichte

Die Schulaveri-Schomu-Kultur im ist die früheste bekannte prähistorische Kultur in diesem Gebiet. Die Funde haben ein Alter von 6000 bis 4000 v.Chr. Ein kürzlich gefundener Sarg wurde wiederum auf 9000 v.Chr. datiert. Eine spätere Kultur in diesem Gebiet ist die Kura-Araxes-Kultur, die in der Periode von 4000 bis 2200 v.Chr. existierte und deren Entwicklung sich in der Trialeti-Kultur (ca. 2200-1500 v.Chr.) fortsetzte.
Der Name der Hauptstadt Armeniens Eriwan, ist seit 2500 v. Chr. belegt. Ein Vorgängerreich Armeniens war das Reich Urartu, das sich 850 v. Chr. mit Zentrum um den Vansee im Gebiet des heutigen Armenien bildete. Das Reich bestand bis ca. 600 v. Chr., stand im Konflikt mit den Assyrern und wurde von den Kimmeriern verwüstet. Ca. 518 v. Chr. wird Armenien in das Perserreich eingegliedert, das später von Alexander dem Großen (334-323 v. Chr.) erobert wird.

Die Artaxidendynastie

Nach der Aufteilung des Alexander-Reiches unter den Generälen des makedonischen Eroberers gründete Seleukos I. im Jahre 312 v. Chr. in Syrien und Mesopotamien ein Reich. Seine Nachfolger, die Seleukiden betrieben eine expansive Politik und drangen über Armenien bis zum Indus-Tal vor. Armenien gliederte sich damals in vier unabhängige Königtümer: Armenia Maior (Großarmenien), Armenia Minor (Kleinarmenien), Sophene und Kommagene. Von einzelnen Fürsten des feudal regierten Armenien erhoben die Seleukiden Tributzahlungen und verliehen dafür den Titel „Strategos“. Über das gesamte armenischsprachige Gebiet aber konnten sie trotz wiederholter militärischer Aktionen keine direkte Herrschaft erlangen. Unter dem Seleukidenherrscher Antiochos III. (223–187 v. Chr.) gelangte in Sophene ein Fürst Zareh als Strategos an die Macht – in Großarmenien trat ein Fürst Artaxes die Regentschaft an. Sehr bald bot sich beiden Fürsten die Möglichkeit einer Lossagung vom Seleukiden-Reich: als Antiochos III. Hellas angriff, geriet er mit den Römern in Konflikt, der 189 v. Chr. mit einer schweren Niederlage von Antiochos endete. Der Senat in Rom bestätigte 188 v. Chr. den unabhängigen Status des Herrschaftsgebietes von Zareh und Artaxes.
König Artaxes (190-159 v. Chr.) begründete eine Dynastie, die Armenien zum Zenit seiner wirtschaftlichen und politischen Macht führte, unter der es die glanzvollste Periode seiner Geschichte erlebte. Artaxes I. entschied, die Hauptstadt Jerwantaschat aufzugeben, um weiter stromabwärts eine neue Metropole zu gründen, die er Artaschat nannte. Wie Strabon und Plutarch berichten, soll Hannibal, der um 188 v. Chr. nach der Schlacht bei Magnesia an den Hof Artaxes' geflüchtet war, den armenischen König bei diesem Vorhaben maßgeblich beraten und sogar Pläne für Artaschat entworfen haben. Ausgrabungen der Armenischen Akademie der Wissenschaften brachten die Mauern der auf neun Hügeln gelegenen Stadt, Gebäude mit Wandmalereien, den Palast, Reste der Kasernen und Unterkünfte für Krieger mit Familien und zahlreiche Gebrauchs- und Ziergegenstände ans Licht.
Unter Artaxes I. vollzog sich die endgültige Konsolidierung armenischer Kultur. Die Landessprache war Armenisch; für literarische und religiöse Texte verwendete man die griechische Schrift, Regierungsdekrete wurden jedoch in Aramäisch verfasst. Das Herrscherhaus, der Adel und die gebildete Bürgerschicht beherrschten mehrere Sprachen. Dazu gehörten Armenisch, Griechisch und Persisch. Mit einer Reorganisation der Verwaltung führte der Herrscher eine Vielzahl von Gesetzen ein, die Recht und Ordnung im Lande sicherten.
Das von König Artaxes I. gefestigte Reich schien gefährdet, als sich dessen Enkel, König Artawasd I. (123-95 v. Chr.), den von Osten eindringenden Parthern beugen musste. Als Geisel kam der Thronfolger, Prinz Tigran, an den parthischen Hof. Gegen die Abtretung von 70 Tälern im Osten Armeniens entließen die Parther Tigran nach dem Tode von König Artawasd. Im Jahre 95 v. Chr. bestieg er als Herrscher von Armenien den Thron der Artaxiden.

Arsakiden

Die Parther versuchten bald nach dem Ende der Artaxidendynastie Mitglieder des eigenen Herrscherhauses der Arsakiden (Arshakuni) als Vasallenkönige auf den Thron zu setzen, die Römer waren dagegen zunächst erfolgreich mit eigenen Verbündeten, zuletzt aus dem iberischen (georgischen) Königshaus. Radamistos, der letzte Vertreter, kam durch Verwandtenmord an die Macht, bei dem die Römer tatenlos zusahen. In der Folge gelang es dem parthischen Großkönig, seinen Bruder Trdat I. (Tiridates) als Kandidaten gegen den römischen Kandidaten, Tigranes von Kappadokien, durchzusetzen. Jedoch musste dieser 63 die römische Oberhoheit anerkennen (Krönung von Trdat I. 66 in Rom durch Nero). Dennoch blieb die Oberhoheit über Großarmenien umstritten; ob es zu einer vertraglichen Regelung kam, der zufolge der parthische Großkönig einen Kandidaten präsentiert und der Kaiser ihn einsetzt, wie einige Forscher annehmen, ist fraglich. Als 114 der parthische Großkönig Chosrau den armenischen König absetzt und seinen Neffen zum König macht, erkennt Trajan diesen nicht an. Es gelang ihm sogar für kurze Zeit, das Land als römische Provinz einzugliedern.
224 wurden die Arsakiden in Persien von den Sassaniden besiegt und verdrängt, und die Sassaniden begannen wieder eine aggressivere Westpolitik. Im Feldzug von 252 gelang es Schapur I., 296 noch einmal seinem Sohn Narseh, Großarmenien zu erobern, doch vermochten sie nicht, ihre Herrschaft auf Dauer zu etablieren; zeitweilig gab es zumindest in Westarmenien arsakidische Könige. Als Diokletian die Sassaniden 297 besiegte, mussten diese die Oberhoheit über Großarmenien aufgeben - Trdat III. bestieg den Thron, der in der Folge das Christentum in Armenien förderte. Im 4. Jahrhundert kam es dann zu heftigen Kämpfen zwischen Römern und Sassaniden um Armenien.

Christianisierung

Die Armenische Apostolische Kirche feierte im September 2001 ihr 1700-jähriges Bestehen, da 301 der Überlieferung nach die Annahme des Christentums unter König Trdat III. und der geistlichen Führung des Hl. Grigor Lusaworitsch, dem "Erleuchter" erfolgte. Armenien wurde so der erste stark christlich geprägte Staat der Welt. Das sollte dazu führen, dass Armenien trotz oftmaliger Besetzung, Teilung und Eroberung seinen Nationalcharakter behielt. So teilten Rom und das persische Reich der Sassaniden das armenische Königreich 387 untereinander auf, obwohl es in dieser Region während der gesamten Spätantike noch zu Kämpfen zwischen diesen beiden Großmächten kam. Dennoch entwickelten die Armenier eine hochstehende Kultur, Literatur und Baukunst.

Das Ende des antiken Staates

Sowohl im römischen Teil als auch im sehr viel größeren sassanidischen Teil des alten Großarmenien wurde die Dynastie der Arsakiden 390 bzw. 428 abgesetzt, die Sassaniden setzten einen Vertreter des Großkönigs ein. Als die Sassaniden versuchten, die zoroastrische Staatsreligion in Armenien einzuführen, kam es zu einem Aufstand der Armenier unter dem adeligen Haus der Mamikonjan. 451 unterlag aber das armenische Adelsaufgebot den persischen Truppen, der Anführer Vardan Mamikonjan wurde getötet. Es folgte ein langer Guerillakrieg, der schließlich mit der Anerkennung des Christentums endete.

Armenien zwischen Byzanz und Persien

Im Jahre 363 unternahm Julian Apostata einen Feldzug gegen das Sassanidenreich, der mit einer Niederlage endete. Sein Nachfolger Jovian musste einem für die Römer ungünstigen Frieden zustimmen. Schapur III. (383–388) stellte die Christenverfolgungen ein und vereinbarte mit dem römischen Kaiser im Osten, Theodosius I., wohl 387 die Teilung des stets umstrittenen Armeniens, wobei die erstarkte Stellung Persiens auch dadurch deutlich wurde, dass die Sassaniden rund vier Fünftel des Landes erhielten (so genanntes Persarmenien). Hauptstadt des persischen Teils wurde Dvin.
Im 6. Jh. wurde Armenien wieder zu einem der Hauptkampfgebiete zwischen Ostrom und den Sassaniden, verschiedene Mitglieder des armenischen Adels wechselten mehrmals die Seiten. Unter Kaiser Maurikios (Ende 6.jh.) und Kaiser Herakleios (Anfang 7.Jh.) gelang es dem Byzantinischen Reich, den Großteil von Großarmenien unter seine Kontrolle zu bringen. Allerdings führten die Verwaltungsmaßnahmen der Byzantiner und ihre Versuche, die Armenier zur Annahme der Beschlüsse des Konzils von Chalkedon (451 zu bewegen, zu Aufständen des armenischen Adels.
Aufgrund des religiösen Schismas betrieb Byzanz eine armenienfeindliche Politik. Kaiser Maurikios schloss mit dem Sassanidenherrscher Chosrow ein Abkommen zur Entvölkerung der Grenzgebiete, um durch die Schaffung einer toten Zone weitere Konflikte mit seinem Gegner zu vermeiden. Die betroffenen Armenier siedelte er in Thrakien und Makedonien an, wo sie als kriegserprobtes Volk die Feinde jenseits der Donau sowie Bulgaren abwehren sollten. Doch auf diese Weise hatte Maurikios gegen die Interessen des eigenen Reiches gehandelt; seine Verteidigungskraft im Osten gegen die Sassaniden war nunmehr stark geschwächt.
Die Georgier fürchteten, dass sie durch ihre Verbindung mit der Armenischen Kirche ein ähnliches Schicksal erleiden könnten, und schlossen sich im Jahre 602 dem Patriarchat von Konstantinopel an. Kaiser Herakleios, der den byzantinischen Thron im Jahre 610 bestieg, war armenischer Abstammung. Ihm gelang es durch zielstrebige wirtschaftliche und verwaltungstechnische Reformen dem drohenden Ruin seines Reiches entgegenzuwirken. Über die Sassaniden errang der Kaiser um 624 in Armenien glänzende Siege, bis das Jahr 628 endlich Frieden brachte: große Teile Armeniens kamen mit den von den Persern besetzten Gebieten wieder an das Byzantinische Reich zurück. Nun strebte der Herrscher auch eine Entspannung in Glaubensfragen an. Er reiste im Jahre 633 nach Garin, um mit Katholikos Esr sowie zahlreichen Bischöfen eine Konferenz abzuhalten, in der Chalkedon bewusst nicht im Mittelpunkt der Gespräche stand. Doch die Pläne des Kaisers, der die Mauern der religiösen Differenzen niederreißen und Ruhe in das Reich bringen wollte, konnten nicht mehr zur Ausführung gelangen, denn der erste militärische Ansturm des Islam verdüsterte den politischen Horizont.

Armenien zur Zeit der Araberinvasion

Im Jahre 636 brachen die Araber in Syrien ein, 638 eroberten sie Palästina. Nach der Unterwerfung des Perser-Reiches besetzten sie 639/640 Mesopotamien. Von hier aus drangen sie unter ihrem Befehlshaber Habib Ibn Maslama nach Armenien vor und erstürmten im Oktober 640 die Hauptstadt Dvin. Die Fürsten der gefährdeten Gebiete verhandelten mit den Arabern, die religiös duldsamer als die Byzantiner waren, um das Land und die Bevölkerung vor Zerstörung und Verlusten zu bewahren. Der Adel behielt seinen Besitz und seine Position, als Gegenleistung mussten Abgaben entrichtet und Waffenhilfe geleistet werden. In Dvin etablierten die Araber den Sitz ihres Statthalters und seiner Beamten, sie ließen daher die zerstörte Stadt wieder aufbauen und mit starken Befestigungen versehen.
Die Invasion der Araber unterbrach die kurze Friedensperiode, in der sich in Armenien eine rege kulturelle Tätigkeit entfaltet hatte. Eine Vielzahl literarischer Werke war entstanden, die in Klöstern von Mönchen abgeschrieben wurden und so weite Verbreitung fanden. Historiker hatten die politischen Ereignisse vergangener Jahrhunderte festgehalten und kommentierten sie; religiöse und philosophische Schriften nahmen auf das geistige Leben einen nachhaltigen Einfluss. Unter den armenischen Gelehrten des 7. Jahrhunderts hatte Anania von Schirak als bedeutendste Gestalt grundlegende Werke zur Kosmographie, Geographie, Arithmetik, über den Kalender, über Maße und Gewichte verfasst, die Ursachen der Sonnen- und Mondfinsternis erklärt und die zeitgenössische Astrologie kritisiert. Eine damals bereits hoch entwickelte Musiktradition Armeniens erlebte durch die Verbesserung der aus dem 4. Jahrhundert stammenden Notationen eine neue Blütezeit. Neben den Volksliedern, deren Thematik teilweise noch aus heidnischer Zeit übernommen war, erweiterten zeitgenössischen Komponisten das Repertoire der Kirchengesänge, die sich durch außergewöhnlichen melodischen Reichtum auszeichneten.

Einen Höhepunkt erreichte die klassische armenische Architektur (5. bis 7. Jahrhundert), als man nach der Erbauung der großen Kuppelkirche St. Hripsime bei Etschmiadsin durch Katholikos Komitas im Jahre 618 unweit davon die Palastkirche Swartnoz im Auftrag von Katholikos Nerses III.(641-661) errichtete. Nerses, der in den bewegten Zeiten der Araberinvasion sein Amt angetreten hatte, verlegte seine Residenz aus dem heimgesuchten Dvin nach Swartnotz und verewigte sich in der Geschichte des Landes als Bauherr der schönsten architektonischen Schöpfung Armeniens seiner Zeit. Die Aktivitäten des Katholikos (der wegen seiner regen Bautätigkeit den Namen Nerses Schinogh, „der Erbauer“, erhielt) belegen, dass die Araber zunächst keine Islamisierung betrieben. Sie setzten jedoch ihre Eroberungszüge fort und eroberten weitere Gebiete Armeniens und Grusiniens; sie brachten Kaukasisch-Albanien unter ihre Gewalt und marschierten schließlich 642/643 nach Kappadokien. Um Armenien nicht zu verlieren, dass wie ein Wall zwischen dem Byzantinischen Reich und den Arabern lag, versprach Kaiser Konstans II. (641-668) Truppen zur Unterstützung jener Fürsten, die sich gegen die Araber verteidigen wollten. Sicherlich wäre Armenien der stärkste und beste Verbündete des Byzantinischen Reiches gewesen, wenn der Kaiser die Eigenständigkeit des fähigen christlichen Volkes anerkannt hätte. Doch der Patriarch Paulos II. von Konstantinopel (641-654) forderte die Armenier in einem Schreiben auf, die Bedingungen von Chalkedon anzunehmen. Katholikos Nerses III. und Fürst Theodor Rschtuni beriefen 648 eine Kirchenversammlung ein, um die Situation zu besprechen. Während der pro byzantinisch gesinnte Katholikos die Waffenhilfe des Kaisers als Rettung vor dem Islam betrachtete, reagierte der armenische Adel und Klerus auf das in Aussicht gestellte Bündnis bei religiöser Unterordnung mit Entrüstung und eisiger Ablehnung. Da nach dem Ablauf des Waffenstillstandes zwischen den Arabern und Byzantinern weitere arabische Einfälle zu erwarten waren, übten die kirchenpolitischen Bestrebungen von Byzanz einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Entscheidung armenischer Adeliger zur freiwilligen Anerkennung der arabischen Oberhoheit aus.

Bagratiden

Aschot I. Bagratuni gelang es dann unter Ausnutzung der allmählichen Schwächung des Kalifats 885/886 wieder ein armenisches Königreich zu errichten, das sowohl vom Kalifen als auch vom byzantinischen Kaiser anerkannt wurde.
Die Blütezeit des Reiches der Bagratiden fällt unter Gagik (990-1020). In der zweiten Hälfte des 11. Jh. ging das Reich durch unglückliche Kriege und innere Zwistigkeiten zugrunde. Ab dem späten 10. Jh. drangen die Byzantiner wieder aus Kleinasien vor und konnten ein armenisches Königreich nach dem anderen in ihr Reich eingliedern. Den armenischen Königen wurden neue Güter im Inneren Kleinasiens angeboten, wohin nun zehntausende Familien umsiedelten. Erneut kam es dort und auch in Armenien zum Streit mit der orthodoxen Reichskirche, nachdem vorher Versuche, durch Gespräche eine Union zu erreichen, scheiterten. Wieder herrschte politische und kirchliche Uneinigkeit, als mit den Seldschuken aus Zentralasien eine neue expansive muslimische Macht auftrat. Am 16. August 1064 eroberten und verwüsteten die Seldschuken Ani, die armenische Hauptstadt (wegen ihrer vielen imposanten Sakralbauwerke auch Stadt der 1001 Kirchen genannt), 1071 besiegten sie den byzantinischen Kaiser in der Schlacht von Mantzikert nordwestlich des Vansees und eroberten dann den Großteil von Kleinasien und Armenien.

Das kleinarmenische Königreich in Kilikien

In der Folge gründeten armenische Flüchtlinge 1080 in Kilikien ein unabhängiges Fürstentum von Kleinarmenien unter den Rubeniden. Diese verbündeten sich mit den Kreuzfahrern gegen Byzantiner und Türken und umgekehrt. Leo II. (1189-1219) erhielt 1199 den Königstitel. 1342 fiel das Königreich an die katholischen Lusignans von Zypern. Als die Hauptstadt Sis im Jahr 1375 von den ägyptischen Mamluken erobert wurde, ging mit Kleinarmenien das letzte eigenständige Staatsgebilde der Armenier bis zum 20. Jahrhundert unter. Kilikien fiel 1515 an das Osmanische Reich.

Das armenische Kernland im späten Mittelalter und der Neuzeit

Der Großteil der Armenier lebte auch nach der türkischen Eroberung des 11. Jh. im Kernland, wo sie aber wechselnde Herrschaften über sich ergehen lassen mussten. Eine immerhin christliche Fremdherrschaft brachte die Blüte des benachbarten Georgischen Königreiches im 12. und 13. Jh., das einen großen Teil Armeniens erobern konnte (1184 nahmen die Georgier Ani ein). Der Einfall der Mongolen ab 1223 beendete die georgische Macht und brachte erneute Verwüstungen über das Land. In den folgenden Jahrhunderten wechselten unter mongolischen und türkischen Dynastien Zeiten relativ friedlicher Herrschaft mit Kriegen und Invasionen neuer Nomadenstämme; die schlimmsten Verwüstungen brachten wohl die Feldzüge des Timur Leng um 1400. Zu Beginn des 15. Jh.s waren die Armenier durch Flucht, Vertreibung und Ansiedlung türkischer und kurdischer Stämme in vielen Gegenden des alten Armeniens zu einer Minderheit geworden. Nur mehr in wenigen Gebieten hatten sich einige der alten Adelsfamilien erhalten.
Das armenische Kernland erlebte nach 1500 eine erneute Teilung zwischen dem Osmanischen Reich im Westen, das auch nach und nach alle von Armeniern bewohnten Gebiete in Kleinasien und Syrien unterwarf, und dem neuen schiitischen Safavidenreich im Iran im Osten; 1639 wurde im großen und ganzen die bis heute geltende Grenze zwischen dem persischen Ostarmenien und dem Osmanischen Reich festgelegt. In Ostarmenien schwand der Anteil der Armenier an der Bevölkerung weiter dahin, vor allem nachdem der Schah Abbas I. 1604 ca. 250 000 Armenier in den Iran deportierte, wo sie in Neu-Dschulfa eine bis heute bestehende Kolonie gründeten. Seit dem 18. Jh. unterhielten die Armenier und das Katholikat Kontakte zum nach Süden vordringenden Zarenreich.

Russische Herrschaft in Nordostarmenien

Im Russisch-Türkischen Krieg 1828 bis 1829 kam der östliche Teil Armeniens unter die Oberhoheit des Russischen Reiches. Nach dem zehnten Russisch-Türkischen Krieg 1877 bis 1878 im Kontext der Balkankrise musste das Osmanische Reich im Frieden von San Stefano weitere Teile Ostarmeniens und die Provinzen Kars und Ardahan an Russland abtreten. Kulturell und auch sprachlich hatten sich bis zu diesem Zeitpunkt erhebliche Unterschiede zwischen Westarmenien und Ostarmenien gebildet, die sich heute in den manchmal spannungsvollen Beziehungen zwischen der aktuellen Republik Armenien und der armenischen Diaspora widerspiegeln.

Die Entwicklung in Westarmenien bis 1914

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts war es unter den im Osmanischen Reich lebenden (West-)Armeniern unter westeuropäisch-aufklärerischen Einflüssen zu einer Wiederentdeckung der eigenen Kultur und ihrer Wurzeln gekommen. Dazu trug auch die Tatsache bei, dass durch eine vor allem von den USA ausgehende protestantische Missionsbewegung, die zunächst den türkischen Muslimen gegolten hatte, dann aber in den christlichen Armeniern dankbarere Adressaten gefunden hatte, ein dichtes Netz von Schulen entstanden war. In Konstantinopel und anderen Großstädten entstand eine breite Schicht von Intellektuellen, die diesem Wiedererwachen literarisch und auch politisch Ausdruck verliehen. Auf der anderen Seite empfanden die in den sogenannten armenischen Provinzen in Ostanatolien lebenden Armenier ihre Diskriminierung im Osmanischen Reich immer stärker und begannen, sich gegen übermäßige Steuerlast und ständige Übergriffe lokaler (vor allem kurdischer) Stammesführer zur Wehr zu setzen. Gleichzeitig traten die europäischen Mächte als Schutzherrn der orientalischen Christen, vor allem der Armenier auf, verfolgten dabei jedoch in erster Linie eigene koloniale Interessen. So brachten weder die eingeleiteten Reformen noch die auf dem Berliner Kongress vertraglich fixierten Reformen für die Armenier eine Besserung ihrer Lage. Im Gegenteil: unter Sultan Abdülhamit II. gab es 1894-1896 eine erste Welle systematischer Massaker, denen schätzungsweise 200.000-300.000 Armenier zum Opfer fielen. So setzen die Armenier um die Jahrhundertwende vielfach auf die Bewegung der Jungtürken, von denen sie sich endlich Gleichberechtigung innerhalb des immer mehr vom Zerfall bedrohten osmanischen Staates erhofften. Doch gerade diese vermeintlichen Verbündeten sollten wenig später die Vernichtung armenischen Lebens auf türkischem Boden beschließen und auch durchführen. Vorbote war das Massaker von Adana 1909.

Das osmanisch beherrschte Südwestarmenien im Ersten Weltkrieg

Am 24. April 1915 veranlasste die 1908 an die Macht gekommene jungtürkische Bewegung die Verhaftung, Deportation und Ermordung armenischer Intellektueller in Konstantinopel und leitete damit den Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern - zwei Dritteln des im Osmanischen Reich seit Jahrtausenden lebenden christlichen Volkes - ein. Die Überlebenden gingen ins Exil; zehntausende (vor allem junge Mädchen und Waisenkinder) wurden zwangsislamisiert. Der Ort Dersim, türkisch Tunceli, war bis zu seiner Vernichtung durch die türkische Armee 1937/38 ein wichtiges Refugium für viele Armenier. Nach dem Militärputsch 1980 wurde versucht, auch die Armenier in Dersim zu islamisieren. 1994 wurden ca. 200 Dörfer in Dersim durch türkisches Militär und Para-Militär zerstört. Heute leben in der Türkei nur mehr ca. 60.000 Armenier, fast ausschließlich in Istanbul.
Die Türkei bestreitet die Faktizität des Völkermordes bis heute. Er wurde jedoch seit Mitte der 60er Jahre durch eine zunehmende Zahl nationaler Parlamente anerkannt - darunter auch vom Deutschen Bundestag und dem Schweizer Nationalrat, dem Europarat und dem Europäischen Parlament. 2005 fand in Istanbul auch eine Konferenz statt, die sich mit dem Thema beschäftigte, wenn es auch im Vorfeld und während der Konferenz zu scharfen Protesten von türkischen Nationalisten gekommen war.

Die Erste Republik in Nordostarmenien 1918-1920

Als Folge des Ersten Weltkrieges entstand eine Reihe unabhängiger Staaten in Gebieten, die vormals zum Deutschen Kaiserreich, zum Osmanischen Reich und Russischen Reich gehört hatten. Einer dieser Staaten war die am 28. Mai 1918 ausgerufene Demokratische Republik Armenien, die sich der Entente gegen die Mittelmächte anschloss. Im Vertrag von Sèvres, einem der Pariser Vorortverträge, die den Ersten Weltkrieg beendeten, war die Unabhängigkeit Armeniens vorgesehen. Der Vertrag ist jedoch nie in Kraft getreten, weil er nicht von allen Vertragsstaaten ratifiziert wurde. Die Flagge und das Wappen sind seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991 wieder Symbole der heutigen Republik Armenien. Ende 1920 marschierte von Norden die Rote Armee ein, während von Westen die Truppen der neuen türkischen Gegenregierung Mustafa Kemal auf die Hauptstadt Eriwan vorrücken. Am 29. November 1920 wurde die Armenische SSR ausgerufen.

Sowjetische Herrschaft

Infolge des Griechisch-Türkischen Krieges (1919-1922) wurde der Vertrag von Sèvres im Vertrag von Lausanne zugunsten der Türkei revidiert. 1920 wurde Armenien zwischen der Türkei und Sowjetrussland aufgeteilt. Nach Gründung der UdSSR 1922 wurde die Armenische SSR ein Teil der Transkaukasischen Sozialistischen Föderalen Sowjetrepublik.
Am 5. Dezember 1936 wurde Sowjetarmenien eine formal eigenständige Unionsrepublik der Sowjetunion und hieß von nun an Armenische Sozialistische Sowjetrepublik. Sie entwickelte sich zu einem wichtigen Standort der chemischen Industrie, der Schuhindustrie und der Informatik. Viele elektronische Bauteile für die sowjetische Raumfahrt und auch Roboter wurden hier entwickelt. Außerdem wurden Früchte und Tabak in andere Teile der Sowjetunion exportiert, und international insbesondere Armenian Brandy. Im Ararattal wird seit dem 19. Jahrhundert Brandy hergestellt, der auch international wegen seiner ungewöhnlichen Milde geschätzt wird. In der Sowjetunion war die Armenische SSR unter anderem wegen des warmen Klimas ein beliebtes Reiseziel.
Die Armenische SSR war seit dem Ende der achtziger Jahre neben der Estnischen SSR, der Lettischen SSR und der Litauischen SSR ein Zentrum der separatistischen Bewegungen innerhalb der UdSSR, die die Auflösung beschleunigten. Zu dieser Zeit flammte auch der Konflikt um Bergkarabach, ein mehrheitlich armenisch besiedeltes Gebiet innerhalb der Aserbaidschanischen SSR, wieder auf. Armenien und Aserbaidschan haben seit 1988 militärische Auseinandersetzungen um Bergkarabach geführt.
Am 7. Dezember 1988 erschütterte ein schweres Erdbeben die Region Lori im Norden der Armenischen SSR, das den Wert 6,8 auf der Richterskala erreichte. Neben der Stadt Spitak, die nahezu vollständig zerstört wurde, wurden auch die Städte Leninakan (heute Gjumri) und Kirowakan (heute Wanadsor) sowie viele umliegende Dörfer schwer beschädigt. Viele Gebäude, insbesondere Schulen und Krankenhäuser, hielten dem Erdbeben nicht Stand und 25.000 Menschen ließen ihr Leben. Hinzu kamen die winterlichen Temperaturen und die Unvorbereitetheit der Behörden. Die Regierung ließ ausländische Helfer ins Land. Dies war der erste Fall, indem die Sowjetunion ausländische Hilfe in größerem Ausmaß annahm. Die wirtschaftliche Entwicklung dieser Region wird durch die langfristige Schädigung der Infrastruktur nach wie vor behindert.
Am 23. August 1991 wurde die Armenische SSR in Anlehnung an die erste Republik in Republik Armenien umbenannt. Nach der Unabhängigkeitserklärung am 21. September 1991 entstand die heutige Republik Armenien. Der südwestliche, weitaus größte Teil des historischen Siedlungsgebietes der Armenier blieb unter türkischer Herrschaft - darunter auch der Berg Ararat, auf dem nach biblischer Überlieferung die Arche Noah gelandet ist. Er gilt bis heute als Nationalsymbol der Armenier und taucht auch im Staatswappen auf (siehe oben).

Die erneute Unabhängigkeit seit 1991

Am 21. September 1991 erklärte sich Armenien von der sich in Auflösung befindlichen Sowjetunion für unabhängig. Das Parlament, die Nationalversammlung, wird alle vier Jahre gewählt. Es gibt nur eine Kammer.
Am 6. Oktober 1991 wurde Lewon Ter-Petrosjan zum ersten Präsidenten der armenischen Republik gewählt. Am 22. September 1996 wurde er wiedergewählt. Seine Popularität sank jedoch zunehmend. Seit einem Waffenstillstand im Mai 1994, der einer Besetzung eines Sechstels Aserbaidschans durch armenische Truppen folgte, hat sich die Situation im Konflikt um Bergkarabach nicht wesentlich verbessert. Es hat bislang keinen Durchbruch in der Beziehung beider Staaten gegeben, ein Zustand, der ihre wirtschaftliche Entwicklung negativ beeinflusst. Im Februar 1998 wurde Ter-Petrosjan zum Rücktritt gezwungen, weil er im Bezug auf Arzach - so der armenische Name für Bergkarabach - als zu weitgehend empfundene Zugeständnisse an Aserbaidschan zur Lösung des Konflikts gemacht hatte. Lewon Ter-Petrosjans Minister, angeführt von seinem Premierminister und späterem Nachfolger im Präsidentenamt Robert Kotscharjan, lehnten einen Friedensplan ab, den internationale Vermittler im September 1997 vorgeschlagen hatten und den Lewon Ter-Petrosjan und Aserbaidschan befürworteten.
Kotscharjan, der zuvor Präsident der Republik Bergkarabach, eines Stabilisierten De-Facto-Regimes, gewesen war, gewann 1998 die vorgezogenen Präsidentschaftswahlen. Seine Wiederwahl 2003 war von Unregelmäßigkeiten begleitet. Im Januar 2006 trat eine vom Europarat schon seit langem geforderte Verfassungsänderung in Kraft, die dem Parlament mehr Rechte einräumt. Der Präsident darf beispielsweise nach wie vor den Ministerpräsidenten ernennen, er muss nun aber vom Parlament bestätigt werden. Die Opposition wirft der Regierung vor, das im Zusammenhang mit der Verfassungsänderung abgehaltene Referendum massiv manipuliert zu haben.
Die wirtschaftliche Entwicklung Armeniens wird seit dem Karabach-Konflikt vor allem durch die Blockade seiner Grenzen nicht nur seitens Aserbaidschans, sondern auch seitens der Türkei stark behindert. Die Regierung Armeniens ist zur vorbehaltlosen Aufnahme diplomatischer Beziehungen und zur Öffnung der Grenzen mit der Türkei bereit; diese macht jedoch eine Lösung des Konfliktes um Karabach zur Bedingung und besteht zudem darauf, dass Armenien zuerst den Vorwurf des Genozids während des Osmanischen Reiches fallen lässt und formell auf jede Form von Reparation verzichtet.

Die Diaspora

Eine große Rolle spielt nach wie vor auch die armenische Diaspora (7 Millionen Menschen). Geldtransfers der zahlreichen Auslandsarmenier stützen die Wirtschaft. Im Jahre 2005 überwiesen Diasporaarmenier nach Schätzung der Armenischen Zentralbank rund 1 Mrd. US-Dollar. Davon kamen 45 %. aus Russland und 15 %. aus den USA. Die neue Verfassung (im Januar 2006 in Kraft getreten) verbietet die doppelte Staatsbürgerschaft nicht mehr. (Dies ist aus der Sorge heraus so gewesen, dass die Diasporaarmenier, wenn sie wahlberechtigt wären, die Außenpolitik der Republik Armenien bestimmen könnten.) Eine Vielzahl von Stiftungen und anderen Organisationen bemüht sich, die Verbindung zwischen Mutterland und Diaspora zu intensivieren.

Religion

Die Armenisch-Katholische Kirche

Die Armenisch-katholische Kirche ist eine katholische Ostkirche mit Armenischem Ritus. Sie bildet den mit dem Papst von Rom unierten Zweig des armenischen Katholikats von Sis in Kilikien.
Das armenische Katholikat im Königreich Kleinarmenien war erstmals von 1198 bis zu dessen Untergang 1375 mit der Römisch-Katholischen Kirche vereint, jedenfalls freundschaftlich verbunden. Die Kirchenunion wurde 1439 auf dem Konzil von Florenz erneuert, hatte jedoch nur in Kaffa auf der Krim längeren Bestand.
Unter Papst Pius IV. und Katholikos Michael I. von Etschmiadsin wurden Beziehungen zwischen beiden Kirchen wiederaufgenommen. In der Folgezeit wurde Rom mit seinen beiden Apostelgräbern zu einem Pilgerziel von Armeniern und zu einem Zufluchtsort bei Verfolgung, insbesondere für katholisch gesinnte armenische Mönche, Priester und Bischöfe. 1713 ernannte Papst Clemens XI. den nach Rom geflohenen Erzbischof Krikor von Edessa (Katholikat Etschmiadsin) zum armenischen Weihbischof in Rom. In dieser Eigenschaft erhielt er Nachfolger bis in die Mitte des 20. Jh.
Für die armenisch-katholische Gemeinschaft in und um Konstantinopel (Istanbul) wurde 1748 ein besonderes Vikariat beim Apostolischen Delegaten eingerichtet. In zivilrechtlichen Angelegenheiten (auch Taufe, Eheschließung und Beerdigung) unterstanden alle katholischen Armenier dem armenisch-orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel bis 1830 der osmanische Staat ein „Katolik millet“ anerkannte. Gegenüber dem Staat wurde es von einem Patrik, zunächst einem gewählten Priester ohne Bischofsrang, vertreten. Die kirchliche Jurisdiktion hingegen lag bei einem armenisch-katholischen Erzbischof-Primas von Konstantinopel (Istanbul) übertragen, der unter Papst Pius IX. fünf Suffragane erhielt.
1867 wurde die Kirchenprovinz Konstantinopel mit dem kilikischen Patriarchat vereinigt und der Patriarchalsitz nach Istanbul verlegt, aber nach der Verfolgung durch Türken am Ende des Ersten Weltkriegs, in der die armenisch-katholische Kirche hunderttausend Gläubige, 130 Priester und sieben Bischöfe verlor, 1928 wieder nach Bzommar transferiert.
In der armenischen Diaspora kam es im 17. Jh. zu Unionen kleinerer Gruppen mit Rom, vor allem in Galizien (Lemberg, 1635) und Rumänien.
Im eigentlichen Armenien entstand eine armenisch-katholische Gemeinschaft erst im 19. Jh. durch Flüchtlinge aus dem Osmanischen Reich.
Unter den Päpsten Pius IX. und Pius X. kam es zu erheblichen innerkirchlichen Auseinandersetzungen über die Frage der Mitwirkung von Laien bei Bischofsbestellungen.
Heute zählt die Armenisch-katholische Kirche rund 500.000 Gläubige in 15 Bistümern oder Missionen. Ihnen dienen mehr als 100 Priester und 125 Nonnen. Amtierendes Oberhaupt ist Patriarch-Katholikos Nerses Bedros XIX. Er residiert im Kloster Bzommar (Libanon).
Die katholischen Armenier leben größtenteils in den Staaten des Nahen Ostens, Auch in Nordamerika befindet eine große Diaspora.
Die Liturgie der Armenisch-katholischen Kirche folgt dem armenischen Ritus. Die Liturgiesprache selbst ist Armenisch.

Die Armenische Apostolische Kirche

94% der armenischen Bevölkerung gehören dieser Glaubensgemeinschaft an, die für die Identität der Bevölkerung eine zentrale Rolle spielt. Die Armenische Apostolische Kirche gehört zu den vorchalkedonischen, orientalisch-orthodoxen Kirchen (wie auch die Koptische, Äthiopische, Eritreische, Syrisch-orthodoxe und Malankarische Kirche).
Der Legende nach haben die Apostel Thaddäus und Bartholomäus das Evangelium im 1. Jh. verkündet, weshalb sich die armenische Kirche auch als „apostolisch“ bezeichnet. Sicher ist, das Gregor der Erleuchter das Christentum in Armenien verkündetet hat, König Tiridates (auch Trdat) III. lässt sich von ihm taufen. Im Jahr 301 macht dieser das Christentum zur Staatsreligion und Armenien wurde zum ersten christlichen Staat der Welt.
Anfang des 5. Jh. entwirft der Mönch Mesrop Mashtoz ein eigenes armenisches Alphabet, die erste Bibelübersetzung wird 435 abgeschlossen. Beim Konzil von Chalkedon (451) ist die armenische Kirche nicht repräsentativ vertreten. In der Synode von Dvin (506) wird die Christologie von Chalkedon dann abgelehnt und es entsteht ein eigenes Kirchenbewusstsein gegenüber Byzanz.
Heute hat die Armenische Apostolische Kirche weltweit ca. 16 Millionen Gläubige in zwei Katholikaten (Armenien und Kilikien), zwei Patriarchaten (Jerusalem, Konstantinopel) und 30 Diözesen, von denen neun in Armenien sind.

Außerdem gibt es in Armenien noch Molokanen (eine Abspaltung der Russisch-orthodoxen Kirche) und Zeugen Jehovas. Der Großteil der kurdischen Bevölkerung gehört der Glaubensgemeinschaft der Jesiden an.
 

Das Engagement der Caritas Feldkirch in Armenien

Seit Anfang 2007 ist Armenien Kooperationsland der Caritas Feldkirch. Die Caritas zieht sich langsam aus dem EU-Land Rumänien zurück, die Arbeit in Osteuropa hat aber eine lange Tradition und soll weiter geführt werden. Die Sammlung für Osteuropa sollte nicht aufgegeben werden, weshalb sich vor allem die Caritas Innsbruck auf die Suche nach einem neuen Einsatzgebiet machte. Aus unterschiedlichen Gründen fiel die Wahl auf das kleinen Land Armenien im Kaukasus. So bestehen dort schon seit dem schweren Erdbeben des Jahres 1988 verschiedene Projekte aus Österreich. Die Größe und die Bevölkerungsstruktur des Landes sind für eine Zusammenarbeit günstig.  Ausschlaggebend war jedoch auch die hochprofessionelle Arbeit unseres Projektpartners, der Armenischen Caritas, und nicht zuletzt die lange und einzigartige christliche Tradition des Landes.

Dass das Engagement aufgrund der Situation der Menschen in Armenien durchaus Sinn macht, sollen einige Zahlen verdeutlichen: die Kindersterblichkeitsrate liegt bei 2,6 % (Österreich 0,4 %), die Lebenserwartung bei 73 Jahren (Österreich 79,4) und das Bruttonationaleinkommen beträgt 4,4 Milliarden Dollar (Österreich 306 Mrd.).  Auf dem Index der menschlichen Entwicklung (HDI) belegt Armenien den 80. Rang von 177 Ländern (Österreich 14.).

Die Caritas Armenien

Die Caritas Armenien ist eine gemeinnützige NGO, die 1995 in Gyumri gegründet wurde. Sie ist zur Zeit in vier Regionen Armeniens tätig: in Shirak, Yerevan, Gegharkunik und Lori. Das Hauptquartier befindet sich in Gyumri, zwei weitere Niederlassungen in Yerevan und Gavar.
Die Caritas Armenien versucht humanitäre und caritative Tätigkeiten zu organisieren und durchzuführen – ohne Rücksicht auf Religion oder Nationalität. Ihre Hilfe soll sowohl dem Einzelnen als auch sozialen Gruppierungen zu Gute kommen. Durch ihr Engagement möchte die Caritas Armenien auch an der Entwicklung und Demokratisierung des Landes mitwirken. Von 2004 bis 2008 hat ihre Arbeit drei strategische Richtungen:

• Verbesserungen im Sozialsektor: bedürftigen Menschen sollen Hilfeleistungen angeboten werden; Integrationsprobleme sollen gelöst werden.

• Verbesserungen im Gesundheitssektor: Ein Basisgesundheitssystem soll aufgebaut werden, welches auch Präventivmedizin und psychologische Betreuung miteinschließen soll.

• Verbesserung des Bildungssystems: neben der Förderung von Schul- und Hochschulbildung gibt es einen Schwerpunkt in der Bewusstseinsbildung beim Thema Menschenrechte.

 

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