Hineindenken und nachfühlen!

25.03.13 / 14:17

Einen Begegnungstag mit Menschen mit Behinderung verbrachten zehn SchülerInnen der Berufsschule Dornbirn im Zuge eines youngCaritas-Projektes für junge Lehrlinge in der Werkstätte Montafon in Schruns.

„Ein Sozialzertifikat für Lehrlinge“ - was ist das? „Ein Angebot für junge Menschen, ins Leben gerufen von der youngCaritas“, erklärt es Oliver Natter, youngCaritas Mitarbeiter und Lehrer an der Berufsschule in Dornbirn, der die Lehrlinge begleitete. „Ein Workshop aus drei Teilen, der auf freiwilliger Basis und berufsbegleitend läuft. Es sollen Dialoge mit anderen Menschen geführt und Vorurteile abgebaut werden. Die jungen Leute sollen ihren sozialen Horizont erweitern und eine Blick in andere Lebenswelten werfen und dafür sensibilisiert werden.“ Auch der Begegnungstag mit Menschen mit Behinderung, an dem sich die DM-Lehrlinge im zweiten Lehrjahr zusammen mit zwei Lehrlingsbetreuerinnen beteiligten, stand unter diesem Motto. Gleich zu Beginn in der Einführungsrunde gab es Infos über die Werkstätte und die zahlreichen Projekte derselben. Aber auch die Bedeutung von gleichberechtigter Teilhabe in allen Lebensbereichen und Integration für Menschen mit Behinderung wurde zusammen mit den Jugendlichen thematisiert und veranschaulicht. Im Anschluss hatten die Lehrlinge die Gelegenheit, zusammen mit Menschen mit Behinderung etwas zu gestalten und zu erleben.

Die anfängliche Zurückhaltung der Lehrlinge wurde recht schnell von der offenen Art der Menschen mit Behinderung der Werkstätte gebrochen. Spätestens beim gemeinsamen Tanzworkshop und kreativen Gestalten, vermischten sich die Gruppen und man hörte Gelächter und fröhliche Stimmen. „Begegnungen wie diese fördern das Verständnis füreinander. Es ist ein wichtiger Schritt zur Inklusion, um Bewusstsein zu schaffen. Junge Menschen, wie auch unsere Menschen mit Behinderung, brauchen diese Dialoge. Sie werden sozusagen zu Wegbereitern und Kundschafter, um diesen Menschen ihren Platz in der Gesellschaft zu sichern“, erklärt Irmgard Müller, Leiterin der Werkstätte Montafon. Nach dem gemeinsamen Mittagessen wurden die Gruppen gewechselt. Zum Abschluss gab es noch eine Feedbackrunde, um das Erlebte zu reflektieren.

Umfrage
Wie hat dir der Begegnungstag gefallen?

Jennifer Vonkönig, 20
Ich finde es toll, dass so etwas angeboten wird. Ich habe keine Berührungsängste, weil ich früher einen Nachbar hatte, der behindert war. Für mich ist das nichts Ungewöhnliches gewesen. Die Integration von Menschen mit Behinderung ist mir sehr wichtig, vor allem, dass auch die Arbeit, die sie leisten wertgeschätzt wird, sie dafür gleich behandelt und auch gleich bezahlt werden. Das ist leider noch nicht der Fall in unserer Gesellschaft.

Angelo Mayer, 17
Ich finde es gut, dass es solche Begegnungsmöglichkeiten mit Menschen mit Behinderung gibt. Normalerweise sind sie weniger mit Klischees behaftet, als mit Angst, nicht zu wissen, wie man sich verhalten soll. Es ist für mich teilweise eine Herausforderung gewesen, vielleicht manchmal ein wenig zu viel. Aber man kann ja nie wissen, wie es einen selber trifft und da wäre es wichtig, dass man trotzdem immer ein Teil der Gesellschaft sein kann und nicht ausgeschlossen wird.

Nathalie Schneider, 16
Es hat mich erstaunt, dass die Menschen mit Behinderung so offen waren und gleich soviel mit uns geredet haben. Das hatte ich nicht erwartet und das ist für mich eine neue Erfahrung gewesen. Es hat Spaß gemacht. Ich finde es gut, dass wir in der Schule zusammen mit dem Arbeitgeber solche Projekte machen. Wenn wir diesen Menschen mehr Platz in unserem Alltag zugestehen würden, dann wäre unser Umgang miteinander viel normaler und selbstverständlich.

Alexandra Malin, Lehrlingsbetreuerin, 28
Es ist das erste Mal, dass ich so ein Projekt mitbetreuen kann. Ich habe früher auch einen Nachbar mit Behinderung gehabt. Er war fast jeden Tag bei uns zuhause. Es ist sehr gut, dass es solche Begegnungen gibt. Früher war das anders, da hat sich niemand für Menschen mit Behinderungen interessiert. Jetzt rückt das immer mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Mich hat so berührt, wie diese Menschen sich freuen und wie ihre Freude so abfärbt. Man bekommt so viel zurück.