Fast jede/r siebte Vorarlberger/in war 2012 arbeitslos

23.04.13 / 08:35

Dornbirn/Feldkirch. Mit Anfang Mai startet carla Vorarlberg zusammen mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) und dem Land Vorarlberg eine Beschäftigungsmaßnahme für arbeitsuchende Menschen über 45 Jahre. Das Social Business der Caritas Vorarlberg geht zudem neue Wege der sozialen Personalvermittlung.

31.620 Personen waren 2012 mindestens einen Tag beim AMS als arbeitslos gemeldet. Dieser Zahl gegenüber stehen 238.325 erwerbsfähige Personen, die in Vorarlberg leben. Das bedeutet, dass fast jede/r siebte erwerbsfähige Vorarlberger/in 2012 einmal arbeitslos war. Bei durchschnittlich 8.845 vorgemerkten Arbeitslosen und 1.862 offenen Stellen ergibt sich hier rechnerisch ein „Andrang“ von 4,8 arbeitslosen Personen auf eine Stelle.

Wie diese Zahlen zeigen, sind Arbeitsplätze ein knappes Gut. Vor allem für ältere und niederqualifizierte Menschen ist es schwierig, einen Job zu finden. Unsere Maßnahmen sind die Antwort auf den vergangenen Sozialpartnergipfel“, erklärt Karoline Mätzler, Fachbereichsleiterin für Arbeit und Qualifizierung der Caritas – der carla Vorarlberg. Mit Blick auf den „Tag der Arbeitslosigkeit“ am 30. April startet carla eine Offensive in der Personalvermittlung und -entwicklung wie der Betrieblichen Sozialarbeit. Außerdem erweitert carla das bestehende Angebot an Beschäftigungsprojekten in Zusammenarbeit mit dem AMS und dem Land Vorarlberg: mit einer längerfristigen Beschäftigungsmöglichkeit für Frauen über 45 Jahre.

Internetseite www.carla-vorarlberg.at

 

Soziale Personalvermittlung

Mit der Offensive der carla Personalvermittlung setzt carla eine weitere Maßnahme, arbeitslose Menschen in den Arbeitsmarkt zu vermitteln und Unternehmer/innen zu unterstützen. Es ist eine kostenlose Dienstleistung für Betriebe jeder Größe. Immer mehr Unternehmen kooperieren mit carla und geben arbeitslosen Menschen eine Chance.

Eines davon ist SPAR Vorarlberg, das bereits sieben Personen eingestellt hat. Martin Peter, Lagerlogistikleiter der Spar Zentrale Dornbirn erklärt, warum: „Von carla bekommen wir gezielt Personen vorgeschlagen, die auf unsere Jobprofile passen. Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht und sind sehr zufrieden mit den vermittelten Personen.“ Karoline Mätzler fügt hinzu: „Uns ist der Schulterschluss und die Bündelung der Kompetenzen zwischen Wirtschaft und Sozialem wichtig. Wir wollen noch mehr Unternehmen gewinnen, um gemeinsam den Themen Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel entgegenzuwirken."

 

Neues Beschäftigungsmodell

carla qualifiziert und vermittelt arbeitslose Menschen für und in den ersten Arbeitsmarkt. Doch auch bei gezielten Förderungen und sozialarbeiterischer Unterstützung wird es immer Menschen geben, die nicht in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden können. Vor allem ältere Menschen mit langfristig eingeschränkter Arbeitsfähigkeit sind davon betroffen. „Für diese Personen schaffen wir weitere Arbeitsplätze zusammen mit dem AMS und dem Land Vorarlberg in Form eines neuen Beschäftigungsprojektes. Durch Beschäftigung sowie soziale und psychische Stabilisierung wird die Arbeitsfähigkeit erhalten, die Grundversorgung der Betroffenen gesichert und damit langfristig die öffentliche Hand entlastet“, erklärt Karoline Mätzler.

 

Wettbewerbsfähiger durch Betriebliche Sozialarbeit

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist nicht einfach. Der Leistungsdruck auf die Arbeitnehmer/innen und auf die Unternehmen wird größer, die Anzahl der psychischen Erkrankungen steigt. Doch große wirtschaftliche Herausforderungen, denen auch Unternehmen ausgesetzt sind, erfordern motivierte und gesunde Mitarbeiter/innen.

Seit 20 Jahren unterstützen die carla-Sozialberater/innen die Beschäftigten in den eigenen carla Unternehmen – Ziel ist der Erhalt oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit. In Form von externer Betrieblichen Sozialarbeit weitet nun carla die konkrete Hilfestellung für Beschäftigte und Betriebe aus. „Die carla-Expert/innen unterstützen Führungskräfte und Mitarbeiter/innen mit dem Ziel, Angestellte aus Krisen herauszuführen, Kündigungen zu verhindern und die Fluktuation zu minimieren. Betriebliche Sozialarbeit sichert so die Produktivität eines Unternehmens und macht es dadurch wettbewerbsfähiger“, informiert Karoline Mätzler über die Vorteile.

 

Erfolgsbeispiel

Florinta Boyanova ist 18 Jahre alt und erreichte beim Landeslehrlingswettbewerb der Friseure den zweiten Platz. Bevor sie ihre Lehre begonnen hat, war sie drei Monate in der Startbahn, einem Beschäftigungsprojekt der Caritas für Jugendliche, beschäftigt. Davor war sie längere Zeit arbeitslos. „Ich habe schwierige Zeiten hinter mir. Ich hatte die Schule abgebrochen und war im falschen Freundeskreis. Die Startbahn zeigte mir, dass man ohne Schulabschluss und ohne Arbeit nicht weiter kommt. Jetzt bin ich im zweiten Lehrjahr und hab den zweiten Platz beim Lehrlingswettbewerb erreicht. Darauf bin ich sehr stolz“, gibt die Bludenzerin einen Einblick in ihre Geschichte.

Im Rahmen unserer Kampagne ‚Schenk mir ein zweites Leben’ haben wir noch mehr Erfolgsbeispiele ehemaliger arbeitsloser Menschen portraitiert. Die Kurzfilme zeigen, was mit Betrieblicher Sozialarbeit möglich ist und das Arbeitslosigkeit nichts mit Faulheit zu tun hat“, sagt Karoline Mätzler abschließend.

 

Factbox Arbeitslosenzahlen 2012:

Durchschnittlich 8.845 beim AMS vorgemerkte Arbeitslose
darunter 4.293 ohne Ausbildung, nur Pflichtschule
darunter 3.630 mit Migrationshintergrund
darunter 1.156 Langzeitbeschäftigungslose
1.862 offene Stellen
(Quellen: AMS Vorarlberg, Landesstelle für Statistik - Verwaltungszählung)

 

Factbox carla 45+:
15 neue Vollzeitarbeitsplätze
für ältere Menschen (vorwiegend Frauen) mit langfristig eingeschränkter Arbeitsfähigkeit,
die bedarfsorientierte Mindestsicherung beziehen.
Beschäftigungszeit: mindestens 24 Monate


Begriffserklärung:

  1. Migrationshintergrund:
    1. Generation: Personen, die eine ausländische Staatsbürgerschaft haben oder in der Vergangenheit hatten.
    2. Generation: Personen, die (als Kind) bei Migrant/innen 1. Generation mitversichert sind bzw. (seit 2007) waren.
  2. Langzeitbeschäftigungslose:
    Als LZBL gelten alle Personen deren begründende Zeiten in Arbeitslosigkeit, Vormerkung als lehrstellensuchend sowie
    in Schulungsmaßnahmen 365 Tage überschreiten und die verkettete Zeit dieser Episoden nicht mehr als 62 Tage
    unterbrochen war.

 

carla Vorarlberg
carla qualifiziert und vermittelt langzeitarbeitslose Menschen für und in den ersten Arbeitsmarkt. carla ist der soziale Partner in Vorarlberg im Bereich Sammlung und Verkauf von gut erhaltenen Second Hand Waren. carla ist das Social Business der Caritas Vorarlberg.


Weitere Informationen:
Fachbereich Arbeit & Qualifizierung der Caritas Vorarlberg
Karoline Mätzler
T 0664 8530310


Pressekontakt:
ikp Vorarlberg GmbH
Eva Deschler-Einwaller
05572 39 88 11