Krieg und Gewalt - wer schützt mich?

21.06.13 / 08:32

Florian Wachter und Julian Bitsche sind als Jugendbotschafter bei dem Projekt go4future mit dabei. Die zwei Jugendlichen nehmen das Thema „Schutz für Kinder“ besonders ins Visier.  

Draußen ist es ziemlich warm und drinnen im Lerncafé in Dornbirn nicht sehr viel besser. Trotzdem hat sich das Team „Schutz“ mit Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch getroffen. Florian und Julian sind altersgleich und haben auch als  Jugendbotschafter ähnliche Interessen. Heute steht einer der wichtigsten und schwierigeren Themenbereiche der Kinderrechte - „Schutz für Kinder“ - auf dem Programm. Warum braucht es überhaupt Schutz? Und wer bietet Kindern und Jugendlichen Schutz? Für Florian ist es ziemlich klar: Alle Kinder und Jugendliche brauchen Schutz. Wie aber sieht das hier in Österreich und anderswo aus? Laut UNO gäbe es auch in Österreich noch einige Dinge zu verbessern, um den Kriterien der  Kinderrechtskonvention ganz zu entsprechen.

„Normalerweise sucht man bei Gleichaltrigen Solidarität und Beistand und wendet sich erst dann an Eltern oder andere Erwachsene, wenn es besonders schlimm ist. Aber wo kann ich mir denn Hilfe holen?“, eine berechtigte Frage. „Wir stehen zur Verfügung, um Infos zu geben, leisten Hilfe bei Problemen und vermitteln an andere Stellen“, erklärt Michael Rauch seinen Part als Kinder- und Jugendanwalt. Besonders das Thema Kinderarbeit und Krieg hat es dem Team angetan. Vergleiche zur eigenen  Lebenssituation werden gezogen. Wann fängt Kinderarbeit an? Der Unterschied beispielsweise zu anderen Ländern ist groß. „Wenn ich mal mithelfen muss, das Auto zu waschen, ist das eigentlich keine Kinderarbeit. In Äthiopien jedoch müssen Kinder arbeiten, um den Erhalt der Familie zu sichern. Anstatt Fußball zu spielen oder was anderes, müssen sie zum Teil unter menschenunwürdigen Bedingungen in Fabriken arbeiten“, für Florian ist es wichtig, sich in diese Themen hineinzudenken. „Man muss sich das mal vorstellen, das ist gar nicht so leicht. Ich habe eine Kindheit, deswegen möchte ich auch anderen Anregungen geben, sich das auch mal bewusst zu machen und nicht nur so in den Tag hineinzuleben.“

Krieg ist nichts für Kinder
In Kriegsgebieten sterben viele Kinder, oder aber sie werden verschleppt und gezwungen selbst zu kämpfen. Wie sollen diese Kinder jemals wieder ein normales Leben führen? Was macht ein Krieg eigentlich alles kaputt und was sind die Folgeschäden? Florians Antwort ist nüchtern: „Krieg ist nichts für Kinder, gehört aber zum Alltag vieler Kinder.“ Allein in den 90iger Jahren starben 2 Millionen Kinder in Kriegen von den psychischen und körperliche Folgeschäden ganz zu schweigen. Zahlen, die die Jungen betroffen machen.

Es ist wichtig in einer Familie und in der Gesellschaft eingebunden zu sein. Was aber, wenn du behindert bist?  Wie lebt man mit einer Behinderung in unserer Gesellschaft, oder anderswo – ein neuer  Diskussionspunkt für das Team „Schutz“. „Viele reagieren mit Mitleid, anstatt diese Menschen an unserem gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen Auch Kinder und Jugendliche mit Behinderung haben besondere Stärken, die sie sie einbringen sollen. Was könnte man tun, um beispielsweise diese mehr zu integrieren?“ -  Gedanken, die die beiden sicher auch künftig beschäftigen werden.  

Statements:

Die Ungerechtigkeit für Kinder und Jugendliche auf dieser Welt beschäftigt mich. Wir haben eine super Schulausbildung; wir haben eine freie Berufswahl; wir können jeden Beruf lernen, wenn wir wollen und wenn wir hart arbeiten. Aber in anderen Teilen der Welt geht das nicht. Dort müssen Kinder und Jugendliche früh anfangen zu arbeiten, und zwar harte Arbeit. Sie bekommen keinen fairen Lohn - das finde ich einfach ungerecht. Ich will anfangen und etwas tun. Und ich denke go4future ist eine super Sache für mich, das mal auszuprobieren.
Florian Wachter, 14 Jahre

Ich bin dabei, weil mich die Sache mit den Kinderrechten aufregt, aber auch interessiert. Ich möchte mich wirklich mit diesem Thema auseinandersetzen. Im Fernsehen sieht man, wie schrecklich es manchen Kindern in anderen Ländern geht. Sie haben nicht genug zu essen und zu trinken. Das ist kaum vorstellbar. Aber es gibt auch anderes, was auch schlimm ist. Zum Beispiel in den USA, wenn man aus den jungen  Mädchen schon Modells machen möchte. Ich denke jeder kann etwas auf seine Weise tun.
Julian Bitsche, 14 Jahre  

Factbox:

Familie – viele Kinder wachsen alleine auf, weil manche Eltern sich nicht um sie kümmern können,… weil sie arm sind, … weil die Eltern tot sind, ….weil Krieg ist oder Gewalt herrscht. Was dann? Regierungen sorgen für diese Kinder, bringen sie in Waisenhäuser, zu Pflegeeltern oder zu Adoptiveltern. Über 13 Mio. Kinder unter 15 haben einen, oder beide Elternteile durch AIDS verloren. Auf den Straßen der Großstädte leben weltweit Millionen von Kindern.  

Kinderarbeit - 73 Mio. arbeitende Kinder sind jünger als 10 Jahre. Sie haben keine Gelegenheit die Schulen zu besuchen. Über 210 Mio. Kinder zwischen 5 und 14 Jahren müssen ihren Lebensunterhalt selbst verdienen.  

Krieg ist kein Spiel – in mehr als 30 Ländern toben derzeit Kriege, in denen rund 300.000 Kinder kämpfen. 2 Mio. Kinder starben in den 90iger Jahren in Kriegen. Landminen töten oder verletzen täglich 30 Kinder. Die Herstellung einer Landmine kann billiger als 3 Euro sein, ihre Entsorgung kostet über 1.000 Euro.  

Kinder mit Behinderung – Stell dir vor, du müsstest dich ohne deine Beine bewegen oder könntest beim Spielen deine Freunde nicht sehen? Was dann? Behinderungen haben verschiedene Ursachen: Manche Kinder werden behindert geboren, manche hatten einen Unfall. Andere sind durch einen Krieg oder Krankheit behindert. Gleich behandeln: Kinder mit Behinderung sollten keine Außenseiter sein, sie sollten wie andere Kinder behandelt werden, eine Schule besuchen und ein normales Leben führen dürfen.