Zweifel - sich dem Ungewissen anvertrauen

13.12.13 / 08:36

„Alles ist immer ungewiss“, sorgte der Psychologe und Universitäts-Dozent DDr. Guido Strunk gleich für Ernüchterung. „Die einen freut das, weil sie Neues als interessante Herausforderung begrüßen, die anderen beschleiche bei Veränderung zunächst die Angst. Wir hätten gerne, dass die Welt vorhersehbar ist. Zwischen Zufall und Ordnung passt aber sehr viel.“ Am Beispiel der Arbeitswelt sei erkennbar, dass immer weniger Muster nachvollziehbar seien. „Den Job, den man vom Ausbildungsende bis zur Pensionierung ausübt, wird es in Zukunft nicht mehr geben.“ Für Menschen im Zweifel sei die Unterstützung von Freunden und engen Verwandten der größte Halt.

Eine Ansicht, der die am Institut für Psychologie an der Uni Innsbruck tätige Dr. Tatjana Schnell nicht ganz umfänglich teilt: „Mit Zweifel ist man erst mal ganz auf sich alleine gestellt.“ Der in der Schweiz erstellte Vertrauensbarometer bestätige aber beispielsweise die Wichtigkeit des persönlichen Umfelds für den Umgang mit Ungewissheit und Zweifeln. Sie sprach auch die Altersgruppe der jungen Menschen an und dass gerade viele Jugendliche von Zweifeln begleitet werden. „Sie hören von der Erwachsenenwelt oft nur, dass wir ihnen nichts zutrauen und ihnen keine Aufgaben zuteilen, weil wir schwer damit umgehen können, wenn das Ergebnis anders ist, als wir es gestaltet hätten.“

Dr. Hilarion G. Petzold ist studierter Philosoph und Psychologe. Seiner Meinung nach wachsen mit dem Wissen auch die Zweifel. „In einer Welt der Fülle an Möglichkeiten und oft auch der Beliebigkeit gewinnen Fragen nach Sinn und Orientierung höchste Bedeutung.“  Konstruktiver Zweifel sei wünschenswert. Es gelte, mit dieser Vielfalt umzugehen, offen für Zweifel zu sein und dennoch wertschätzend miteinander zu leben.

Der österreichische Caritaspräsident DDr. Michael Landau sprach ebenfalls diese Offenheit an. „Wir tragen als Mensch Eigenverantwortung, aber auch Verantwortung füreinander.“ An Hand von Bibelstellen erörterte er die Kraft der Verzweiflung als gestaltendes Element eines neuen Sozialen. „Gerade Pfarrgemeinden sind oft Kraftwerke der Solidarität.“ In der Vergangenheit hätten wir uns in Österreich sehr darauf konzentriert, schöne Fassaden zu gestalten. „Jetzt gilt es, auch das Leben hinter diesen Fassaden zu gestalten.“ Eine Stärke der Caritasgespräche ist die Begegnung und so luden Caritasdirektor Peter Klinger sowie Organisator Bernhard Gut zwischen den Referaten auch zu großzügigen Gesprächspausen und zum Austausch.