Wegbegleiter für Kinder in Zeiten von Trauer und Tod

04.03.14 / 13:58

Wenn jemand lebensbedrohlich erkrankt, verändert sich das Leben der ganzen Familie. Kinder haben dabei ganz besondere Bedürfnisse.

Hospiz für Kinder – kurz HOKI – ist Wegbegleiter in diesen Zeiten. Im Gespräch gibt HOKI-Koordinatorin Annelies Bleil Einblick in ihre Arbeit.

Was genau ist unter HOKI zu verstehen?
Wir sind ein Beratungs- und Entlastungsangebot für Familien, in denen Krankheit oder Tod und Trauer ein Thema ist. Schwere und/oder lange Krankheitsverläufe fordern viel von den Betroffenen.

Berater, Wegbegleiter und Unterstützer zu sein, auch für die Geschwisterkinder, wird sowohl Zuhause wie auch im Krankenhaus sehr gerne in Anspruch genommen. Auch für Trauerbegleitungen sind HOKI Begleiterinnen speziell geschult.

Gerade der Tod ist für Kinder ein schwieriges Thema. Wie führen Sie Kinder an die Thematik heran?
Kinder beobachten in erster Linie die Familienmitglieder. Wie diese mit Krisen umgehen, ist meist Vorlage für das ganze Leben. Daher ist es besonders wichtig, alle Familienmitglieder  mit ihren Bedürfnissen im Auge zu haben. Besonders Rituale sollten nicht als offene Frage, sondern als gegebenes Vorbild gestaltet werden.

Also nicht die Frage: Magst du dich von Papa verabschieden, sondern wir als Familie verabschieden uns jetzt. Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene sind mit Fragen meist überfordert. Sie brauchen passende Anleitungen und Unterstützer. Beim  Erfassen von Gedanken und inneren Bildern, die  Kinder beschäftigen, sind Fragen jedoch äußerst wichtig.

Sie wollen beispielsweise wissen: was passiert beim Sterben, warum tote Menschen verbrennen? Dazu braucht es gute altersentsprechende und immer wahrhaftige Antworten.

Wie unterscheidet sich die Arbeit mit Erwachsenen mit jener mit Kindern?
Kinder und Jugendliche sind spontaner. Sie drücken sehr authentisch ihre Gefühle, Schmerzen und Befindlichkeiten aus. Kinder zu begleiten verlangt Verständnis für deren Lebenswelten und Entwicklungsphasen, Zärtlichkeit und Ausdauer. Mitunter lebhafte Geschwisterkinder zu begleiten braucht auch ganz schön Kraft.

Gibt es trotz der Schwere des Themas auch lustige und fröhliche Momente bei der Arbeit?
Da Zusammensein mit Kindern hat immer auch eine fröhliche Seite. Da Kinder von tieftraurig bis lustig aktiv ganz schnell wechseln können, sind sie uns auch darin Vorbild. So manche direkte Frage, zaubert uns allen immer wieder Heiterkeit ins Gemüt. Ansteckend ist dabei nicht nur ihre Authentizität, sondern vor allem auch bei ganz kleinen Kindern ihr Vertrauen ins Leben und zu den Menschen.    

Stichwort: Philosophieren mit Kindern. Worum geht es da?
In Volksschulen und bald auch in Haupt- und Mittelschulen sowie Gymnasium-Unterstufe gestalten wir philosophierend eine Schulstunde. Dabei geht es in erster Linie um das Fragen.

Was wissen die Kinder, woran kann  man sterben, wie stellen sie sich z. B. den Himmel vor usw.. Kurze Inputs unsererseits regen zum Denken und Dialog an. Pädagogen können uns jederzeit anfragen. Es braucht dazu keinen aktuellen Anlass, für diesen sind wir aber immer, auch für Beratungen Ansprechpartner.

Können Sie von einem konkreten Beispiel in der Schule berichten?
Vor kurzem war ich in einer Klasse in der ein Kind war, dessen Bruder tödlich verunglückte. Nicht nur philosophierend, sondern auch mit Ritualen haben sich alle Schüler und in Folge auch die Eltern mit diesem Familienschicksal auseinandergesetzt. Bei Philo-Stunden ohne Anlass bringen sich die Kinder auffallend stark ein. Sie berichten von toten Tieren oder Großeltern, die sie vermissen oder gar nicht kannten.

Schüler mit Migrations-Hintergrund berichten sogar über verwandte Kriegstote. Ein siebenjähriges Mädchen fragte: Kann Oma bei einem Gewitter aus dem Himmel herunterfallen? Paul erzählte, dass er schon zweimal mit dem Flugzeug im Himmel war … Oft gehen wir dann sprachlos staunend, meist fröhlich, aber immer zufrieden aus so einer Stunde.

 

Hospiz für Kinder sucht derzeit Frauen und Männer, die sich ehrenamtlich für die Begleitung engagieren möchten.

Für Informationen steht Hospiz Vorarlberg (T 05522-200 1100), bzw. Annelies Bleil (T 0664-8240020  ) gerne zur Verfügung.