Armut ist weiblich

11.03.14 / 16:15

„Armut ist weiblich, Armut ist alleinerziehend, Armut ist kinderreich.“

Mit wenigen Worten fasst der Fachbereichsleiter „Existenz & Wohnen“ der Caritas Vorarlberg, Michael Natter, die wichtigsten diesbezüglichen Ergebnisse des von der Caritas veröffentlichten Sozialbarometers sowie der Armutsstudie des Landes zusammen.

In Vorarlberg gibt es 65.000 Familien mit Kindern, 10.000 von ihnen müssen mit dem Einkommen der alleinerziehenden Mutter ein Auskommen finden.

„Das größte Problem ist, dass die Mütter durch Teilzeitjobs finanziell kaum über die Runden kommen. 30 Prozent der betroffenen Familien sind armutsgefährdet.“

Zunahme der Hilfesuchenden

Das spüren auch die Sozialberatungsstellen der Caritas in ihrem Alltag: Die Zahl jener Menschen, die dort Hilfe suchen, ist im vergangenen Jahr erneut um zehn Prozent gestiegen.

Hinter den statistischen Zahlen von 2.372 „Fällen“ mit 5.044 betroffenen Menschen und mehr als 500 Alleinerzieherinnen stehen Frauen, die alles tun, damit sie ihren Alltag irgendwie bewältigen können.

Trotzdem stehen sie nur allzu oft am Monatsende vor der Frage, wie sie die nächsten Tage und Wochen bewältigen können.

Die Forderungen der Caritas: leistbare Kinderbetreuungs-Angebote, die nicht nur „bedarfsorientiert“ zur Verfügung stehen sowie eine Anpassung der Löhne für Frauen, um speziell auch Altersarmut vorzubeugen.

„Die Mindestlöhne von 1.500 Euro sollten als Mindeststandards außer Frage stehen. Eigenständige, existenzsichernde Fraueneinkommen müssen das Ziel sein, um die Armutsgefährdung zu senken."

Konkrete Antworten

Angebote für die verschiedensten Nöte von Frauen und ihren Kindern zu schaffen, ist seit jeher ein Ziel der Arbeit der Caritas Vorarlberg. So beispielsweise in der Wohngemeinschaft Mutter&Kind in Feldkirch: Insgesamt zehn Frauen mit ihren Kindern werden derzeit in der WG auf dem Weg zur Selbständigkeit begleitet.

Die Frauen leben mit ihren Kindern in kleinen Wohneinheiten innerhalb der WG, seit diesem Jahr stehen als weiteres Angebot Startwohnungen zur Verfügung. Ein Erfolgsmodell, dass ich über viele Jahrzehnte bewährt hat, ist auch die Familienhilfe: Die MitarbeiterInnen packen tatkräftig mit an, wenn die Betreuungsperson in einer Familie ausfällt.

Im Bereich der Flüchtlingshilfe wurde in Bezau ein Frauenhaus eingerichtet, damit Asylwerberinnen die Zeit des Wartens auf die Erledigung ihres Antrags auf Bleiberecht bestmöglich nutzen können.

Ein wichtiger Schwerpunkt bildet die Arbeit mit und für Frauen auch in den verschiedenen Projekten der Caritas-Auslandshilfe, wie beispielsweise das neu eröffnete „Casa Maria Amor“ in der ecuadorianischen Stadt Cuenca. Das maßgeblich durch Vorarlberger SpenderInnen finanzierte Frauen- und Kinderhaus bietet Schutz vor häuslicher Gewalt in einem Land, wo Diskriminierung und Schläge an der Tagesordnung stehen.

Rund 100 Frauen mit 250 Kindern werden hier jährlich beherbergt, 50 finden in den Beschäftigungsprojekten Arbeit.

 

Zahlen zum Int. Weltfrauentag

  1. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung sind Frauen, diese Mehrheit besitzt allerdings nur ein Prozent des globalen Vermögens.
  2. Zwei Drittel aller Erwachsenen weltweit, die nicht lesen und schreiben können, sind weiblich. Insgesamt sind dies über 510 Millionen Frauen.
  3. Jeden Tag sterben weltweit rund 800 Frauen an vermeidbaren Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt.
  4. Im Vergleich der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten verdienen Frauen in Österreich um 18 Prozent weniger als Männer (bezogen auf die mittleren Bruttojahresverdienste). In Vorarlberg ist dieser Einkommensunterschied der Geschlechter übrigens am größten.
  5. Zu diesem sehr niedrigen Fraueneinkommen trägt auch die hohe Teilzeitquote bei. Das unterste Einkommensviertel der Frauen verdienen monatlich 440 Euro, das unterste Einkommensviertel  der Männer 1.120 Euro netto zwölfmal monatlich.
  6. Vorarlberg hat als Folge der niedrigen Einkommen auch die niedrigsten Frauenpensionen im österreichweiten Vergleich.