„In meinem ganzen Leben nur Krieg erlebt“

12.05.14 / 11:58

Beeindruckt, berührt, betroffen – so kann kurz die Gefühlswelt der JugendbotschafterInnen der youngCaritas nach einem Besuch in einem Flüchtlingshaus in Dornbirn umschrieben werden.

Neun junge Männer aus Afghanistan und Pakistan leben im Haus. Sie warten schon auf die Jugendlichen und erweisen sich als sehr aufmerksame Gastgeber.

Sehr offen und geduldig beantworten sie anschließend die Fragen der sehr interessierten JugendbotschafterInnen. „Was waren für euch Beweggründe zu flüchten?“, lautete eine der Fragen.

„In unserer Heimat Afghanistan herrscht seit 38 Jahren Krieg. Es gibt für junge Menschen keine Perspektiven, die Leute leben ständig in Angst“, antwortete einer der Bewohner stellvertretend und erzählte über seine Heimat Afghanistan – einem Land, das größenmäßig mit Deutschland vergleichbar ist und unter anderem Russland, Iran, Pakistan und China als Nachbarländer hat.

Vom Klima her erinnere es manchmal an Österreich – es gibt Schnee, Berge, Sonne. „Wie gestaltete sich die Flucht?“ Ein Thema, über das die Asylwerber nicht unbedingt sehr gerne sprechen – in acht Monaten auf dem Weg in ein sicheres Europa gibt es auch sehr viele negative Erlebnisse, an die man sich nur ungern erinnert. „Warum Österreich als Zielort?“ In auffallend gutem Deutsch antworten die Flüchtlinge: „Weil Österreich ein ruhiges, friedliches Land ist.“ Hier Asyl zu bekommen, ist nicht einfach.

Bereits am Beginn ihrer Flucht wurden den Asylwerbern ihre Pässe und Dokumente abgenommen. „Für die jungen Männer ist es so natürlich extrem schwierig nachzuweisen, dass sie in ihrer ursprünglichen Heimat verfolgt werden“, erklärt Caritas-Mitarbeiterin Denka Mujkanovic-Subasic. „Und wie soll sich ein Asylrichter ein objektives Bild machen können, wenn keine Beweise vorhanden sind?“

Die Zeit hier in Vorarlberg ist für die jungen Afghanen und Pakistani in erster Linie mit oft jahrelangem Warten auf den Asylbescheid verbunden – und auch mit der Angst, jederzeit abgeschoben werden zu können. Dass es für sie, mit Ausnahme des Nachbarschaftshilfe-Projektes, keine Möglichkeit zu arbeiten gibt, ist frustrierend. Da sind Workshops an Schulen oder jener mit den JugendbotschafterInnen eine willkommene Abwechslung. Seine Sehnsucht nach einem Leben in Frieden und umgeben von seiner Familie drückte einer der Bewohner sehr berührend  in einem Lied aus.

Sich für Kinderrechte stark machen

Die JugendbotschafterInnen nutzten ihrerseits die Gelegenheit, das Projekt „Go4Future“ vorzustellen: 19 JugendbotschafterInnen sind derzeit aktiv, sie setzen sich in den Teams „Entwicklung“, „Beteiligung“, „Schutz“ und „Überleben“ unter anderem zu Themen wie Bildung, den verschiedenen Religionen, Kulturen und Traditionen, zu Kinderarbeit, Kindern in Kriegssituationen oder den Rechten auf sauberes Wasser und Nahrung auseinander.

Durch Workshops an Schulen fungieren sie auch als MultiplikatorInnen, um andere Jugendliche dazu zu animieren, sich für Kinderrechte stark zu machen. Übrigens: Das Team der JugendbotschafterInnen freut sich über Verstärkung - interessierte Jugendliche sind immer herzlich willkommen!

 

JugendbotschafterInnen

JugendbotschafterInnen ist es nicht egal, wie die Welt von Morgen aussieht. Es liegt ihnen am Herzen, dass alle Kinder und Jugendlichen weltweit gerechte Chancen haben. Sie machen sich stark dafür: Durch verschiedenste Aktionen, Gespräche mit Entscheidungsträgern, Exkursionen und heuer beispielsweise auch durch das Erarbeiten eines Musicals.

Interessierte Jugendliche zwischen zehn und 17 Jahren, die sich gerne am Projekt „Go4Future“ beteiligen möchten, sind herzlich willkommen.
Auf vbg.youngcaritas.at finden sich alle Infos ()