Schritte in die Selbstständigkeit

30.05.14 / 11:01

Im Rahmen der österreichweiten Aktion „Woche für das Leben“, die im Zweijahresrhythmus auch in Vorarlberg ausgerufen wird, besuchten Generalvikar Rudl Bischof und Caritasdirektor Peter Klinger kürzlich die Caritas Werkstätte Ludesch.

Ist Peter Klinger ein häufiger und gern gesehener Gast in der Werkstätte, so war es für den Generalvikar der erste Besuch dieser Einrichtung in Ludesch – und dieser bereitete ihm sichtlich Freude. Es wurden zahlreiche Hände geschüttelt, es wurde gelacht und gescherzt und nicht ohne Stolz zeigten die dort arbeitenden Menschen mit Behinderung ihre täglich Arbeit – ob flechten, Kerzen ziehen oder Bastelarbeiten, die beiden Besucher ließen sich gerne von der Begeisterung und Leidenschaft der Leute vor Ort anstecken.

„Es ist beeindruckend, mit welcher Freude die Menschen hier ihrer Arbeit nachgehen und es war mir ein großes Anliegen, im Rahmen der 'Woche für das Leben' diese Werkstätte zu besuchen“, so Generalvikar Rudl Bischof.

Auch Waltraud Valentin, Leiterin der Werkstätte Ludesch, freut sich sehr über das große Interesse des Generalvikars. „Da das Thema Inklusion von großer Bedeutung für uns ist, ist es uns auch ein großes Anliegen, immer mehr Menschen für die Leistungen, Bedürfnisse und  Interessen von Menschen mit Behinderung zu interessieren. Wir freuen uns sehr darüber, dem Generalvikar unser Projekt 'Walgau mitnand' vorstellen zu können.“

„Schaffa, wo andre o schaffan“

Zahlreiche Betriebe im Raum Walgau machen bei diesem Vorzeigeprojekt der Caritas mit und bieten Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz, angepasst an die Wünsche und Fähigkeiten des künftigen Mitarbeiters. Die Idee dazu kam ursprünglich von Klaus Girardi und Linda Gaida, die nicht nur in der Werkstätte arbeiten wollten, sondern sich auch einen Außenarbeitsplatz wünschten.

Durch Mundpropaganda und persönliche Kontakte konnten sich immer mehr Betriebe dafür begeistern und so kann die Werkstätte Ludesch derzeit acht Außenarbeitsplätze anbieten – sei es als Aushilfe auf einer Tankstelle oder in einer Tischlerei, als Unterstützung für den Schulwart in Muntlix, als Vorleser im Altersheim oder zum Blumengießen am Friedhof.

„Jetzt komme ich endlich raus unter andere Leute“, ist Klaus begeistert über seinen Job bei der Tankstelle in Nenzing.

Caritasdirektor Peter Klinger: „Durch diese Aufgaben kann das Selbstbewusstsein der Menschen mit Behinderung enorm gestärkt werden. Früher wurde in den Werkstätten hauptsächlich produziert, heute gehen die Menschen mit Behinderung viel mehr nach außen, wollen ein annähernd normales Leben führen.“

Landleben

Dass dies nicht nur leere Worte sind, beweist schließlich auch noch der Besuch bei Bio-Bauer Walter Zerlauth, bei dem der 19-jährige Florian Dona zwei Mal in der Woche im Stall mithelfen darf. Der tier- und naturliebe Teenager, der an den anderen Tagen in der Werkstätte arbeitet, blüht auf, wenn er seiner Arbeit im Stall oder auf der Weide nachgehen darf. „Ich habe mir vor Kurzem ein kleines Kälbchen gekauft, das hier beim Bauer leben darf“, ist Florian begeistert.

Walter Zerlauth: „Es ist nicht immer einfach, aber Florian ist sehr fleißig und hilft super mit.“ Und weil er die Natur so liebt, hat ein Zivildiener der Werkstätte Florian kürzlich mit zu den Pfadfindern genommen, wo er nun regelmäßig bei diversen Aktivitäten dabei ist – als reguläres Mitglied.

Pfarreien gefragt

Fasziniert von den Außenarbeitsplätzen und den Möglichkeiten, die sich daraus für Menschen mit Behinderung ergeben, sieht Generalvikar Rudl Bischof auch zahlreiche Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung innerhalb der Kirche oder einzelner Pfarreien. „Es wäre toll, wenn diese Möglichkeiten auch innerhalb der Pfarreien vorgestellt werden würden."