Freiwilligeneinsatz in Mosambik: „Klingt aufregend, ist es auch!“

18.08.14 / 15:01

Die 20-jährige Dornbirnerin Sophia Walch war im Rahmen eines Freiwilligeneinsatzes der Caritas für ein halbes Jahr in einem Tageszentrum in Mosambik als Betreuerin tätig.

Trotz der schwierigen Situation im Land erzählt sie im Interview von „tausenden schönen Momenten“.

 

Wie ist dieser Freiwilligeneinsatz entstanden?

Sophia Walch: Ich wollte immer schon  einmal für eine Zeit in einem sozialen Projekt im Ausland mitarbeiten. Also habe ich mich informiert und bin auf die Caritas Vorarlberg gestoßen, die jedes Jahr einige Freiwillige in ihre Projekte entsendet. Das KAM Projekt, ein Tageszentrum für Aidswaisenkinder in Mosambik hat es mir besonders angetan. Sowohl die Projektbeschreibung, als auch das Land, das an der afrikanischen Ostküste liegt und früher eine portugiesische Kolonie war hat mich gefesselt.

Es war eine tolle Möglichkeit für mich, die portugiesische Sprache zu erlernen und die afrikanische Mentalität und Lebensfreude inmitten von schönster Landschaft einmal selbst zu erfahren. Nicht zu unterschätzen ist jedoch die turbulente Geschichte des Landes. Jeder Mosambikaner der älter ist als ich, hat den 16 Jahre andauernden Bürgerkrieg noch selbst miterlebt und auch heute lassen sich tiefe Wunden sowohl in den Köpfen der Menschen, als auch an der wirtschaftlichen Situation des Landes und somit in allen Aspekten des täglichen Lebens nur unschwer erkennen.

Wie lange waren Sie dort und wie hat sich der Alltag gestaltet?

Meine Aufgabe während dieses halben Jahres war vorwiegend die Betreuung der etwa hundert Kinder im Alter von zwei bis 18 Jahren im Tageszentrum in Massaca. Klingt aufregend, ist es auch! Die Kinder bekommen im Zentrum Frühstück und Mittagessen, dürfen jedoch nur kommen, wenn sie die Schule regelmäßig besuchen. Da die Kinder wirklich auf das Essen und die Unterstützung angewiesen sind, wird somit versucht ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen.

Dort angekommen und voller Tatendrang musste ich erst einmal feststellen, dass viele Dinge, die für uns selbstverständlich sind, es in Mosambik jedoch gar nicht sind. Zum Beispiel stellt Lesen für viele Kinder ein großes Problem dar. Die Kinder jedoch, waren immer gut gelaunt im Zentrum, einfach weil sie jemanden haben, der da ist für sie. Viel Zeit habe ich investiert in ganz normale Kinderthemen, sei es einmal kurz kuscheln oder in den Arm genommen werden wenn wer weint. Toll finde ich, dass das Projekt vielen Kindern ermöglicht eine weiterführende Schule zu besuchen oder Praktika zu absolvieren.

 

Wie unterstützt die Caritas dabei?

Viele dieser Kinder würden vermutlich nicht mehr Leben, würde das Projekt, das zu einem großen Teil durch die Caritas Vorarlberg finanziert wird, nicht existieren. Auch für mich hatten alle immer ein offenes Ohr. Auch meine supertolle Gastfamilie wurde von den MitarbeiterInnen vor Ort organisiert und bei jeglichen Problemen haben uns alle unterstützt so gut sie konnten.

 

Gibt es besonders schöne Momente, an die du gerne zurückdenkst?

Tausende! Die Menschen sind einfach ein Traum! Wir sollten uns alle mal eine dicke Scheibe afrikanische Fröhlichkeit, Gastfreundschaft und Offenheit abschneiden, dann könnten wir unser Paradies vermutlich noch ein bisschen besser genießen. Besonders gut in Erinnerung geblieben sind mir die lachenden Kinder und das gesellige Miteinander der Menschen auf den Straßen.

Wenn ich zum Beispiel, ganz leise im Bus jemanden nach dem weiteren Weg gefragt habe und plötzlich eine lebhafte Diskussion zwischen etwa 30 Leuten in afrikanischem Dialekt ausgebrochen ist. Schlussendlich lief es eigentlich immer darauf hinaus, dass mich ein fremder Mensch an der Hand genommen hat und zu meinem Zielort gebracht hat.

 

Ist die Not der Menschen vor Ort auch manchmal bedrückend?

Sehr. Für mich war es eine neue Erfahrung, hungrige Menschen zu sehen. Leider hat Mosambik zu viele davon und selbst jene, die einen Beruf haben, können sich oft nicht ausreichend Essen für sich und ihre Familien leisten. Ziemlich aufwühlend war für mich auch die Kinder nach Hause zu begleiten und deren Familienangehörige anzutreffen, denen es teilweise richtig schlecht ging. Aidskranke Angehörige zu pflegen gehört für sehr viele Menschen und Kinder in Mosambik zum ganz normalen Alltag.

 

Wie hat Ihr Freiwilligeneinsatz Sie geprägt?

Kleinigkeiten bringen mich nur mehr schwer aus der Ruhe. Ich weiß, dass auch wenn alles schief läuft, ich am Abend immer noch etwas zum Essen bekomme. Das ist Luxus.

 

Zur Person:

Sophia Walch
Wohnort: Dornbirn
Alter: 20 Jahre
Beruf: Angestellte Firma Henn, Dornbirn 

 

Caritas-Hungerkampagne

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