„Eine ganze Generation geht verloren“

25.08.14 / 11:39

Seit mehr als drei Jahren tobt ein grausamer Bürgerkrieg in Syrien. Neun Millionen Menschen mussten flüchten, rund zwei Millionen davon in den Libanon. Die Lage in den Flüchtlingslagern ist dramatisch, die Infrastruktur ist völlig überfordert, wie Stefan Maier, Nahost-Koordinator der Caritas Österreich beschreibt.

Stefan Maier ist gerade wieder aus dem Libanon zurück nach Österreich gekommen.  „Der Libanon ist das Land, das weltweit gemessen an seiner Einwohnerzahl die meisten Flüchtlinge hat.“ Das überfordere die Struktur und die Substanz des Landes. „Es gibt im Libanon heute mehr syrische Kinder, die schulpflichtig sind, als libanesische. Und sechs von zehn Kindern, die geboren werden, sind syrisch. Das verändert die Demographie des Landes.“

75 Prozent der Flüchtlinge sind Frauen und Kinder. Die Spannungen zwischen syrischen Flüchtlingen und Einheimischen nehmen spürbar zu. Wurden die Flüchtlinge nach Beginn der Krise herzlich und teilweise sogar in den Familien aufgenommen, hat die schlechte Stimmung überhand genommen. Maßgeblich dafür verantwortlich ist die schwierige Arbeitssituation, erzählt Stefan Maier das Beispiel eines großen Kaufhauses, in dem nahezu alle libanesischen MitarbeiterInnen gekündigt und durch billigere Arbeitskräfte aus Syrien ersetzt wurden. „Die Armut unter der libanesischen Bevölkerung ist rapide angewachsen.“ Die Lage beschreibt er „wie einen Vulkan, der jederzeit ausbrechen kann.“

„Bei den syrischen Flüchtlingen wächst währenddessen die Verzweiflung angesichts des nicht enden wollenden, blutigen Bürgerkriegs in ihrer Heimat. Der Großteil von ihnen sehnt sich nach Frieden und will zurückkehren. Nach ihrem Leben vor der Flucht gefragt, bekommen die meisten von ihnen im Moment der Erinnerung glasige Augen“, erzählt Stefan Maier.

Untergebracht sind die syrischen Flüchtlinge mittlerweile größtenteils in provisorischen Zeltlagern, weil der Libanon die Schaffung von richtigen und organisierten Flüchtlingslagern nicht zulässt. Damit will die Regierung eine Wiederholung der Situation wie bei den palästinensischen Flüchtlingen, die nach 1948 ins Land kamen, verhindern. Denn die einstigen Lager dieser Flüchtlinge, die nie wieder in ihre Heimat zurückkehren konnten, haben sich inzwischen in dichtbesiedelte Stadtviertel mit einer höheren Bevölkerungsdichte wie in Hongkong verwandelt.

Die österreichische Caritas, die seit vielen Jahren mit der Caritas Libanon als Projektpartner vor Ort arbeitet, leistet in erster Linie klassische Nothilfe. Die Menschen, die mit nichts außer dem, was sie am Körper tragen, ankommen, erhalten Decken, Matratzen, Gutscheine für Schuhe und Kleidung, Lebensmittelpakete und Hygieneartikel.

Zudem wurde ein Projekt zur medizinischen Versorgung der Flüchtlinge ins Leben gerufen, durch Spenden aus Vorarlberg kann zudem ein Schul-Ausspeisungsprojekt finanziert werden. Die Jausen für die rund 1.300 Kinder seien eine wesentliche Entlastung für die syrischen und libanesischen Familien. Deshalb soll das Projekt auch fortgesetzt und wenn möglich ausgebaut werden – mit Geldern, die im Rahmen der Kampagne „Zukunft ohne Hunger“ gesammelt werden.

„Und das Geld kommt an“, weiß Caritas-Mitarbeiter Stefan Maier.

 

Caritas-Hungerkampagne

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