Kinderseelen sind zerbrechlich

01.12.14 / 14:24

Vergangenen Freitag fand in Bregenz die 1. Vorarlberger Kinderhospiz-Tagung der Caritas statt. Rund 200 Interessierte und Betroffene, Fachleute aus verschiedensten sozialen, psychologischen und medizinischen Bereichen, folgten den interessanten und berührenden Vorträgen von Prof. Dr. Stein Husebö und Mag. Elmar Simma und nahmen viele wertvolle Impulse mit nachhause.  

Große Freude stand am Anfang der Tagung der Organisatorin und Leiterin von Hospiz für Kinder (kurz HOKI) Annelies Bleil, ins Gesicht geschrieben, denn trotz dieses schwierigen Themas war das Interesse enorm und der Saal im Vorarlberger Landesmuseum beinahe zu klein. Nach der Begrüßung von Landesrätin Katharina Wiesflecker, die HOKI weiterhin ihre Unterstützung zusagte konnte Prof. Dr. Stein Husebö mit seinem Vortrag die BesucherInnen berühren und faszinieren gleichermaßen.

Der international anerkannte Experte für Palliativmedizin stellte gleich zum Beginn seines Vortrages fest, dass Kinder Weltmeister der Kommunikation sind und in den Prozess des Abschiednehmens eines lieben Menschen oder der Trauer integriert werden müssen. Er sieht den offenen und ehrlichen Umgang mit Kindern als wesentliche Voraussetzung dafür, dass für Kinder das Sterben zum Beispiel eines Familienmitgliedes nicht zu einer traumatischen Erfahrung wird. „Kinder trauern anders, stellen Fragen und können sich in ihrer Fantasie beinahe alles vorstellen“, so Husebö. Doch während kleinere Kinder noch offen sind für alles, Leben und Tod nicht wirklich voneinander trennen können, ist es mit Jugendlichen oft schwieriger und es besteht die Gefahr der verschleppten Trauer, die schwere Folgen für das weiter Leben des jungen Menschen haben kann.

Von Kindern lernen
Auch Kinder, die unheilbar Krank sind, sollten nach Meinung von Husebö nicht im Unklaren darüber gelassen werden. Auch hier ist Offenheit gegenüber des kleinen Patienten oder der kleinen Patientin, aber auch den Eltern gegenüber, von großer Wichtigkeit um mit dieser schwierigen Situation besser umgehen zu können. Und er plädiert ganz stark dafür, dass Eltern, Geschwister und Angehörige bis zum letzten Atemzug des Kindes anwesend sein sollen. „Ich habe oft schon erlebt, dass sterbende Kinder ihre Familie trösten und ihnen Kraft geben, das Unvermeidliche anzunehmen. Wir können von Kinder 'Alles lernen'“, so Stein Husebö.  

Trost durch die Jesus-Geschichte
Auch Pfarrer Elmar Simma sieht als religiöser Vertreter die Wichtigkeit der Rituale des Abschiedsnehmens und der Trauer. „Kinder sind von Natur aus religiös und haben einen völlig anderen Zugang zum Tod als Erwachsene“. Kinder stellen 1000 Fragen, agieren intuitiv und spüren auch wenn es ihnen zu viel wird“, so Elmar Simma auf die Frage, ob eine kleine Kinderseele so viel Trauer und Schmerz aushalten kann. Wichtig ist für ihn das Grundgottvertrauen, das Kinder schon von Geburt an durch Geborgenheit und Sicherheit durch und bei den Eltern erfahren dürfen. Kinder vertrauen darauf, dass am Ende alles gut wird, wie in einem Märchen und auch in der Jesus-Geschichte.

In einem sind sich beide Referenten einig. Der Tod darf nicht an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, sondern ist ein ganz selbstverständlicher Teil des Lebens. Husebö: „Sterbende Menschen sind die größte Patientengruppen, denn jeder Mensch muss sterben. Daher müssen wir den Tod wiederbeleben.“

Wünsche für die Zukunft
Und was würde sich Annelies Bleil für HOKI in der Zukunft wünschen? „Wir müssen noch mehr Entlastungsangebote für betroffene Familien schaffen und diese Thematik stärker in das Bewusstsein der Bevölkerung bringen.“ Gleichzeitig bedankt sie sich auch bei dem gut geschulten Team der ehrenamtlichen Helferinnen, die in Krisensituationen zu Vertrauten werden. Und auch die mobile Kinderkrankenpflege sowie Kinderarzt Dr. Gudio Müller, beide Mitglieder des HOKI Fachbeirates schließen sich diesen Wünschen an. Kinderarzt und Moderator des Nachmittags, Dr. Wolfgang Hilbe, der selbst seine Mutter im Alter von zehn Jahren verloren hat, hofft sehr darauf, dass es eine weitere Fortsetzung der Kinderhospiz-Tagung der Caritas in Vorarlberg geben wird.   

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