Armut grenzt aus

19.01.15 / 16:58

Eine junge Frau mit braunen Haaren spielt am Boden mit zwei kleinen Mädchen mit Lego. Die Frau trägt eine schwarze Lederjacke und die Mädchen rosa Oberteile.
Ein junger Bub mit gelben t-Shirt wird von einer älteren Dame mit grauen Haaren und einer Brille unterrichtet. Dabei nimmt sich die Dame ein Lehrbuch als Hilfsmittel. Die Situation wirkt entspannt.

Knapp 40.000 Menschen sind in Vorarlberg armutsgefährdet. Betroffen sind in erster Linie AlleinerzieherInnen mit ihren Kindern und alte Menschen. Auswege aus der Armutsspirale anzubieten und betroffene Menschen Hilfe zu unterstützen - das ist Aufgabe und Ziel der Caritas Vorarlberg. 

 

Gerade Kinder und Jugendliche erleben Armut nicht nur als Verzicht auf materielle Dinge. Was ihnen weh tut, ist oft die damit verbundene Außenseiterrolle. Angefangen von der Kleidung über Schulsachen und Freizeitgestaltung erfahren sie in Dingen Einschränkungen, die für andere Kinder selbstverständlich sind: Schulausflüge, Spielsachen und vieles mehr - Kinder aus ärmeren Familien können bei Trends nicht mithalten. So werden benachteiligte Kinder schnell zu Außenseitern, die zuerst nicht mehr "mitreden können" und schon bald nicht mehr "dazugehören".  

Mit einem eigenen Sozialbarometer hat die Caritas Vorarlberg die wichtigsten Fakten und Herausforderungen im Kampf gegen Armut definiert: Gefordert wird darin unter anderem das Grundrecht auf ein existenzsicherndes Einkommen. Ziel dabei ist, dass Familien mit ihrem Einkommen auch ein Auskommen haben. Dazu zählt auch das Angebot von leistbarem Wohnraum für alle Familien - gerade das wird jedoch immer schwieriger. Wohnkosten bedeuten den größten Ausgabeposten für einkommensschwache Familien und Einzelpersonen. Mittlere Einkommen geben rund 38 Prozent ihres Einkommens für Wohnen aus, niedrige Einkommen circa 50 Prozent. Rund ein Viertel der Menschen, die in der Caritas-Beratungsstelle "Existenz & Wohnen" vorsprechen, sind auf der Suche nach einer leistbaren und längerfristigen Wohnung. Der private Wohnungsmarkt ist für diese armutsgefährdete Gruppe praktisch nicht verfügbar.  

Änderungen wurden im Sozialbarometer auch im Bereich der Flüchtlingshilfe gefordert: Ziel dabei ist die Erlaubnis für AsylwerberInnen - zumindest bis zur Geringfügigkeitsgrenze - arbeiten zu dürfen.  

Eine spezielle Weichenstellung, um der Armutsspirale zu entkommen, ist der Bereich Bildung. Forderungen aus dem Sozialbarometer sind die spezielle Förderung zur Verbesserung der Deutschkenntnisse von Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache sowie ein vermehrtes Angebot an Ganztagsschulen.

    

Bildung als Weichenstellung  
Um Chancengleichheit besonders für junge Menschen zu schaffen, sind Veränderungen im Bildungssystem nötig. Wer in eine gute Ausbildung investiert, der sichert sich die Grundlage für eine dauerhafte Erwerbstätigkeit. Wo den Kindern nicht genügend Bildungschancen mitgegeben werden, dort muss die Gesellschaft ihren solidarischen Betrag leisten. Denn kein Kind darf für seine  bildungsferne Herkunft bestraft werden. Doch gerade Eltern, die sich finanzielle Sorgen machen, in prekären Arbeitsverhältnissen tätig sind beziehungsweise an der Armutsgrenze leben, haben es aufgrund eigener Probleme und Anspannungen schwer, Kindern die nötige Zuwendung, Aufmerksamkeit und Unterstützung zu geben. Das zeigen auch zahlreiche Befunde der Armutsforschung.  

 

Die Caritas Vorarlberg setzt sich deshalb für spezielle Fördermaßnahmen zur Verbesserung der Deutschkompetenz sowohl migrantischer  ebenso wie nicht-migranitscher Kinder ein. Ein sehr junges, erfolgreiches Modell sind hier die Lerncafés in Dornbirn, Lustenau, Götzis, Rankweil und Lauterach. Dort wird den Kids im Alter von 6 bis 14 Jahren Lernen auf allen Ebenen ermöglicht: An zwei bis drei Nachmittagen pro Woche werden sie beim Lernen und bei den Hausaufgaben begleitet und lernen auf allen Ebenen. Natürlich kommt der Spaß nicht zu kurz, Spiel und Sport sowie eine gesunde Jause sind Fixpunkte in den Lerncafés. Der Erfolg gibt den Projektverantwortlichen recht: "Von den insgesamt 127 betreuten Schülerinnen, die im vergangenen Jahr in den Lerncafés waren, schafften 97 Prozent den Aufstieg in die nächste Schulklasse." Das Lerncafé in Dornbirn durfte dabei sogar die "weiße Fahne" hissen - haben doch alle Kinder und Jugendlichen dort den Übertritt in die nächste Klasse geschafft.  

"Durchstarten mit Power" lautet die Devise der "Startbahn"-Einrichtungen in Feldkirch-Gisingen und Bludenz: Jugendliche, die ihre Schule, beziehungsweise Lehre abgebrochen haben oder nach der Schule keine passende Arbeit gefunden haben, finden dort einen unkomplizierten Einstieg in die Arbeitswelt: Sie erhalten Unterstützung bei der Jobsuche und erarbeiten gemeinsam mit einer Diplom-Sozialarbeiterin Perspektiven für ihre Zukunft.  

 

In Workshops mit Jugendlichen und Schulklassen greift auch die youngCaritas das Thema Armut im In- und Ausland auf. Ein ebenfalls junges und innovatives Projekt sind dabei die JugendbotschafterInnen, die sich aktiv für Kinderrechte einsetzen.  

Infos zu allen Angeboten: www.caritas-vorarlberg.at