Gaisbühel: Ein Ort, um zur Ruhe zu kommen

02.02.15 / 10:44

Ein männlicher Asylwerber wartet im Bereich des Eingangs seines Quartiers. Er hat schwarze Haare, trägt eine Jeans und ein blaues t-Shirt. Sein Blick richtet sich nach draußen.

Schon als Krankenhaus war der "Gaisbühel" für Menschen ein Ort, um zur Ruhe zu kommen. In der vergangenen Woche sind 44 AslywerberInnen neu ins Haus eingezogen. Die Walgaugemeinden sind dabei sehr stark engagiert.  

 

Schauplatz Gaisbühel, Ende vergangener Woche: Vor den Büroräumlichkeiten warten Frauen und Männer, die die ersten Formalitäten in Vorarlberg erledigen. 44 Frauen, Männer und Kinder sind in der Nacht auf Donnerstag von Traiskirchen nach Vorarlberg gekommen, die meisten aus Syrien und Afghanistan.

Die Caritas-MitarbeiterInnen haben alle Hände voll zu tun. In einem enormen "Kraftakt" haben sie gemeinsam mit dem Landeshochbauamt und vielen privaten Firmen in den vergangenen Wochen das Haus bewohnbar gemacht. Dennoch: "Für uns als Caritas beginnt jetzt die eigentliche Arbeit. Hinter jedem Mensch, der zu uns kommt, steckt ein Schicksal, zusätzlich haben wir sehr viele administrative und organisatorische Vorgaben zu erfüllen. Das beginnt mit der Anmeldung beim Wohnsitz-Gemeindeamt, der Einschulung der Kinder, der medizinischen Abklärung und einem Erstgespräch, bei denen Dinge zur Sprache kommen, die für uns ganz selbstverständlich sind: Wie funktioniert beispielsweise der öffentliche Verkehr oder die Mülltrennung? Dinge, die bei uns selbstverständlich sind, für AsylwerberInnen in dieser Form aber völlig neu", erzählt Fachbereichsleiter Martin Fellacher.

 

Gute Zusammenarbeit  

"Die Menschen haben oftmals sehr traumatische Erfahrungen gemacht und sind erst mal froh, hier zur Ruhe kommen zu können. Sie sind aber sehr daran interessiert, in Vorarlberg Fuß zu fassen. Integration findet in Schulen, in Vereinen oder in gut funktionierenden Nachbarschaften statt", erläutert Martin Fellacher und nutzt gleichzeitig die Gelegenheit zum Dank an die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden.

Ein sehr wichtiger "Schlüssel" zur Integration ist auch das Erlernen der deutschen Sprache, die Caritas bietet deshalb eine Vielzahl an Deutschkursen an. Im vergangenen Jahr wurden 67 solcher Kurse angeboten. Das Angebot ist freiwillig, wird aber von allen Flüchtlingen dankend angenommen. Oft wird an Martin Fellacher auch der Wunsch herangetragen, dass VorarlbergerInnen und Vorarlberger die Flüchtlingsarbeit der Caritas unterstützen möchten.

Das ist einerseits durch das Projekt "Nachbarschaftshilfe" möglich - AsylwerberInnen, die eigentlich in Österreich nicht arbeiten dürfen, können dabei von Privaten Arbeiten rund um Haus und Garten erledigen und bekommen dafür ein Taschengeld.

Infos auf der Homepage: http://www.caritas.at/?id=3986 oder unter Tel. 05522/200-1796.

 

Info-Telefon und Info-Abende für Freiwillige, die die Flüchtlingsarbeit hier unterstützen möchten:

  1. Kontakt: 0676-7244935.
  2. Info-Abende:
    Montag, 23. Februar, um 19 Uhr im "Haus der Kirche" in Bregenz
    Dienstag, 24. Februar, um 19 Uhr im Caritashaus in Feldkirch

Zahlen und Fakten:

  1. Anzahl AsylwerberInnen in Vorarlberg mit Stichtag 31. Jänner: 1466
  2. Davon in der vergangenen Woche im "Gaisbühel" neu hinzugekommen: 44
  3. Menschen aus 38 Nationen werden im Rahmen der Flüchtlingsarbeit von der Caritas betreut
  4. Anträge nach Nationen 2014: 30% Syrien, 19% Afghanistan, 7% Kosovo, 6% Russische Föderation
  5. Die Anerkennungsquote lag 2013 (letzte vom BM.I veröffentliche Zahl) bei ca. 30%.  

 

"Ich bin einfach glücklich, in Sicherheit zu sein"  

Familie Baryalai musste vor den Taliban aus Afghanistan flüchten. Drei Jahre später sind sie wieder vereint - und entsprechend glücklich.  

Noch ist die kleine Rukhsar etwas schüchtern gegenüber ihrem Vater. Er ist ein Fremder für sie. Sie war ein Baby, als Ruhullah Baryalai Hals über Kopf aus seiner Heimat Afghanistan flüchten musste. "Ich bin Zahnarzt. Ich habe alle Menschen behandelt, die bei mir Hilfe gesucht haben. Das hat den Taliban nicht gepasst", erzählt der 38-jährige. Er wurde immer wieder verprügelt, auch Morddrohungen wurden ausgesprochen. "Beim letzten Mal schlugen sie mich bewusstlos - ich habe heute noch Probleme, mich zu konzentrieren, außerdem hatte ich Verletzungen am Rücken, die mir nach wie vor zu schaffen machen." Die Forderung der Taliban war, dass er sie über "feindliche" Patienten, die nicht ihre Ideologie teilten, hätte informieren müssen. "Diese Menschen wären dann umgebracht worden. Für mich sind aber alle Menschen gleich - egal welcher Religion oder Nation sie angehören."  

Für Ruhullah Baryalai blieb nur die Flucht. Zurück lassen musst er seine Frau Salma - sie ist ebenfalls Zahnärztin - und Baby Rukhsar, die zwischenzeitlich zu einer aufgeweckten Vierjährigen herangewachsen ist. "Ich hatte große Angst und habe das Haus nur verlassen, wenn ich dringende Besorgungen machen musste", erzählt Salma Baryalai, die sich bei ihrem Bruder versteckt hielt und darauf wartete, dass der Antrag auf Familienzusammenführung befürwortet wird. "Hier in Österreich fühle ich mich so frei wie ein Vogel, der aus dem Käfig gelassen wurde." Ganz wichtig ist ihr, dass sie möglichst schnell Deutsch lernt, um hier Fuß fassen zu können. Als "unendlich glücklich" beschreibt sich auch der Familienvater: "Jetzt sind wir wieder eine richtige Familie. Nächste Woche können wir eine eigene Wohnung beziehen und ich hoffe, hier Arbeit zu finden. Mein Traum wäre es natürlich, als Zahnarzt arbeiten zu können."