Mit enormem Willen zum Ziel

24.02.15 / 10:06

Eine dunkelhäutige erwachsene junge Frau, die einen langen beigen Mantel trägt, steht in der Küche vor dem Abwasch. Die kleine Küche ist dabei ausschließlich in Beige und in ein wenig Blau gehalten gehalten.

Nana Traore ist 23 Jahre alt. Dass mit einem klaren Ziel vor Augen vieles möglich ist, hat sie sich selbst und anderen schon vielfach bewiesen. "Aufgeben kommt nicht in Frage!"  

 

"Burkina Faso" heißt übersetzt "Land des aufrechten Menschen". Diese Übersetzung passt perfekt zu Nana Traore. Andere Umschreibungen wären freundlich, willensstark, mutig und geradlinig. Auf ihre Kindheit in Burkina Faso angesprochen, erzählt sie freimütig: "Ich kann sagen, dass meine Kindheit eigentlich gut war - unsere Eltern haben dafür gesorgt", erzählt die Frau in sehr gutem Deutsch. In einem kleinen Dorf mit vier Geschwistern aufgewachsen, hätte sie damals nie geglaubt, einmal in Europa zu leben. "Mein Vater war Polizist. Als die Regierung beschlossen hatte, die Löhne der Beamten stark zu kürzen, kam es zu Unmut in der Bevölkerung. Die Polizeistation wurde zerstört, uns wurde gedroht, dass die ganze Familie mitgenommen würde. Ich hatte einfach große Angst."

Ohne ihrer Familie oder ihrem Freund etwas zu sagen, entschloss sich Nana Traore zu flüchten. "Für mich war klar: Ich gehe weg. Tief im Inneren hatte ich auch die Hoffnung, im Ausland meinen Weg zu machen und so meine Familie unterstützen zu können."  

 

Ungewisse Zukunft
Nach einer abenteuerlichen Flucht gelangte Nana Traore nach Österreich und nach einer Zeit in Traiskirchen in den Bregenzerwald. "Ganz wichtig war für mich, die Sprache zu erlernen", erzählt sie, dass sie in den vergangenen Jahren die A2 und B2-Sprachzertifikate erlangt hat, zudem hat sie den Hauptschulabschluss in Dornbirn gemacht. Zwischenzeitlich absolviert sie im Gasthaus "Sonne" in Bezau eine Lehre als Köchin. "Wir sind ein super Team und auch unser Chef ist sehr nett", schätzt sie die Möglichkeit, eine Ausbildung machen zu können, sehr. "Kässpätzle zu kochen ist für mich kein Problem", lacht sie über ihre "typisch Vorarlberger" Eigenschaften. Apropos typisch Vorarlberg: Nana Traore war auch begeistertes Mitglied des Bezauer Kirchenchors, auf Grund der Dienstzeiten im Gastronomiebereich, musste sie dieses Hobby momentan auf "Eis" legen.  

 

Wie sie ihre Zukunft sieht, wird die gebürtige Afrikanerin gefragt: "Mein größter Wunsch ist es, Krankenschwester zu werden. Als ich mich dort beworben habe, war dies aber nicht möglich, weil ich keinen eigenen Pass besitze. Diesen kann ich erst beantragen, wenn das Asylverfahren abgeschlossen ist." Ein herber Rückschlag. Dass sie somit eigentlich keine offizielle Identität besitzt, ist dabei für Nana Traore nicht das Hauptproblem: "Ich habe eine Asylkarte. Das ist momentan meine Identität." Manchmal kommt sie ins Hadern: "Ich denke mir dann, was ich Gott getan habe, dass ich so lange auf meinen Asylbescheid warten muss." Das sind jedoch nur kurze Momente, denn dann formuliert Nana bereits Ziele für die Zukunft: "Am wichtigsten ist für mich, dass ich meinen Asylbescheid in Händen halte. Zweitens will ich meine Lehre abschließen und anschließend nochmals den Einstieg in einen Beruf im Bereich der Krankenpflege versuchen." Auch langfristig hat sie Pläne: "So viele Menschen haben mir geholfen, als ich hergekommen bin. Ich möchte auch was zurückgeben."

 

Konkret denkt sie dabei etwa an Bildungsprojekte in ihrer ehemaligen Heimat: "Bis zu 90 Prozent der Mädchen gehen dort nicht zur Schule. Oft müssen sie schon als 13-jährige einen um vieles älteren Mann heiraten, den sie nicht lieben. Wenn sie später Kinder haben, können sie oft auch diesen nicht die Liebe weitergeben, die sie bräuchten." Auch im Kampf gegen Malaria wären durch einfache Maßnahmen große Veränderungen möglich. Die Meinung mag subjektiv sein, spiegelt aber die Meinung vieler Freunde und Bekannter von Nana Traore wieder: Diese mutige Frau ist eine Bereicherung für Österreich!    

 

Burkina Faso ist ein Staat in Welstafrika und grenzt an Mali, Niger, Benin, Togo, Ghana und die Elfenbeinkünste. Die ehemalige französische Kolonie erlangte 1960 die Unabhängigkeit. Nach zahlreichen Putschen gelangte das ehemalige Obervolta zum heutigen Namen. Burkina Faso zählt zu den ärmsten Ländern der Welt, immer wieder sorgen Dürreperioden für große Not in der Bevölkerung. Hauptstadt ist die zentral gelegenen Millionenstadt Ouagadougou. In Burkina Faso werden etwa 60 einheimische Sprachen gesprochen. Etwa die Hälfte der Gesamtbevölkerung zählt zur politisch dominierenden Ethnie der Mossi, der Islam ist neben den traditionellen Glaubensvorstellungen die meistpraktizierte Religion.    

  • Eine junge Frau strahlt in die Kamera. Sie trägt ihre dunklen Haare zu Zöpfen verbunden. Ihr hellblaues Shirt wirkt sehr auffallend unter ihrem beigen Mantel.

  • Drei Kinder unterschiedlicher Ethnien spielen im Schnee. Sie tragen dicke Winterbekleidung, die schwarz, weiß, rot und braun ist. Sie sitzen dabei in einer Hocke auf einem Schneehügel. Alle drei Kinder sind erfreut und haben Spaß. Einer der drei Jungs zeigt noch das Victory Zeichen mit beiden Händen.

  • Eine junge Frau strahlt in die Kamera. Sie trägt ihre dunklen Haare zu Zöpfen verbunden. Ihr hellblaues Shirt wirkt sehr auffallend unter ihrem beigen Mantel.
  • Drei Kinder unterschiedlicher Ethnien spielen im Schnee. Sie tragen dicke Winterbekleidung, die schwarz, weiß, rot und braun ist. Sie sitzen dabei in einer Hocke auf einem Schneehügel. Alle drei Kinder sind erfreut und haben Spaß. Einer der drei Jungs zeigt noch das Victory Zeichen mit beiden Händen.