Äthiopien – Bericht über eine spannende Reise

06.07.15 / 10:03

Caritas-Mitarbeiterin Elke Kager nutzte eine Äthiopien-Reise, um sich ein Bild über die von SpenderInnen des Vorarlberger Kirchenblatts unterstützten Projekte zu machen.


Wer die Chance hat, Land und Leute in Äthiopien kennenlernen zu dürfen, muss sein Bild im Kopf von einem „trostlosen Dahinfristen“ der Menschen vor Ort neu überdenken. Scheinbar unzählige Kinder, die auf den Straßen und Plätzen in den einzelnen Dörfern spielen und zwar materiell nichts, aber dennoch eine unglaubliche Freiheit haben. Junge Mädchen und Burschen, die lachend auf dem Weg sind zum Markt, zu ihren Feldern oder sonntags in die Kirche. Eltern, die gelernt haben, mit dem wenigen, das sie haben, ihre Familien durchzubringen. Alte Menschen, die sich auf ein gesellschaftliches System, ihre Familien sowie die Dorfgemeinschaft verlassen können und wissen, dass sie nicht alleine sind. Eine Lebensfreude, die bewundernswert ist und den Besucher dankbar macht. All das ist Äthiopien.

Aber auch Straßen, auf denen Verkehrsregeln schlichtweg nicht vorhanden sind, wo jeder dort fährt, wo am wenigsten Schlaglöcher sind und wo scheinbar der Stärkere Vorrang hat. Aber nur scheinbar, denn wenn einem Esel gerade nicht danach ist, das „Feld“ zu räumen, muss auch der stärkste Lkw eine Notbremsung einleiten.

Wer nach Äthiopien kommt, stellt sich automatisch auch die Frage, wie und ob denn die verschiedensten Hilfsprojekte auch Wirkung zeigen – Programme, de auch von vielen Kirchenblatt-SpenderInnen aus Vorarlberg mitgetragen werden.

Am besten lässt sich das wohl an einzelnen Geschichten zeigen: Da ist zum Beispiel Sister Mirjam von den „Good Shepherd Sisters“, die sich seit vielen Jahren um junge Frauen, die aus der Prostitution aussteigen wollen, kümmert. „Einfach zuhören und Zeit haben, das ist oft das allerwichtigste“, erzählt die energiegeladene Irin von „ihren“ meist schwer traumatisieren Mädchen und Frauen. Immer mehr suchen auch, die auf der Suche nach Arbeit etwa nach Saudi Arabien ausgewandert sind, Hilfe bei Sister Mirjam. Ganz besonders berührend ist dabei die Geschichte, die uns Kassran erzählt: Die junge Frau wanderte mit der Hoffnung, Arbeit als Haushaltshilfe zu finden, nach Saudi Arabien aus. Diese fand sie auch. Als sie eines Tages die Fenster im zweiten Stockwerk des Hauses putzte, stieß die Hausfrau die Leiter um und Kassran blieb mit einem Wirbelsäulen- und Beckenbruch liegen. Die Gründe, warum es dazu gekommen ist, kennt Kassran nicht. Vielleicht weil der Hausherr sie sexuell missbraucht hatte und die Ehefrau eifersüchtig war. Eine andere Geschichte ist die von Hanna Teshome. Seit über 20 Jahren gibt sie Aids-Waisenkindern in Wohngemeinschaften ein Zuhause. Die Erfolgsgeschichten der zwischenzeitlich erwachsenen Kindern bestätigen den Weg Hannas: „Einige haben studiert, andere Familien gegründet. Ich bin bereits vielfache Oma.“

Auf dem Land, etwa in der Diözese Meki, kann sich die Caritas Vorarlberg auf starke Partner verlassen – allen voran Bischof Abraham Desta sowie Caritasdirektor Abba Temesgen Kebede Eshete. Am Beispiel des Programms, das nach der Dürrekatastrophe im Jahr 2011 gestartet wurde, zeigen sich die Erfolge: Nach der ersten Nothilfe wurde ein Ernährungssicherungsprogramm gestartet. Stolz zeigt etwa Alamnesh Dibay ihren Lehmofen. Die Witwe ist zwischen 50 und 60 Jahren alt, ihr genaues Altern kennt sie nicht. Früher musste sie täglich Holz sammeln, um den Ofen zum Kochen zu beheizen, heute reichen ein- bis zwei Mal pro Woche. „Die Zeit, die ich mir spare, kann ich im Feld einsetzen und dadurch meine Ernte verbessern.“ Bauer Chale Fote möchte sich bei den Vorarlberger SpenderInnen bedanken, durch die er einen Ochsen zur Verfügung gestellt bekam. „Früher musste ich einen Teil meines Landes verpachten, weil ich nicht alles bewirtschaften konnte. Dafür reichte aber die Ernte nicht für das ganze Jahr.“ Für seine beiden Kinder wünscht er sich, dass sie die Schule besuchen können. Apropos Schule: Hier unterstützt die Caritas in erster Linie den Ausbau der Oberstufen in den einzenen Dörfern und setzt auf qualitative Verbesserungen. Ein Kind, das davon profitiert, ist der zwölfjährige Bethlehem Kelemework. Er hat gerade als Klassenbester die sechste Schulstufe abgeschlossen. Den Buben in die Highschool nach Meki zu schicken, wäre den Eltern zu gefährlich. Aber: In seinem Dorf wird im nächsten Jahr die Oberstufe ausgebaut und so hat Bethlehem gute Chancen, weiter zu studieren. Sein großer Traum ist es, Arzt zu werden.

Was während der Reise durch das Land auch klar wird: Hilfsprojekte müssen wohl durchdacht sein, verändern sie doch immer das Leben des einzelnen Menschen, aber auch der Gesellschaft. Dass dies in einem positiven Sinn geschieht, dafür gilt es Sorge zu tragen. Schön, wenn sich die Caritas Vorarlberg dabei auf professionelle Partner vor Ort verlassen kann.

 

 

  • Bild einer älteren Dame mit grauen Haaren, einer Brille und violett-rosa Oberteil mit einer Jugendlichen, die schwarze Haare und einen grünen Sweater trägt. Beide lachen dabei in die Kamera.

  • Caritas-Mitarbeiterin Elke Kager zeigt äthiopischen Kindern Fotos auf ihrer Kamera. Die Kinder schauen gespannt und sind erfreut. Elke trägt eine blaue Bluse und die Kinder sind bunt, in unterschiedlichen Farben gekleidet.

  • Eine Frau mittleren Alters beugt sich über ihren Lehmofen. Daneben steht ihr kleines Kind, das ein grünes Kleid trägt.

  • Junge und ältere Frauen posieren vor Hanna Orphans Home. Sie sind erfreut und lachen in die Kamera. Alle tragen ihre Haare schwarz.

  • Bild einer älteren Dame mit grauen Haaren, einer Brille und violett-rosa Oberteil mit einer Jugendlichen, die schwarze Haare und einen grünen Sweater trägt. Beide lachen dabei in die Kamera.
  • Caritas-Mitarbeiterin Elke Kager zeigt äthiopischen Kindern Fotos auf ihrer Kamera. Die Kinder schauen gespannt und sind erfreut. Elke trägt eine blaue Bluse und die Kinder sind bunt, in unterschiedlichen Farben gekleidet.
  • Eine Frau mittleren Alters beugt sich über ihren Lehmofen. Daneben steht ihr kleines Kind, das ein grünes Kleid trägt.
  • Junge und ältere Frauen posieren vor Hanna Orphans Home. Sie sind erfreut und lachen in die Kamera. Alle tragen ihre Haare schwarz.