Eine Zukunft ohne Hunger?!

30.07.15 / 14:57

Eine Familie mit Sohn und Tochter. Sie sind schlicht, in altem Gewand gekleidet und stehen vor einem grün angestrichenen Haus. Die Mutter, die ein Kopftuch trägt, lacht, während die anderen grinsen.

MMag. Martin Hagleitner-Huber, Leiter der Auslandshilfe der Caritas Vorarlberg, über Hilfe, die wirkt.

Jedes Jahr bittet die Caritas in den Sommermonaten um Hilfe und Unterstützung für Menschen, die weltweit an Hunger zu leiden haben. In einer Zeit, in der in unserem Land die Menschen in Urlaub gehen, sich erholen vom Druck und Stress des Arbeits- und Schulalltages und zumindest einige Tage des unbeschwerten Lebens genießen wollen. Und es ist gut so. Beides. Sich zu erholen und es sich gut gehen zu lassen. Zeit zu haben für die eigene Familie und für Freunde. Um Aufzutanken. 
Aber auch das Wachhalten und das sich Erinnern an eine Realität, die knapp eine Milliarde Mitmenschen auf unserer gemeinsamen Welt betrifft. Die an Hunger leiden. Die auf Solidarität angewiesen sind, da kein staatliches Versorgungsnetz existiert, kein Arbeitslosengeld, keine Mindestsicherung, keine Kranken- und Unfallversicherung, keine Versicherung gegen Ernteausfälle oder bei Katastrophen auf Entschädigung aus einem Fonds hoffen können.  Ihnen bleibt allein die Solidarität und Unterstützung von konkreten Mitmenschen aus Nah oder Fern. Als Christen und Christinnen sind wir hier in besonderer Weise gefordert oder man könnte es vielleicht auch so nennen, in besonderer Weise beschenkt!
Immer wieder höre ich, dass  die Hilfe für Afrika ein Fass ohne Boden ist, dass die Hilfe sowieso nicht ankommt oder nichts bewirkt, die Spenden nur die Verwaltung der Organisationen finanzieren.  Ich bin dankbar, wenn ich auf diese Fragen angesprochen werde, geben sie doch Gelegenheit ein ganz anderes Bild der Realitäten zu zeichnen. Wahrscheinlich bin ich in besonderer Weise privilegiert, da ich nun seit 20 Jahren immer wieder direkt vor Ort die Wirkung unserer Hilfe – ihres solidarischen Teilens - miterleben darf. Da sind zum einen die vielen „ehemaligen“ Kinder, die das Erwachsenwerden nie erlebt hätten, hätten sie nicht zur rechten Zeit Nahrungsmittel und medizinische Hilfe durch die Caritas erhalten. Es sind dies  Momente und Erfahrungen, die am meisten bewegen und berühren, wenn Kinder dem frühzeitigen Tod entrissen werden können. In solchen Situationen denkt man nicht mehr an die vielen Herausforderungen Afrikas, an strukturelle Probleme und Lösungen, da zählt der kleine Mensch, der da vor einem liegt. Und es geht darum, sein Leben zu retten. Ihre Hilfe, die wirkt.

Oder die Witwe in einem kleinen Dorf in der Nähe von Meki. Als ich sie zum ersten Mal besuchte, war ich beschämt. Da stand eine ausgemergelte Frau mit stumpfen Augen und in Lumpen gehüllt, die einfache Hütte mit undichtem Dach, als einziges Werkzeug ein altes, rostiges Eisenstück mit dem sie den Boden aufritzt. Die Kinder, die sich als Tagelöhner bei Bauern verdingen. Sie wurde Mitglied in einem unserer Landwirtschaftsprogramme. Die Familie bekam einfache materielle Unterstützung in Form von Saatgut, ein wenig  Werkzeug, man unterstützte sie beim Bestellen ihres Gartens und bei der Kompostproduktion. Auch ein Esel und ein Karren wurden der Familie zur Verfügung gestellt. Bei meinem nächsten Besuch bei der Familie habe ich die Frau kaum wiedererkannt. Da war ein Leuchten in ihren Augen, Garten und Hütte in gutem Zustand und gepflegt. Für mich war dies eine wunderbare Erfahrung. So darf man sich die Auferstehung eines Menschen „mitten im Leben“ vorstellen. So wenig Hilfe und Unterstützung kann das Leben einer ganzen Familie zum Positiven verändern. Ihre Hilfe, die wirkt. Und mittlerweile sind es viele Familien, die ähnliches erfahren und erleben durften. Vielleicht müssen wir manchmal unseren eigenen Fokus etwas verändern und die konkreten Menschen wieder mehr in den Blick nehmen, um zu erkennen, wieviel Gutes und Wunder-bares durch menschliche Solidarität und Herzensgüte in dieser Welt geschieht und möglich ist.