Dem Hunger entgegentreten

31.07.15 / 11:41

Ein älterer Mann arbeitet auf einem Acker, auf dem grüne Nutzpflanzen angebaut werden. Er trägt ein schlichtes gestreiftes t-Shirt und eine beige Hose.

Vor mehr als 100 Jahren wurden in Vorarlberg die ersten landwirtschaftlichen Genossenschaften nach der Idee von Friedrich Wilhelm Raiffeisen gegründet, um gemeinsam das zu erwirtschaften, was ein einzelner nicht erreichen kann. Das Konzept erweist sich bis heute als erfolgreich – auch in Äthiopien.

Besuch im kleinen Dorf Naja Lala, zwei Autostunden südlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Die ganze Nacht über hat es geregnet. Das Gras wächst auf den Wiesen, und auf den Feldern sprießen die grünen Mais- und Hirsepflanzen. Wenn es mit dem Niederschlag so weitergeht, können die größtenteils von der Landwirtschaft lebenden Menschen in Naja Lala auf eine Ernte hoffen, welche die Familien satt macht. Noch vor wenigen Monaten war die Lage in der Hochebene von Meki allerdings kritisch. Die Niederschläge der „Kleinen Regenzeit“ sind ausgeblieben. Die Wasserstellen waren nahezu versiegt, die Böden ausgetrocknet. Dörfer wie Naja Lala haben keine Wasser- oder Stromleitungen. Die Familien leben in kleinen, runden, strohbedeckten Lehmhäusern ohne Fenster und mit Böden aus gestampfter Erde. Wasser ist hier rar – auch wenn es regnet. Einer von den Dorfbewohnern ist der 60jährige Duga Bariso. Er hat bereits mehrere Dürrezeiten erlebt; genug, um sie zu fürchten. „Es ist schlimm, wenn die Kinder weinen, weil sie Hunger und Durst haben. Noch schlimmer ist es, wenn sie nicht mehr weinen, weil sie zu schwach dafür sind“, sagt Duga.

Zukunft ohne Hunger
Die Genossenschaftsbildung hat hier eine entscheidende Verbesserung bewirkt: Vor acht Jahren haben die Bauern in seinem Dorf mit Hilfe der Caritas diese gegründet und einen großen Kornspeicher errichtet. Hier kann das Getreide sicher gelagert werden. „Wir müssen unsere Ernte jetzt nicht mehr sofort verkaufen, wenn die Preise niedrig sind. Wir können warten, bis wir mehr dafür bekommen“, sagt Duga zufrieden. Der 60jährige ist Schatzmeister in der Genossenschaft. In mehreren von der Caritas organisierten Schulungen hat er gelernt, wie er das Geld gerecht verwalten und verteilen kann. Die Bauern legen die Ernte zusammen und verkaufen gemeinsam, wenn die Preise gut sind. Der Erlös wird unter den Mitgliedern verteilt. „Schon nach einem Jahr ist unser Einkommen gestiegen. Danach ging es ein paar Jahre ständig aufwärts. Jetzt hat es sich eingependelt. Wir verdienen genug, um ausreichend zum Essen zu haben und unsere Kinder in die Schule schicken zu können“, erklärt Duga. Seine acht Kinder haben alle gute Zukunftsaussichten, weil sie eine höhere Schule besuchen oder bereits abgeschlossen haben. „Das Wichtigste ist aber, dass sie keine Angst vor dem Hunger haben müssen“, betont Duga.

Naja Lala ist eine der ersten Genossenschaften, welche die Caritas rund um Meki aufgebaut hat. „Es ist ein Erfolgsmodell. Die Bauern hier sind soweit, dass sie alles allein, fast ohne unsere Begleitung verwalten. Das ist unser Ziel. Wir wollen den Menschen eine Starthilfe geben, damit sie danach gemeinsam an ihrer Zukunft bauen können“, erklärt Abba Temesgen, der Direktor der Caritas Meki, mit welcher die Caritas Vorarlberg seit Jahren intensiv zusammenarbeitet.

  • Ein kleiner Junge läuft in den Spuren des Pflugs, die Kühe auf einem Acker machen. Er trägt eine blaue Jacke und eine grüne Hose.

  • Ein Mann trägt Setzlinge von einem Karren. Dabei trägt er eine beige Jacke. Um ihn herum stehen Kinder und Frauen.

  • Zwei äthiopische Kinder, schlicht gekleidet, laufen auf einer Schotterstraße neben einem Esel her, der ein Wagen voller Holz zieht. Im Hintergrund befindet sich ein grüner Wald.

  • Ein kleiner Junge läuft in den Spuren des Pflugs, die Kühe auf einem Acker machen. Er trägt eine blaue Jacke und eine grüne Hose.
  • Ein Mann trägt Setzlinge von einem Karren. Dabei trägt er eine beige Jacke. Um ihn herum stehen Kinder und Frauen.
  • Zwei äthiopische Kinder, schlicht gekleidet, laufen auf einer Schotterstraße neben einem Esel her, der ein Wagen voller Holz zieht. Im Hintergrund befindet sich ein grüner Wald.