„Fehlt nur noch eine eigene Wohnung“

02.10.15 / 12:06

Ein junger Flüchtling strahlt. Er trägt ein graues T-Shirt, eine schwarze Halskette und hat dunkle Haare. Im Hintergrund ist eine Wiese.
Ein junger Flüchtling kocht in einer Küche und hat offensichtlich Spaß dabei. Er trägt eine weiße Kochjacke.

Der Pakistani Haroon Afridi lebt bereits seit drei Jahren im Montafon und macht gerade eine Ausbildung zum Koch im Hotel-Restaurant Bergerhof in Bartholomäberg. Ein langer Weg für den jungen Mann, der bereits mit 15 Jahren seine Heimat verließ, um hier ein neues Leben zu beginnen.  

Computer, Handy, Internet – all´ das kannte der damals 15-jährige Haaron nicht, als er 2012 aus seinem Heimatdorf in Pakistan geflohen ist. Allein, denn seine Mutter ist schon lange tot und sein Vater und seinen älteren Bruder musste er zuhause zurücklassen. „In unserem Dorf hatten wir nicht einmal Strom und außer einer Kuh haben wir nicht viel besessen“, erklärt Haroon die ärmlichen Verhältnisse, in denen er aufgewachsen ist. Unruhen, Gewalt und Verfolgung stehen in Pakistan an der Tagesordnung und so machte sich der Junge alleine auf den gefährlichen Weg in eine ungewisse Zukunft. Viel möchte er nicht von seiner Flucht erzählen, zu traumatisch sind die Erlebnisse: „Ich war ungefähr einen Monat lang unterwegs und es war sehr gefährlich. Oft habe ich drei bis vier Tage lang nichts gegessen und kaum etwas getrunken“, erzählt er in fast perfektem Deutsch.

Österreichische Küche und Chili aus Pakistan
Heute hat sein Leben eine mehr als positive Wendung genommen. Vor einigen Tagen begann er mit dem zweiten Ausbildungsjahr zum Koch und möchte diese auf jeden Fall zu Ende bringen. „Es gefällt mir sehr gut hier und ich kann auch schon einige österreichische Gerichte kochen“, schmunzelt Haroon. „Am Anfang war es sehr schwer, weil ich erst alle Gewürze und heimischen Lebensmittel kennenlernen musste. In Pakistan kochen wir wie in Indien, sehr scharf und mit viel Chili, und das war für mich eine große Umstellung“, so der junge Mann weiter, der auch schon seinen Chef Peter Stockhammer mit original pakistanischen Gerichten ordentlich zum Schwitzen brachte. Stockhammer: „Haroon kam als Schnupperlehrling zu uns und war sofort mit viel Begeisterung bei der Sache. Die Chemie zwischen uns hat einfach gestimmt. Wenn er sich weiter so gut in der Küche macht, möchte ich ihn gerne nach der Lehre fix als Koch übernehmen!“

Schwieriger Start in Österreich

Haroon, der die ersten vier Monate in Österreich im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen (Niederösterreich) verbracht hatte, erzählt von den Startschwierigkeiten: „Am Anfang war es nicht einfach, so ohne Familie und ohne die Sprache zu verstehen. Ohne Sprache kann man einfach nichts machen!“ Als er schließlich im Haus Noah als „unbegleiteter minderjähriger Flüchtling“ in Vandans eine Bleibe der Caritas gefunden hat, begann für ihn eine ruhigere Zeit: “Die Menschen im Haus Noah und die Familie meines Chefs wurden nun meine neue Familie und ich bin sehr glücklich darüber, dass ich hier sein und einen Beruf erlernen kann.“ Mit seiner Familie in Pakistan hat der Junge leider nur wenig Kontakt: „Es ist sehr schwierig sie zu erreichen, weil wir zuhause keinen Strom und kein Telefon haben. Mein Onkel, der in einer kleineren Stadt lebt, ist seine Kontaktperson, von der er alle wichtigen Informationen von seiner Familie bekommt." Doch der junge Mann blickt nach vorne, möchte etwas in seinem Leben erreichen und fühlt sich vor allem im Montafon schon sehr zuhause: „Ich möchte hier im Tal bleiben, weil es mir hier sehr gut gefällt, ich die Natur liebe und ich hier viele Freunde gefunden habe. Was mir fehlt, ist nur noch eine kleine, leistbare Wohnung, weil  ich endlich auf eigenen Beinen stehen möchte!“ Und er möchte noch lange für seinen Verein, den „Montafoner Volleyball-Club“ spielen, dessen Mitglieder ihn so freundschaftlich aufgenommen haben!