Auf dem Schlauchboot in ein neues Leben

12.10.15 / 12:43

Eine junge Familie mit drei Kindern sitzt in einem Garten auf Plastikstühlen. Sie wirken glücklich und zwei der jungen Buben halten einen Fußball in der Hand.

Seit 2013 lebt Ali Jafo aus Syrien in Österreich. Nach der dramatischen Flucht aus seiner vom Krieg zerstörten Heimat, hat er nun mit seiner Frau und den Kindern in Hörbranz ein neues Zuhause gefunden.


„Ich habe beim letzten Fußballmatch fünf Tore geschossen“, erzählt Soleman, der sechsjährige Sohn von Ali und Shiraz Haji, voller Stolz. Für seine Mannschaft im FC Hörbranz ist „Sole“, wie er liebevoll von Familie und Freunde genannt wird, eine wichtige Stütze und der Erstklässler scheint sich hier sichtlich wohl zu fühlen. Genau wie der Rest der fünfköpfigen Familie, die hier in Hörbranz von der Gemeinde und der Pfarre von Anfang an mit offenen Armen empfangen wurden. „Zuerst war ich einige Zeit in Traiskirchen, dann lebte ich ein Jahr lang in Schruns und schließlich, nachdem meine Frau und die Kinder 2014 endlich zu mir nach Österreich kamen, sind wir nach Hörbranz gezogen– und wir fühlen uns sehr wohl hier“, so der 31-jährige Familienvater.

Leben im Krieg
Doch das Leben im umkämpften Aleppo und die dramatische Flucht wird ihm wohl für immer im Gedächtnis bleiben. Genauso wie ihre Lieben, die sie zurücklassen mussten. „Wir haben beide große Familien. Eltern, Geschwister, Cousins und Cousinen leben noch in Syrien. Den Kontakt zu ihnen aufrecht zu erhalten ist nicht immer einfach, denn immer wieder gibt es technische Probleme, die die Verbindungen stören“, so Ali.  Vor dem Krieg arbeitete der sympathische Familienvater in seiner Heimat als Vermessungstechniker und studierte – wie seine Frau - Rechtswissenschaften. „Wir haben uns auf der Uni kennengelernt und verliebt“, erzählt Ali. „Uns beiden hätte jeweils noch ein Jahr Studium gefehlt, doch dann kam der Krieg und alles änderte sich“, so Ali weiter. Um sich und seine Familie ein besseres Leben zu ermöglichen, verkaufte er in Syrien seinen gesamten Besitz, das Auto und den Schmuck seiner Frau und zahlte rund 7.500 Euro, um sich von Schleppern in die Türkei bringen zu lassen, von wo es dann mit einem Schlauchboot mitten in der Nacht Richtung Griechenland ging. „Hätte das Boot auch nur das kleinste Loch gehabt, wären wir alle ertrunken – 24 Personen inklusive Kindern“, so Ali über seine gefährliche Flucht nach Griechenland. Schließlich kamen er und sein Schwager in einem LKW über die österreichische Grenze und direkt nach Traiskirchen.

Ein neues Leben
Nun leben beide Familien zusammen in Hörbranz in einem Haus. „Seit einigen Wochen arbeite ich als Vermessungstechniker und kann nun mit meiner Familie ein selbständiges Leben führen, ohne finanzielle Unterstützung“, so Ali. Viel haben sie „Tante Dani“ zu verdanken, jener engagierten Mitarbeiterin von Pfarrer Roland Trentinaglia, die sich mit viel Herz und Engagement für die Familien eingesetzt hat.
„Als die ersten Flüchtlingsfamilien zu uns kamen, haben wir als Pfarre gemeinsam mit der Gemeinde Hörbranz und der Caritas einen Informationsabend veranstaltet und konnten so viele Vorurteile oder Ängste im Vorfeld abwenden“, so Daniela Prilmüller. Inzwischen ist vor allem der Kontakt zu Familie Jafo ein sehr inniger geworden. Die Kinder umarmen „Tante Dani“ und erzählen ihr von ihren Erlebnissen im Kindergarten und in der Schule. „Uns war es auch wichtig, dass die Männer in ihren gelernten Berufen arbeiten können und nicht irgendeinen Job annehmen müssen. Wir freuen uns sehr, dass Ali eine Vollzeit-Anstellung als Vermessungstechniker gefunden hat und wir ihn auf dem Weg dorthin begleiten durften“, ist Daniela Prilmüller begeistert. „Von den vor rund einem Jahr zu uns gekommenen fünf Flüchtlingsfamilien haben drei Familienväter eine Vollzeitbeschäftigung und eine Frau arbeitet in Teilzeit“, so Prilmüller weiter.

Gelungene Integration
Familie Jafo ist sich bewusst, dass sie großes Glück haben. Probleme mit den DorfbewohnerInnen gab es bislang nie: “Wenn ich nett zu den Leuten bin, sind sie es auch zu mir“, ist Ali überzeugt. „Ich verstehe mich gut mit allen hier, habe auch beim FC Hörbranz Fußball gespielt, aber leider macht mir der Miniskus derzeit zu schaffen“, so Ali weiter. Was nun noch fehlt ist eine neue Wohnung, denn aus ihrem jetzigen Heim müssen sie bis nächstes Jahr ausziehen. Dann wird die Wohnung für andere Menschen benötigt, die dringend ein Dach über dem Kopf brauchen.