Helfen zu können, macht uns zu Menschen

10.11.15 / 08:31

Eine junge Frau spielt mit zwei kleinen Mädchen am Boden Lego. Ein Mädchen im Vordergrund wirkt sehr fröhlich und lächelt. Im Hintergrund baut die junge Frau mit dem Mädchen einen Turm.

Not sehen und handeln. Das ist in allen Bereichen oberste Zielsetzung der Caritasarbeit. Obwohl in der politischen Diskussion und in den Medien die Flüchtlingsthematik vorrangig zu sein scheint, prägt die Arbeit für Menschen in Not im Inland unseren Alltag auch sehr stark. Die Caritas Vorarlberg engagiert sich auch für diese Menschen mit voller Kraft. Im Rahmen der „Inlandskampagne“ im November wird der Blick speziell auf die Not hier in Vorarlberg gerichtet.

Schon seit Jahren verzeichnet die Beratungsstelle „Existenz & Wohnen“ alljährlich einen Zuwachs an Fällen von acht bis zehn Prozent pro Jahr. Allein heuer haben sich in den ersten drei Quartalen 2.103 „Fälle“ an die Beratungsstelle mit der Bitte um Unterstützung gewendet. Im Vergleich dazu waren es im Jahr 2012 im gleichen Zeitraum 1.742 Fälle. Dahinter stehen in mehr als der Hälfte der KlientInnen mitbetroffene Kinder und PartnerInnen.

Kinder in Armut – und das in einem Wohlstandsland


Ungefähr ein Fünftel der Kinder im Alter von null bis 19 Jahren ist in Vorarlberg armutsgefährdet. Besonders schwer haben es Kinder, deren Eltern allein erziehend sind. In ganz Österreich sind laut Statistik Austria insgesamt 21 Prozent der Ein-Eltern-Haushalte manifest arm.  Das bedeutet, dass diese Familien aus finanziellen Gründen nicht am „Mindestlebensstandard“ teilhaben können und etwa die Wohnung nicht angemessen warm halten können, regelmäßige Zahlungen wie Miete, Betriebskosten oder Kreditrückzahlungen nicht leisten können oder unerwartete Ausgaben, etwa für Reparaturen, zu einer unüberbrückbaren Hürde werden. So sind auch die Alleinerziehenden mit 3.376 Personen, die größte Gruppe in Vorarlberg, die Bedarfsorientierte Mindestsicherung beziehen. „Oft sprechen Betroffene am Ende des Monats bei uns vor, weil sie schlichtweg einen leeren Kühlschrank haben und nicht mehr wissen, wie sie die Zeit bis zum nächsten Monatsersten überbrücken sollen“, erläutert der Fachbereichsleiter des Bereichs Sozialberatung/-Begleitung, Michael Natter.

Existenzsichernde Einkommen

21 Prozent der KlientInnen, die das Angebot der Sozialberatung in Anspruch nehmen, haben ein Erwerbseinkommen, können aber von diesem ihren Lebensunterhalt nicht finanzieren. Das zeigt die Bedeutung der „working poor“-Problematik – also jene Menschen, die erwerbstätig sind, aber dennoch in die Kategorie der „Armutsgefährdung“ fallen. Entscheidende Faktoren sind dabei eine geringe Wochenarbeitszeit, geringe Entlohnung oder unregelmäßige Beschäftigung. Die Caritas Vorarlberg fordert dabei, dass jegliches Vollzeit-Erwerbseinkommen existenzsichernd sein muss. Für Menschen mit niedrigen Einkommen wird zudem eine Entlastung bei den Lohnnebenkosten gefordert.

Erschließung von günstigem Wohnraum


Für die immer größer werdende Schere zwischen Einkommen und Ausgaben sind vor allem die Wohnkosten ein großer Treiber. Österreichweit sind zwischen 2010 und 2014 die Mietpreise um 15,1 Prozent angestiegen. Eine ähnliche – wenn auch nicht ganz so starke - Entwicklung lässt sich auch in Vorarlberg feststellen. Dies trifft vor allem – erneut – Ein-Eltern-Haushalte und Familien mit drei oder mehr Kindern. Bei 69 Prozent der armutsgefährdeten Menschen beträgt der Wohnkostenanteil mehr als ein Viertel ihres Einkommens (österreichweit), für Energiekosten fallen zusätzlich elf Prozent des Einkommens an.

Konkrete Hilfestellungen

Die Caritas Vorarlberg hat mit dem „Stromsparcheck“ ein maßgeblich von Freiwilligen getragenes Projekt ins Leben gerufen, das Menschen mit geringem Haushaltseinkommen dabei berät, wie Energiekosten eingespart werden können. Heuer haben bereits über 100 Haushalte dieses Angebot gerne angenommen, sie erhalten dabei auch Energiesparartikel gratis zur Verfügung gestellt.

Der Druck am Wohnungsmarkt führt dazu, dass die Caritas Vorarlberg verstärkt ihren KlientInnen bei der Suche nach leistbarem Wohnraum unterstützt. So konnten allein in den ersten drei Quartalen in über hundert Fällen Wohnungen erfolgreich vermittelt werden. Außerdem wird derzeit ein Projekt, bei dem es um die Aktivierung leerstehender Wohnungen geht, in Angriff genommen.

Ein weiteres, sehr erfolgreiches Angebot der Caritas durchbricht die Tatsache, dass ein erhöhtes Armutsrisiko an die nächste Generation weitergegeben wird. In den fünf Lerncafés der Caritas werden Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 15 Jahren aus sozial benachteiligten Familien gezielt gefördert. Derzeit werden 161 SchülerInnen von Freiwilligen regelmäßig an den Nachmittagen bei den Hausaufgaben betreut und Freizeitaktivitäten unternommen. 97 Prozent der Kinder und Jugendlichen schafften im vergangenen Schuljahr den Aufstieg in die nächste Klasse, beziehungsweise in eine weiterführende Schule oder Lehre.

In der Wohngemeinschaft „Mutter & Kind“ werden derzeit zudem elf Mütter und elf Kinder auf ihrem Weg in ein selbständiges Leben begleitet. Insgesamt unterstützten die BetreuerInnen im heurigen Jahr bereits 35 Mütter und 45 Kinder.

Als Caritas ist es uns bei allen Angeboten ein großes Anliegen, den Menschen neue Perspektiven aufzuzeigen, langfristig Druck aus ihrer Situation zu nehmen und so Not zu lindern. Im Rahmen der „Inlandskampagne“ bitten wir dabei um Unterstützung.


  • Eine junge Mutter hält ein neugeborenes in ihren Händen. Behutsam liegt der Kopf des Babys in einer ihren Händen. Beide haben die Augen geschlossen und es scheint, als genießen sie die Situation.

  • Eine Pressekonferenz mit Verantwortlichen der Caritas sitzen gemeinsam an einem langen Tisch. Ein ORF Mikrofon ist auf Walter Schmolly gerichtet. Im Hintergrund steht ein großes Plakat.

  • Eine junge Mutter hält ein neugeborenes in ihren Händen. Behutsam liegt der Kopf des Babys in einer ihren Händen. Beide haben die Augen geschlossen und es scheint, als genießen sie die Situation.
  • Eine Pressekonferenz mit Verantwortlichen der Caritas sitzen gemeinsam an einem langen Tisch. Ein ORF Mikrofon ist auf Walter Schmolly gerichtet. Im Hintergrund steht ein großes Plakat.