„Jetzt weiß ich: ich kann es schaffen“

12.11.15 / 09:07

eine Mutter hält ihr Kinder fest in den Armen. Beide tragen ein blaues Oberteil.

Not hat viele Gesichter – auch in Vorarlberg: Im Rahmen der Novemberkampagne 2015 bittet die Caritas für notleidende Kinder, Frauen und Männer hier im Land.

Wie die Hilfe durch die verschiedenen Stellen der Caritas das Leben eines einzelnen Menschen verändert, zeigt das Beispiel der kleinen Mirjam*, geboren Ende August im Krankenhaus Feldkirch. Eine unbeschwerte Kindheit, soziale Sicherheit - dies möchte auch die Mutter des neugeborenen Babys, Nathalie M., ihren Kindern bieten. Neben der kleinen Mirjam hat sie noch zwei Söhne, vier und sieben Jahre alt. Manchmal verändert ein Schicksalsschlag das Leben plötzlich und unvermutet. Für Nathalie war es die Trennung von ihrem Mann. Sie will den „alten Zopf“ gar nicht mehr neu aufgreifen. „Er war immer wieder gewalttätig“, irgendwann in der Schwangerschaft habe ich begriffen, dass es so nicht weitergehen kann und ich auch meine Kinder schützen muss.

Sie stand völlig alleine da – ihre Familie lebt in Ostösterreich. Da möchte sie aber nicht hin, da sich ihre beiden „Großen“ in Schule und Kindergarten gut eingelebt haben und hier Freunde gefunden haben, zudem war das Verhältnis zu ihren Eltern in der Vergangenheit sehr konfliktbeladen. Eine Wohnung als alleinerziehende Mutter mit drei Kindern zu finden, ist fast unmöglich. Ein Gespräch mit Stellenleiterin Doris Müller von der Wohngemeinschaft „Mutter & Kind“ bringt für Nathalie M. ein erstes Aufatmen: Sie kann vorübergehend im Angebot Start.Wohnen einziehen, um erst mal zur Ruhe zu kommen und neue Perspektiven zu entwickeln. Eine große Erleichterung bedeutet für sie auch, dass ihr bei Behördengängen mit Rat und Tat zur Seite gestanden wird. Bis Unterhalt, Versicherung, Kinderbetreuungsgeld und Familienbeihilfe gesichert sind, braucht es unzählige Dokumente, Anträge und Abklärungen. Durch die Wohngemeinschaft, aber auch durch die Beratungsstelle „Existenz & Wohnen“ der Caritas erhält sie auch Unterstützung bei der Suche nach einer fixen Wohnung. „Unser Ziel ist es, Menschen zu befähigen und sie darin zu unterstützen, ihre Probleme zu lösen und dadurch ihre Situation zu verbessern. Wir beraten und begleiten sie dabei“, erläutert Diplom-Sozialarbeiter Markus Hupp. Dies geschieht auch durch finanzielle Überbrückungshilfen sowie Rechtsberatung. Die Caritas-Stellen arbeiten dabei Hand in Hand, um die KlientInnen möglichst effizient zu unterstützen. Nathalie M. ist jedenfalls stolz, was sie im vergangenen halben Jahr geschafft hat. „Ich stehe als ganz anderer Mensch da. Vor wenigen Monaten war ich völlig verzweifelt und habe vor lauter Sorge nächtelang nicht geschlafen. Jetzt weiß ich: Ich kann es schaffen und den Kindern ein gutes Leben bieten.“
(*Name geändert)

Jede Spende hilft!
Armut ist auch in Vorarlberg eine große Herausforderung, auch wenn sie nicht immer auf den ersten Blick sichtbar ist. Besonders alte Menschen, AlleinerzieherInnen, arbeitslose Menschen und Kinder sind davon betroffen. Schon seit Jahren verzeichnet die Beratungsstelle „Existenz & Wohnen“ alljährlich einen Zuwachs an Fällen von acht bis zehn Prozent pro Jahr. Eine wichtige Zielsetzung der Caritas Vorarlberg ist dabei, den Menschen Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen und so langfristig einen Ausweg aus der Armutsspirale zu finden. In der Caritas-Arbeit wird aber auch jeden Tag aufs Neue sichtbar: Veränderungen sind möglich. Der heutigen „VN“ liegt ein Erlagschein bei.