Helfen zu können, macht uns zu Menschen

13.11.15 / 12:59

Eine junge Mutter hält ein neugeborenes in ihren Händen. Behutsam liegt der Kopf des Babys in einer ihren Händen. Beide haben die Augen geschlossen und es scheint, als genießen sie die Situation.

Simone ist Mutter einer vierjährigen Tochter und zum zweiten Mal schwanger. Doch die Freude über das zweite Kind ist getrübt, denn nach der Trennung von ihrem Mann sucht die junge Frau verzweifelt eine Bleibe für sich und ihre Kinder. In ihrer Not wendet sie sich an die Caritasstelle „Existenz und Wohnen“ und wird dort auf ihrem schwierigen Weg begleitet, bis sie wieder ein selbständiges Leben führen kann. In den vergangenen zwei Jahren sind die Wohnungspreise in Österreich um 15, 1 Prozent gestiegen. Das trifft vor allem Menschen mit geringem Einkommen hart. Eine Gruppe, die unter der Entwicklung besonders leidet sind Ein-Eltern-Haushalte und Mehr-Kinder-Familien. Für Caritasdirektor Walter Schmolly ist das „eine soziale Wunde, mit der sich Politik und Gesellschaft nicht abfinden dürfen“. Die Caritas lindert Not unter anderem mit Überbrückungshilfen und durch das Vermitteln von günstigen Wohnungen. 2014 konnte die Caritas Vorarlberg 100 leistbare Wohnungen an von Armut betroffene KlientInnen vermitteln.

Armut ist für tausende Menschen auch hier in Vorarlberg ein Thema, das tagtäglich ihr Leben prägt. Schon seit Jahren verzeichnet die Beratungsstelle „Existenz & Wohnen“ der Caritas Vorarlberg alljährlich einen Zuwachs an Fällen von acht bis zehn Prozent pro Jahr. Allein heuer haben sich in den ersten drei Quartalen 2.103 „Fälle“ an die Beratungsstelle mit der Bitte um Unterstützung gewendet. 21 Prozent der KlientInnen, die das Angebot der Sozialberatung in Anspruch nehmen, haben ein Erwerbseinkommen, können aber von diesem ihren Lebensunterhalt nicht finanzieren. Das zeigt die zunehmende Bedeutung der „working poor“-Problematik – also jene Menschen, die erwerbstätig sind, aber dennoch in die Kategorie der „Armutsgefährdung“ fallen.

Kinderarmut in Vorarlberg
Rund ein Fünftel der Kinder im Alter von null bis 19 Jahren ist in Vorarlberg armutsgefährdet. Alleinerziehenden sind mit 3.376 Personen die größte Gruppe in Vorarlberg, die Bedarfsorientierte Mindestsicherung beziehen. „Oft sprechen Betroffene am Ende des Monats bei uns vor, weil sie schlichtweg einen leeren Kühlschrank haben und nicht mehr wissen, wie sie die Zeit bis zum nächsten Monatsersten überbrücken sollen“, erläutert der Fachbereichsleiter des Bereichs Sozialberatung/-Begleitung, Michael Natter. „Der Bedarf an kurzfristigen finanziellen Überbrückungen wächst und mit Spendengeldern aus der Inlandskampagne können wir den größten Druck aus der Situation nehmen“, so Natter weiter.