Schicksalen ein Gesicht geben

30.11.15 / 14:07

Zwei junge Buben erleuchtet auf schwarzem Hintergrund. Die Kinder strahlen und halten ein Geschenk in der Hand.

Robert Schneider, Autor und Filmemacher aus Meschach, hat sie vor die Kamera geholt: Flüchtlinge – teilweise erst vor kurzem nach Vorarlberg gekommen, teilweise schon Jahrzehnte hier lebend – erzählen, wie es ihnen in ihrer neuen Heimat geht. Die Kurzportraits sind ab 1. Dezember täglich auf der Homepage der Caritas Vorarlberg (www.caritas-vorarlberg.at/24malLeuchten), auf Vorarlberg Online (www.vol.at) und in den kleineren, heimischen Kinos zu sehen.

„Ich habe mit dem Projekt "24 x Leuchten" im Frühjahr angefangen, ohne zu wissen, was für eine Dramatik sich in der Flüchtlingsthematik im Lauf des Jahres entwickeln würde. Ich sah Bilder von Hundertschaften von Flüchtlingen an Bahnhöfen. Das hat mich gestört, denn damit wurde durch diverse Medien bewusst oder unbewusst Angst geschürt, so als würde Österreich von Flüchtlingen überrannt werden“, erzählt Robert Schneider. Seine Idee war es, den Einzelschicksalen ein Gesicht zu geben. „Ich habe 24 Menschen ausgewählt und versucht, diesen Menschen wenigstens eine Minute lang so etwas wie ihre Würde zurückzugeben, die ihnen im Krieg genommen worden war.“ Der Bogen spannt sich dabei vom "akuten" Flüchtling bis zu Frau Eleonore Schönborn, der Mutter des Kardinals, die 1945 mit drei kleinen Kindern aus der ehemaligen Tschechoslowakei flüchten musste. „Ich wollte auch zeigen, wie sich ehemalige Flüchtlinge auf großartige Weise in diesem Land integriert haben, hier arbeiten, Familien gegründet haben, ein großer Gewinn für unser Land geworden sind.“

Geschichten, die unter die Haut gehen

Robert Schneider hat sich im Vorfeld viel Zeit genommen, die Dreharbeiten wurden so sensibel wie möglich gestaltet. „Es war berührend, zu sehen, wie sich alle richtig schön gemacht haben mit dem Nichts, das sie haben, besonders die Frauen.“ Die Geschichten machen betroffen: „Ich wollte eine Ahnung von dem bekommen, was die oder der im Speziellen erlebt hat, wie die Fluchtgeschichte verlaufen ist, und so weiter. Das waren bisweilen Erzählungen, die mich anfänglich sehr deprimiert haben, mir wirklich unter die Haut gingen. Mein Gott, dachte ich oft, es könnte genau so umgekehrt sein: Ich, Robert Schneider, sitze da und gebe Auskunft darüber, wie sehr ich gedemütigt wurde, wie mein Dorf dem Erdboden gleichgemacht wurde, man meine Kinder vor meinen Augen umgebracht hat, wie im Fall des Mohamed Jalal.“