„Eine Menschheit ohne Schuldgefühle wäre eine Katastrophe“

10.12.15 / 09:28

Gruppenfoto der Referenten der 13. Caritasgespräche.

Unter dem Titel „Schuld: wenn Wesentliches ungeachtet bleibt? … Von der Verantwortung des Menschen“ diskutierten Experten und Laien bei den zwischenzeitlich 13. Caritasgesprächen im Bildungshaus St. Arbogast.

Die Caritasgespräche erfreuen sich großer Beliebtheit, auch heuer war die Veranstaltung bereits viele Wochen davor ausgebucht. „Es werden Themen aufgegriffen, die hinter den Dingen des Alltags stehen“, leitete Caritasdirektor Walter Schmolly in seiner Begrüßung in das Thema ein.

Die „Schuld“ und in Folge die damit verbundene die Verantwortung standen dieses Jahr im Mittelpunkt der zweitägigen Veranstaltung. „Schuld ist ein wichtiger Faktor in der Therapie und gleichzeitig ein großes Geschäft“, erläuterte der Chefarzt der Stiftung Maria Ebene, Primar Dr. Reinhard Haller und sprach dabei auch die Medien sowie die Therapeuten an. Gleichzeitig müsse aber auch bewusst sein, dass eine Gesellschaft, die keine Schuldgefühle hätte, eine Katastrophe wäre. Denn Schuldgefühle seien gleichzeitig auch die Chance, sein eigenes Verhalten zu modifizieren.

In seiner Arbeit als Sozialpsychologe und Psychotherapeut beschäftigt sich Dr. Klaus Ottomeyer auch sehr stark mit Gewalt- und Kriegsopfern. „Die Psychotherapie kommt oft an ihre Grenzen, wenn die Themen Schuld und Mitschuld zu einem zentralen Aspekt werden. Eine Versöhnung und Vergebung können zwar heilend wirken, in vielen Fällen sind sie aber nicht möglich und auch nicht wünschenswert.“ Auffallend aus seiner Sicht, dass die Menschen in der heutigen Gesellschaft mit der zunehmenden Freiheit oftmals überfordert sind. 

Der Theologe Dr. Fulbert Steffensky sieht Schuld und Sünde eigentlich als Würdebegriffe, die wie so vieles sprachlich missbraucht wurden. Gleichzeitig gab er zu bedenken: „Wenn alles leicht entschuldbar wäre – welchen Ansporn gäbe es dann, nicht schuldhaft zu werden?“ Der Boom an Kriminalromanen und –filmen zeige, dass das Thema wohl für uns alle ein großes ist.

Sein Fazit: „Der fehlerhafte und verletzliche Mensch, der auch immer selbst zutiefst verletzen kann, kommt aus der Schuldrage nicht heraus. Wir können aber lernen, mit Schuld zu leben – und im besten Fall ihr das entgegen halten, was sie minimiert: Antworten auf die Fragen unseres Lebens, unserer Zeit und unserer Gesellschaft zu suchen.“

Mit Spannung erwartet wurde auch das Referat des Politikers und Wirtschaftswissenschaftlers Alexander van der Bellen. „Als Politiker stellt man sich zwar mit moralischen Fragen, aber nicht unbedingt mit Schuld auseinander.“

Er ging dabei auch auf grundlegende Entscheidungen in der europäischen Union ein. „Wenn man die EU-Strukturen anschaut, muss man sich fragen, wer die Verantwortung trägt, dass sie in vielen Belangen handlungsunfähig ist.“ Irgendwo seien immer irgendwelche Wahlen, die Entscheidungen verzögern.

Das vereinte Europa ist seiner Meinung nach zunehmend „eine labile Geschichte“: „Es würde mich nicht wundern, wenn wir eines Tages sagen: Wir hatten ein vereintes Europa, aber zu wenige überzeugte Europäer.“ Damit er ruhiger schlafen könne, sei er jedoch von Natur aus Optimist. Sein Zitat gilt wohl für alle Referenten: „Man muss das Unmögliche angehen, damit es eines Tages möglich wird.“ 

  • Bei den 13. Caritasgesprächen disskutierten die Referenten mit Einbindung des Publikums das Thema Schuld. Das Bild zeigt das von hinten fotografierte Publikum und die auf der Bühne stehenden bzw. sitzenden Referenten. Geschmückt wurde der Saal mit oranger Farbe.

  • Foto vom Publikum der 13. Caritasgespräche. Sie sitzen gereiht auf Stühlen und horchen aufmerksam den Referenten zu.

  • Bei den 13. Caritasgesprächen disskutierten die Referenten mit Einbindung des Publikums das Thema Schuld. Das Bild zeigt das von hinten fotografierte Publikum und die auf der Bühne stehenden bzw. sitzenden Referenten. Geschmückt wurde der Saal mit oranger Farbe.
  • Foto vom Publikum der 13. Caritasgespräche. Sie sitzen gereiht auf Stühlen und horchen aufmerksam den Referenten zu.