Familiengeheimnis Alkohol aufbrechen

25.02.16 / 16:08

Monika Chromy unterstützt als Stellenleiterin in der Suchtberatung der Caritas in Feldkirch speziell auch Kinder aus Suchtfamilien. In „Trampolin-Gruppen“ finden diese Kinder Rückhalt und Hilfe.

 

Täglich ein Feierabend-Bier oder ein Gläschen Rotwein zum Essen: Wann ist es Genuss und wann spricht man von Sucht?  Beim Trinken von Alkohol bewegen sich viele Menschen an die Grenze zur Abhängigkeit. Doch der Übergang vom Genuss- zum Suchtmittel ist oft fließend und über die Jahre schleichend. Die Folgen sind schwerwiegend - nicht nur für den alkoholkranken Menschen. „Wohl jeder suchtkranke Mensch wird im Laufe seines Lebens von Menschen begleitet, die  ihm nahe stehen und helfen wollen“, sagt Monika Chromy, Stellenleiterin der Suchtfachstelle Feldkirch.

 

Angehörige leiden

Doch gleichzeitig sind diese Menschen - meist Angehörige – einem enormen Leistungsdruck ausgesetzt.

Süchtiges Verhalten stellt immer einen „Problemlösungsversuch“ dar, z.B. Ärger vergessen, Überforderung abwenden, Trauer überwinden, Ängste reduzieren,  Entspannung zu finden und vieles mehr. „Angehörige versuchen manchmal das Problem „Trinken“ dadurch zu lösen, dass sie den Alkohol verstecken, um das Trinken zu verhindern. Dabei übersehen sie, dass durch dieses Handeln ein weiteres Problem geschaffen wird: Sie übernehmen die Verantwortung für das (Trink)-Verhalten des trinkenden Partners. Oft versuchen sie, den Partner vor den Konsequenzen des süchtigen Verhaltens zu schützen, z.B. indem sie ihn/sie beim Arbeitgeber krank melden, Rechnungen zahlen etc. Diese Verhaltensweisen können das System des Alkoholkranken aufrecht halten und bewirken, dass für den suchtkranken Mensch keine Notwendigkeit besteht, etwas zu ändern.“ berichtet Monika Chromy.

 

Schamgefühle führen mitunter gegenüber Außenstehenden zur Verheimlichung des Problems. Dabei dreht sich das Leben von Angehörigen nur noch um das Leben des abhängigen Partners. Der Angehörige unterliegt der Gefahr, selber körperlich oder psychisch krank, z.B. depressiv zu werden.

 

Ungesunde Verhaltensmuster ablegen

Um Angehörige zu unterstützen wurden individuelle Beratungs- und Hilfsangebote entwickelt. Alle Angebote zielen in erster Linie darauf ab, das Augenmerk der Angehörigen weg vom abhängigen Menschen auf das eigene Leben zu lenken.

Eine große Herausforderung besteht darin, ungesunde Verhaltensmuster zu erkennen“, so Chromy. Denn eines steht fest: „Durch Veränderungen der Angehörigen, wie etwa die Unterlassung von Unterstützungen im Alltag, werden Betroffene auf sich selbst gestellt. Dies ist mit dem Bild des Mobiles verstehbar. Das Mobile ist ein Gebilde von mehreren zusammenhängenden Figuren. Wenn eine Figur bewegt wird, bewegen sich alle anderen Figuren auch.

 

Kinder leiden mit

Seit vielen Jahren wurde der Fokus verstärkt auf die Kinder aus suchtbelasteten Familien gelenkt. Für Kinder aus alkoholbelasteten Familien können extreme Belastungssituationen entstehen. Sie wachsen meist in einer Atmosphäre extremer Unsicherheit und Unbeständigkeit auf. So werden Versprechen oder Ankündigungen oft nicht eingehalten. Sie schämen sich für die schlechten körperlichen Zustände des alkoholkranken Elternteils, verhalten sich aber doch loyal.

Die Angst, die Eltern zu verlieren, ist groß. Sie wollen ihren Eltern helfen, können es aber nicht,“ beschreibt Monika Chromy die Situation. In „Trampolin-Gruppen“ lernen Kinder aus suchtbelasteten Familien das Thema Sucht besser zu verstehen. Hier treffen sie auch andere Kinder, denen es vielleicht ähnlich ergeht. „In  der Trampolin-Gruppe gibt es viel zu lernen, aber bei uns wird auch ganz viel gespielt, geredet und gelacht“,  so Monika Chromy.

Die Suchtarbeit ist in der Caritas Vorarlberg ist seit jeher ein wichtiges Angebot. „Wir arbeiten niederschwellig, flexibel und ohne Zwang. Die Bereitschaft, etwas zu verändern, liegt beim Klienten/bei der Klientin.“ Ziel aller Maßnahmen sei es, eine Verbesserung der Lebenssituation für Betroffene und deren Familien zu erreichen, so Monika Chromy abschließend.

 

AKTION.TROCKEN

In Zusammenarbeit mit der SUPRO – Werkstatt für Suchtprophylaxe, der Katholischen Jugend und Jungschar sowie des Vorarlberger Familienverband führt die Caritas Vorarlberg während der Fastenzeit wieder die AKTION.Trocken durch.

Infos und App zum Download: www.aktiontrocken.com

 

Kontakt:

Suchtfachstellen in Bludenz (T: 05522 200/2015), Bregenz (T: 05522 200/1700), Feldkirch (T: 05522 200/1700), Dornbirn (T: 05522 200/4022), Egg (T: 05522 200/3100), und Kleinwalsertal (T: 05522 200/4022).

E: suchtfachstelle(at)caritas.at