„Man muss sich auf die Menschen einlassen können“

14.03.16 / 14:54

Eine Dame steht für ein Portrait vor einem pinken Hintergrund. Sie trägt eine Brille und goldenen Schmuck.

Anna Kofler gibt als ehrenamtliche Hospiz-Begleiterin betroffenen Menschen das, was sie in den schwierigen Stunden des Abschiednehmens brauchen: Ein offenes Ohr, Empathie und Zeit.

Sozial engagiert war Anna Kofler aus Mäder schon immer. „Beruflich war ich im Bankgeschäft tätig, dort wurde ich regelmäßig mit Schicksalsschlägen von Familien konfrontiert.“ Der Unfalltod ihres Mannes war dann auch für sie persönlich ein einschneidendes Erlebnis in jeglicher Hinsicht: „Viele wussten nicht, wie sie mit mir umgehen bzw. sie mir begegnen sollten.

Aufgrund dieser Erfahrung nahm Anna Kofler an einem Informationsabend von Hospiz Vorarlberg teil. Ihr Vorhaben, ehrenamtliche Hospizbegleiterin zu werden, musste aber noch warten: In der eigenen Familie gab es mehrere Todesfälle und in dem Gespräch nach dem Informationsabend, wurde Anna Kofler empfohlen, zuzuwarten bis die eigene Trauerarbeit abgeschlossen ist.

Nach der Pensionierung befasste sie sich erneut mit dem Thema und startete mit dem Lehrgang. Seit Jahren  ist sie regelmäßig auf der Palliativstation Hohenems anzutreffen, zudem begleitet sie eine alleinstehende Dame im Pflegeheim Götzis, ist im Trauercafé Rankweil aktiv und übernimmt auch immer wieder Nachtdienste bei schwer kranken Menschen.

Und was muss ihrer Meinung nach ein guter Hospizbegleiter mitbringen? „Man muss vor allem zuhören können. Es geht nicht darum, gute Ratschläge zu geben, sondern darum, einfach da zu sein. In erster Linie für die zu Begleitenden, aber auch für deren Angehörige. Das entsprechende Werkzeug für die Hospizbegleitung bekommt man durch den Hospiz-Lehrgang mit.“ Anna Kofler hat die Erfahrung gemacht, dass sich Menschen meist nicht vor dem Tod, sondern vor dem, was davor ist, fürchten – gerade, wenn absehbar ist, dass sie große Schmerzen erleiden müssen. Gerade im Umgang mit demenzkranken PatientInnen erlebe sie aber auch immer wieder amüsante Begebenheiten. „Gemeinsames Lachen darf und soll auch sein.

Ausgleich finden
Anna Kofler betrachtet ihr Ehrenamt als sehr große Bereicherung. „Es ist eine wunderschöne Aufgabe und ich bekomme meist mehr zurück, als ich selbst hergebe.“ Ausgleich findet sie in der Natur oder beim Hören schöner Musik. „Und Zeit ist heutzutage etwas vom Wertvollsten, das man schenken kann.

Dem Sterben LEBEN geben – Hospiz sucht Verstärkung
Hospiz Vorarlberg startet Ende März einen neuen Einschulungs-Lehrgang für ehrenamtliche MitarbeiterInnen. Im Vorfeld findet am Donnerstag, 17. März, um 19 Uhr Haus Klosterreben Rankweil, ein Infoabend statt.  

Hospiz Vorarlberg, Maria-Mutter-Weg 2, 6800 Feldkirch,
T: 05522/200-1100  E: hospiz(at)caritas.at