Der Umgang mit bettelnden Notreisenden in Vorarlberg

14.04.16 / 12:00

Positionierung der Vorarlberger Sozialeinrichtungen Caritas, Kaplan Bonetti, ifs, Vorarlberger Kinderdorf, Dowas sowie Kolpinghaus Bregenz und Götzis.

Die beteiligten Sozialeinrichtungen gehen auf Grund ihrer Erfahrung davon aus, dass auf absehbare Zeit eine Gruppe von bettelnden Menschen in Vorarlberg sein wird. Die Entwicklungen der letzten Monate führen zur Annahme, dass diese relativ konstant zwischen 70 und 120 Personen zählen wird. Die Gruppe ist damit überschaubar groß.

Wir plädieren für einen humanen und pragmatischen Umgang mit dieser Gegebenheit, der den Notreisenden in einem geordneten Rahmen einen würdigen Aufenthalt ermöglicht und die Konfliktfelder bestmöglich entschärft. Eine humane Gesellschaft, wie Vorarlberg dies ist und sein will, definiert sich letztlich über ihren Umgang mit den Schwächsten. Die Irritation unserer Gesellschaft durch die sichtbare Armut der Notreisenden darf sich nicht gegen diese Menschengruppe entladen. Der Dialog und die Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen und NGOs in Rumänien ist wichtig, aber wir sehen in Bezug auf die bettelnden Menschen auch eine soziale Aufgabe in Vorarlberg, nicht nur ein ordnungspolitisches Problem.

 

Aus dieser grundsätzlichen Sichtweise leiten wir folgende fünf Forderungen ab:

  1.  Wie alle Menschen sind auch Notreisende mit Respekt zu behandeln. Übergriffe jeglicher Art – auch verbale – sind zu unterlassen und gegebenenfalls zu ahnden. Auch in diesem Fall gilt, dass Sprache wirkt. Wir fordern eine respektvolle Sprache in der öffentlichen Kommunikation. Das beginnt bei der unzutreffenden Bezeichnung als „Roma“-Problem. Nicht alle bettelnden Menschen sind Roma und die überwiegende Mehrheit der in Österreich anerkannten Volksgruppe der Roma hat nichts mit dem Betteln zu tun.
  2. Die Notreisenden, die sich derzeit in Vorarlberg befinden, sind im Wesentlichen Mitglieder von einigen Familien, die schon länger hierher kommen und bekannt sind. Die familiären Strukturen und die damit verbundene soziale Kontrolle und Kontinuität ist ein Vorteil. Wir halten es deshalb für sinnvoll, sich um ein Auskommen mit dieser Gruppe in einem geordneten Rahmen zu bemühen.
  3. Es muss konsequent untersagt bleiben, dass Kinder betteln oder für das Betteln verwendet werden. Idealerweise besuchen die Kinder die Schule in ihrem Heimatort – vorausgesetzt, sie können dort im Familienverband leben. Bildung ist der Schlüssel, um dem Kreislauf der Armut zu entkommen. Die Kinder, die vorübergehend in Vorarlberg sind, sollen während dieser Zeit hier gefördert werden.
  4. Voraussetzung für alles ist, dass über nachgehende Sozialarbeit Kontakt mit den Notreisenden gehalten wird. Diese informiert über die rechtlichen Rahmenbedingungen, hilft Konflikte im öffentlichen Raum zu vermeiden und gegebenenfalls zu entschärfen und bezieht die bettelnden Menschen in die Lösung der diversen Probleme und Herausforderungen ein. Damit ist vor allem auch gegeben, dass nicht nur über, sondern auch mit ihnen gesprochen wird.
  5. Die Notreisenden müssen unterstützt werden, zu legalen Unterkünften zu kommen, die basalen Bedürfnisse zu erfüllen (insbesondere Hygiene) und ihre Kinder während dem Betteln unterzubringen und ihnen Bildung zukommen zu lassen.


Ein sinnvoller Weg ist nur im Miteinander der politisch Verantwortlichen auf Landes- und Gemeindeebene mit den Sozialeinrichtungen möglich. Schnellschüsse werden mittel- und längerfristig nicht helfen. Wir leisten gerne unseren Beitrag, wenn es darum geht, einen humanen und pragmatischen Umgang mit der Gruppe der bettelnden Menschen weiterzuentwickeln.


Eine gemeinsame Medieninformation von: Caritas, Kaplan Bonetti, ifs Vorarlberg, Bregenz Kolping, Kolping Haus Götzis, Vorarlberger Kinderdorf, dowas - der Ort für Wohnungs- und Arbeitssuchende.