„Die Menschen brauchen Nothilfe, aber auch psychologische Unterstützung“

25.04.16 / 11:20

Wie ist die Lage derzeit in Ecuador?

Aktuell geht die Regierung von 587 Toten, immer noch 130 Vermissten und 8340 Verletzten aus. Außerdem werden über 25.000 Menschen in Notunterkünften gezählt.

Die Zahlen spiegeln die aktuelle Situation aber nur zum Teil wieder. Unsere Partner in der Caritas Ecuador melden, dass in vielen Orten 80 Prozent der Gebäude und Infrastruktur entweder komplett zerstört, oder so baufällig sind, dass sie abgerissen werden müssen. Viele dieser Menschen leben derzeit auf der Straße, zwischen den Trümmern und sind von Hilfslieferungen abhängig. Die sanitäre Situation gerät an ihre Grenze. Es fehlen Kloanlagen und die anhaltenden Regenfälle führen zu Überschwemmungen. Es sind noch nicht alle Toten geborgen und die Hitze trägt dazu bei, dass Gerüche teilweise unerträglich werden.

Wie haben Sie selbst das Erdbeben erlebt?

Es geht uns zum Glück gut, wir sind verschont geblieben. In Quito und Cuenca haben wir das Beben zwar sehr stark und vor allem lange gespürt. Aber im ganzen Anden- und auch im Amazonasgebiet gibt es sehr wenige Schäden. Für uns war es ein starker Rüttler (stärker als normal…), aber daran sind die Menschen hier in Ecuador gewöhnt.

Umso größer war der Schock, als dann die ersten Meldungen von der Küste kamen.

Wie arbeitet die Caritas Ecuador vor Ort?

Die Katastrophe hat in den Menschen sofort eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. In allen Orten in ganz Ecuador wird für die Opfer des Erdbebens gesammelt.

Lebensmittel, Hygieneartikel, Wasser - versehen mit Mut machenden Botschaften wie „Wir sind mit Euch“ - werden an allen Sammelstellen abgegeben. Außerdem haben sich hunderte Menschen spontan bereit erklärt, in das Krisengebiet zu fahren, um vor Ort zu helfen.

Es ist wirklich beeindruckend, was in diesen Tagen nach dem Beben alles passiert ist. Die Caritas ist hier über alle Pfarren und Pfarr-Caritas aktiv, sammelt Hilfsgüter und verteilt sie direkt in den betroffen Pfarren. Wo dies möglich ist, dienen Kirchen und kirchliche Gebäude als Notquartiere.

Was brauchen die Menschen jetzt am dringendsten?

Die Menschen brauchen in dieser ersten Phase vor allem Wasser, Lebensmittel, Hygieneartikel, Babynahrung. Die Vorbereitungen für die nächste Phase laufen bereits auf Hochtouren. Bisher kam sehr viel Hilfe direkt von der ecuadorianischen Bevölkerung. Diese wird in den kommenden Wochen jedoch logischerweise abebben.

Außerdem müssen Lösungen für Notunterkünfte und für den Wiederaufbau der zerstörten Häuser und Infrastruktur gefunden werden. Dies ist ein längerfristiger Prozess, in welchem die Menschen viel Hilfe und auch weiterhin Hilfslieferungen benötigen werden.

An diesen Lösungen arbeiten wird derzeit intensiv mit unserem Partner, der Caritas Ecuador. Konkret heißt das, dass wir in den kleinen, abgelegenen Dörfern arbeiten werden, wo die offizielle Hilfe nicht, oder zu wenig hinkommt.

Wir wollen speziell sicherstellen, dass es den Kindern und Frauen gut geht, dass sie die neben den Hilfspaketen und dem Wiederaufbau der Häuser auch psychologische Hilfe bekommen, damit die Gemeinschaften den Schrecken verarbeiten und eine positive Zukunft erarbeiten können. In diesem Bereich haben wir eine große Expertise und arbeiten schon viele Jahre mit einem Netzwerk von Expertinnen und Einrichtungen vor Ort zusammen.

Unsere Projekte in Ecuador sind Gott sei Dank nicht betroffen. Sie liegen in den Anden oder in den südlichen Küstengebieten und sind daher von der Zerstörung verschont geblieben. Die Frauenhäuser in Ecuador, mit denen wir intensiv zusammenarbeiten, haben aber bereits Anfragen erhalten, betroffene Familien aus dem Katastrophengebiet aufzunehmen. Somit werden wir hier ebenfalls einen Beitrag leisten.



Zur Person:

Marion Burger
Jahrgang: 1970
Stammt aus Lech. Ursprünglich Grafikerin, lebt seit zwölf Jahren in Ecuador und hat dort in den ersten sechs Jahren das Frauenhaus Maria Amor in Cuenca aufgebaut. Dort arbeitet sie immer noch und betreut seit sechs Jahren parallel sonstige Caritas-Projekte.

 

Caritas-Spendenkonto - Raiffeisenbank Feldkirch
KtoNr. 40.006
BLZ 37422
IBAN AT 32 3742 2000 0004 0006, BIC RV VGAT2B422
Kennwort: Erdbeben Ecuador