Der Wald heilt – auch in der Trauer

13.05.16 / 09:51

Drei Kinder stehen mit drei Erwachsenen in einem Kreis im Freien zusammen. Dabei halten sich alle am Arm.

So gerne man das auch tun würde – manchmal kann man Kindern Erfahrungen mit Tod und Trauer nicht ersparen. Wichtig ist jedoch, dass Kinder in diesen schwierigen Situationen gut aufgefangen werden. Der Wald-Trauertreff, den Hospiz für Kinder gemeinsam mit der Waldschule Bodensee durchführt, ist ein solches Angebot.

Treffpunkt Waldschule Bodensee, Freitag-Nachmittag: Julia* und Anna* sind schon vertraut. Sie freuen sich auf einen gemeinsamen Nachmittag mit Waldpädagogin Karin Müller-Vögel und den beiden HOKI-Begleitern Bettina von Siebenthal und Thomas Mast. Maja* ist da etwas schüchterner. Die Siebenjährige trauert um ihren Opa, zu dem sie ein sehr inniges Verhältnis hatte.

Ein erster Fixpunkt des Nachmittags ist für die Ankommenden ein Begrüßungsritual.
Dann geht es ab in den Wald. Karin Müller-Vögel bleibt bei einem scheinbar abgestorbenen Baum stehen. Denn auch wenn dieser auf den ersten Blick krank oder abgestorben ist, so bietet er doch wiederum Lebensraum für zahlreiche andere Tiere und Pflanzen. Den Bogen zu ihrem verstorbenen Papa oder Opa spannen die Kinder in diesem Moment nicht – noch nicht.

„Der Verlust ist an diesen Nachmittagen zwar Thema, wie lange, das bestimmen die Kinder aber selbst“, erläutert HOKI-Koordinatorin Annelies Bleil. Jedes Kind hat auch einen eigenen „Trauerbaum“ – einen ganz eigenen Platz für ihre Trauer. Als nächstes bauen die Kinder aus Ästen, Blättern und Moos einen Schutzwald. Und ganz nebenbei lernen sie, was im Leben Halt gibt. „Der Wald ist ein Heiler“, beruft sich Karin Müller-Vögel auch auf entsprechende wissenschaftliche Untersuchungen. „Waldpädagogische Mittel helfen zusätzlich Räume und Sinne zu öffnen sowie Achtsamkeit und Widerstandskraft zu erhöhen.“

Was die Waldpädagogin theoretisch erklärt, ist auch im Gesicht von Maja zu erkennen. Nach und nach blüht das Kind auf und kann zwischendurch auch herzlich lachen. „Kinder sind direkter und spontaner als wir Erwachsenen. Sie lassen ihren Gefühlen freien Lauf. Sie merken, dass sie neben der Trauer auch freudvolle Dinge zulassen dürfen“, erläutert Annelies Bleil, dass im Trauertreff für Kinder auch Spaß Platz haben darf.

Neben dem Wald-Trauertreff, der einmal pro Monat in Bregenz stattfindet, gibt es auch in Frastanz einen Trauertreff für Kinder. Die HOKI-Angebote sollen eine Unterstützung für Kinder im Pflichtschulalter sein – dabei ist es nicht ausschlaggebend, wie lange der Verlust zurückliegt. Hospiz für Kinder steht gerne für ein Informationsgespräch im Vorfeld bereit.

(*Name geändert)

Trauertreff für Kinder
Nähere Informationen und Anmeldung: HOKI – Hospizbegleitung für Kinder
T: 05522/200-3020, M: 0664/8240020, E: hospiz.kinder(at)caritas.at, I: www.hospiz-vorarlberg.at
Nächster Trauertreff in der Waldschule Bodensee: Freitag, 3. Juni, 16 bis 18 Uhr
Nächster Trauertreff in Frastanz: Freitag, 27. Mai, 16.30 bis 18.30 Uhr