„Hand in Hand“ für eine gelungene Integration in Vorarlberg

17.06.16 / 11:01

Foto: Dr. Walter Schmolly (Caritasdirektor), Harald Köhlmeier (Bürgermeister Hard, Präsident Gemeindeverband), Moawia Poostajie (Konventionsflüchtling), Landesrat Ing. Erich Schwärzler, Mag. Eugen Hartmann (Bürgermeister Innerbraz), Petra Gebhard (Rotes Kreuz), Christian Loacker (Bürgermeister Götzis)

Im Rahmen einer Pressekonferenz wurde in Hard ein Jahr nach dem Start der Integrationsmaßnahmen für Flüchtlinge eine Zwischenbilanz gezogen.


Die Entwicklung des Jahres 2015 mit der wachsenden Anzahl von asylsuchenden Kriegsflüchtlingen brachte neben den Aufgaben der Grundversorgung auch die Herausforderung einer guten Integration bleibeberechtigter Menschen mit sich. Parallel galt und gilt es nach wie vor, die Nöte der Menschen hier im Land nicht aus den Augen zu verlieren.

Gemeinsam schafften Land Vorarlberg, der Gemeindeverband sowie die verschiedenen sozialen Einrichtungen durch eine enge Zusammenarbeit Strukturen für alle im Thema involvierten Menschen. Die Gemeinden sehen in diesen Strukturen Vorteile, um künftig auch in anderen sozialen Bereichen die Zusammenarbeit zu verstärken.

 

  • So wurde die Internet-Plattform „Hand in Hand“ zum Informations- und Wissenstransfer für alle zugänglich eingerichtet (www.handinhandinvorarlberg.at),
  • in vielen Gemeinden des Landes wurden Informationsveranstaltungen mit dem Ziel, in einen Dialog mit der Bevölkerung zu treten, die Sorgen und Nöte der Menschen ernst zu nehmen und gleichzeitig den schutzsuchenden Menschen hier ein gutes Ankommen zu ermöglichen, durchgeführt.
  • Regionale Koordinationsstellen wurden aufgebaut. Sie sorgen im Auftrag der Gemeinden direkt vor Ort in den Regionen für gute Abläufe zwischen allen Beteiligten. Insgesamt sind sieben Personen bereits tätig, weitere drei Stellen werden demnächst ausgeschrieben bzw. sind geplant.

 

Freiwillige als wertvoller Teil des Netzwerks

2.500 Freiwillige, die derzeit Flüchtlinge beim Spracherwerb und im Alltag unterstützen, zeigen einmal mehr: Vorarlberg ist ein Land, in dem solche Herausforderungen gemeinsam angepackt und gute Lösungen gefunden werden.

Diese Form flächendeckender und organisationsübergreifender Zusammenarbeit ist einzigartig! „Die Vorarlberger Gemeinden sehen es als wichtige Aufgabe, die Integration von Flüchtlingen vom Tag ihrer Ankunft an aktiv zu gestalten und zu leben“, bekräftigte Harald Köhlmeier, Bürgermeister der Marktgemeinde Hard und Präsident des Vorarlberger Gemeindeverband. „Die Maßnahmen zur Bewältigung der Herausforderungen  greifen in Summe sehr gut und die eingerichteten Strukturen in der Zusammenarbeit in den Regionen sind ein gelungenes Vorbild für eine weitere Zusammenarbeit bei sozialen Aufgaben der Gemeinden.

Viele Positive Erfahrungen in seiner Marktgemeinde hat auch der Götzner Bürgermeister Christian Loacker gemacht. „Durch den vorhandenen politischen Grundkonsens zur Hilfe in der Gemeinde und die anschließenden Informationsveranstaltungen, gemeinsam mit Land und Betreiber, konnten viele Fragen und Ängste ausgeräumt werden. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass sehr viele Mitmenschen auch persönlich den Flüchtlingen eine Hilfestellung geben wollen“, nennt er das überwältigende Engagement von Ehrenamtlichen.

Ähnlich auch sein Innerbrazer Amtskollege Eugen Hartmann: „Gemeinsam werden ohne großes Aufsehen eine Menge von gemeinsamen Aktivitäten und Interaktionen initiiert. Ein Beispiel dafür sind Meetings, in welchen zuletzt die AsylwerberInnen jeweils ihr eigenes Land vorstellten und ich als Bürgermeister anschließend Einblick in die organisatorische und politische Struktur von Österreich/Vorarlberg/Innerbraz gab.“ Besonders erfreulich aus seiner Sicht, dass diese Integration ganz selbstverständlich gelebt werde.

Sprache als Schlüssel zur Integration

Caritasdirektor Walter Schmolly nutzte die Gelegenheit zum Dank an alle beteiligten Institutionen und gab einen kurzen Überblick: „2016 haben bislang 490 Flüchtlinge eine Bleibeberechtigung erhalten. Sie werden von der Caritas und vielen anderen bei ihren Integrationsbemühungen unterstützt. Es geht darum, Sprache gut zu erlernen, Schulabschlüsse nachzuholen, Bildungswege fortzusetzen, rasch eine Wohnung und Arbeit zu finden und sich ein soziales Netz zu schaffen. Das sind für diese neuen Mitbürger und Mitbürgerinnen jetzt vordringliche Aufgaben.

Gemeinsam mit allen inhaltlich Beteiligten sei so in den letzten Monaten ein Netzwerk an verschiedenen Hilfestellungen mit einer Wohnungsdatenbank, Maßnahmen zur Integration am Arbeitsmarkt sowie dem Ausbau des Freiwilligennetzes entstanden. „Auf das gemeinsam Erreichte können wir zu Recht stolz sein. Es beweist, dass der Schulterschluss, der hier vor einem Jahr an der Basis vorgenommen wurde, um die Herausforderungen zu meistern, positiv wirkt und auch Chancen aufzeigt, wie insgesamt mehr Zusammenhalt wachsen kann.

Landesrat Erich Schwärzler nannte in seinem Statement auch die aktuellen Zahlen für Vorarlberg: „Seit ein paar Monaten ist die Zahl der Flüchtlinge in Vorarlberg, welche die Grundversorgung erhalten, relativ konstant. Derzeit erhalten 3.899 Flüchtlinge mit einem laufenden Asylverfahren in Vorarlberg Grundversorgung. Davon sind 3.110 Asylwerbende, 289 anerkannte Konventionsflüchtlinge, 277 subsidiär Schutzberechtigte und 223 Personen mit humanitärem Aufenthalt.

Auch er betonte die Wichtigkeit der Sprache als Schlüssel zur Integration: „Im ersten Quartal wurden insgesamt 163 Deutschkurse durchgeführt. Rund 1.350 Asylwerbende und Bleibeberechtigte haben daran teilgenommen.

Petra Gebhard, Einsatzleiterin des Roten Kreuzes für die Flüchtlingsbetreuung in Hard sowie Moawia Poostajie, ein syrischer Konventionsflüchtling, der mit seiner Familie in Hard lebt und arbeitet, erzählten im Rahmen der Pressekonferenz ebenfalls, wie Integration im Alltag gelingt.

  • Harald Köhlmeier, Landesrat Erich Schwärzler, Eugen Hartmann, Petra Gebhard

    Harald Köhlmeier, Landesrat Erich Schwärzler, Eugen Hartmann, Petra Gebhard

  • Moawia Poostajie, Moderator Dr. Claudio Tedeschi, Christian Loacker, Harald Köhlmeier

    Moawia Poostajie, Moderator Dr. Claudio Tedeschi, Christian Loacker, Harald Köhlmeier