Neue Leitung für Suchtarbeit

24.06.16 / 13:34

Zwei Frauen mittleren Alters sitzen an einem Tisch. Sie haben beide lange schwarze Haare. Sie haben ein grünes bzw. ein graues Oberteil.

Monika Chromy arbeitet seit knapp 20 Jahren in der Suchtarbeit in verschiedenen Institutionen – auch bei der Caritas. Seit Mai hat sie die Fachbereichsleitung der Suchtarbeit der Caritas Vorarlberg übernommen.

Sie haben seit Anfang Mai die Fachbereichsleitung der Suchtfachstelle übernommen. Was hat Sie persönlich motiviert, sich für suchtkranke Menschen einzusetzen?
Monika Chromy:
Ich wollte mich immer schon für Menschen, die nicht an der Gesellschaft teilhaben können, einsetzen. Das ist sicher ein idealistischer Anspruch. Doch dieser Blick ist noch in der täglichen Arbeit da  und ist auch wichtig, denn gerade Suchtarbeit ist oftmals, gerade im illegalen Bereich,  auch Randgruppenarbeit. Inzwischen schätze ich die vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen dieser Arbeit.


Wie wird der Bereich ihre Handschrift tragen?
Monika Chromy:
Ich bin schon seit 1997 als Sozialarbeiterin im Suchtbereich in verschiedenen Institutionen im Land tätig. Ich kenne die Einrichtungen und handelnden Personen im Land. Meine Erfahrung sowie mein fachlicher Hintergrund sind eine gute Basis für meine Aufgabe. Mir sind insbesondere die ständige qualitative Weiterentwicklung wie auch die notwendige Vernetzungsarbeit wichtig.


Die Caritas engagiert sich seit vielen Jahren für suchtkranke Menschen. Kurz zu den Anfängen.
Monika Chromy:
Seit 60 Jahren ist die Caritas Anlaufstelle für Menschen mit  Suchtproblemen.  Hilfestellungen für alkoholkranke Menschen und deren Angehörige stand dabei von Anfang an im Fokus. Vor 25 Jahren wurde „H.I.O.B“, eine Kontakt- und Anlaufstelle für drogenkonsumierende Menschen, gegründet. 1998 wurde dieses noch durch das Waldprojekt, einem Arbeitsprojekt für suchtkranke Menschen, ergänzt. Weitere Meilensteine waren die Errichtung einer Wohngemeinschaft in Feldkirch, die Kontaktstelle für Essstörungen, unser niederschwelliges Substitutionsangebot in Feldkirch und auch unser Krankenhausprojekt (Beratungsprojekt für Jugendliche, welche nach massivem Alkoholkonsum ins Krankenhaus eingeliefert werden).


Was ist wichtig in der Suchtarbeit der Caritas?
Monika Chromy:
Wir arbeiten niederschwellig und ohne Zwang. Eine Beratung sollte schnell möglich sein. Ein Suchtkranke/r braucht sehr lange, bis er/sie sich Hilfe holt. Das passiert oft in einer akuten Krise und hier wollen wir rasch ansetzen, damit wir diese Krise abfangen können. Welches Angebot ein suchtkranker Mensch annimmt, entscheidet er/sie dann aber immer selber. Wir zeigen ihm/ihr Möglichkeiten auf, was sich positiv auf das Leben auswirken kann. Denn die/der Suchtkranke muss ihr/sein Leben selber in die Hand nehmen wollen  und ihr/sein Verhalten ändern, damit es in eine neue Richtung geht. Ohne diesen eigenen Antrieb funktioniert es nicht. Auch die Angehörigen selbst sind oft einem enormen Leidensdruck ausgesetzt, ihnen bieten wir ebenfalls verschiedene Hilfen an.

Beispiel Alkoholsucht. Welche Möglichkeiten gibt es, Menschen zu unterstützen?
Monika Chromy:
Die Angebote sind heute vielfältiger geworden. Galt früher die Abstinenz bei suchtkranken Menschen als einziger Weg aus der Sucht, sind heute die Reduktion des Konsums oder das kontrollierte Trinken/der kontrollierte Konsum ebenfalls Optionen. Und genau hier setzen wir an: Jede/r Mensch mit Suchtverhalte kann eine Beratung in Anspruch nehmen, egal welche Richtung der/die Betroffene dann einschlägt. Bei allen Suchterkrankungen steht dabei im Vordergrund, den Menschen eine Verbesserung ihrer Lebenssituation zu eröffnen.


Welche Herausforderungen sehen Sie in Zukunft?
Monika Chromy:
Aktuell sind Verhaltenssüchte im Vormarsch: Kauf- oder Spielsucht kombiniert mit anderen Süchten wie Alkohol oder Medikamentenmissbrauch. Solche Mehrfachbelastungen werden immer mehr zu einer Herausforderung in unserer Arbeit. Aber auch psychische  Krankheiten wie Depressionen können suchtkranke Menschen immer weiter in die Suchtspirale ziehen. Hier wollen wir verstärkt auch auf Ärzte zugehen. Das Thema „Alter und Sucht“ wird vermehrt in den Vordergrund rücken. Dank der guten Versorgung werden auch suchtkranke Menschen älter, leiden aber im Alter an Krankheiten, die mit ihrem Suchtverhalten zusammenhängen. Hier arbeiten wir mit mobilen Hilfsdiensten und Pflegeheimen zusammen. Unsere Herausforderung in der Suchthilfe ist es, immer aktuell zu bleiben und Trends zu erkennen, damit wir mit unseren Hilfsangeboten darauf reagieren können.


Zur Person:
Monika Chromy
Geboren: 20. Juli 1970
Wohnort: Feldkirch
Familie: ledig, drei Kinder
Hobbies: Reiten, Wandern, lesen