„Ich bin dankbar, hier ohne Angst leben zu dürfen“

04.10.16 / 08:25

Integration wird in Vorarlberg stark gelebt. Sehr viele positive Beispiele anlässlich des „Langen Tag der Flucht“ machten dies einmal mehr deutlich. Die Flüchtlinge nutzten ihrerseits die Gelegenheit, sich bei der Vorarlberger Bevölkerung zu bedanken.

Schauplatz Gemüsemarkt in Bregenz: Flüchtlinge aus Häusern der Caritas in Bregenz und Bregenzerwald mischen sich unter die PassantInnen des Gemüsemarkts und verteilen selbst gebackene Kekse. „Weit über tausend Kekse wurden in den vergangenen Tagen gebacken“, erzählt Annibe Riedmann, Mitarbeiterin der Caritas Flüchtlingshilfe. „Die Idee dazu kam von unseren Bewohnerinnen und Bewohnern, die sich bedanken wollten, dass sie hier in Vorarlberg Schutz, Sicherheit sowie viel Gastfreundschaft und Unterstützung erlebt haben.“ Gleichzeitig mit den Keksen wurden „Danke-Botschaften“ verteilt. „Ich bin dankbar, dass ich in Österreich in Sicherheit leben kann, ohne Angst zu haben“, schreibt beispielsweise Mohammed aus Syrien. „Ich möchte mich bei den Freiwilligen, die mir beim Deutsch lernen helfen, bedanken“, betont Hoshang, ebenfalls aus Syrien.

Was es heißt, die eigene Heimat verlassen zu müssen und nichts mitnehmen zu können, als das eigene Leben, konnten die ErstklässlerInnen der Mittelschule Dornbirn-Lustenauerstraße bei einem Workshop der youngCaritas ein klein wenig nachempfinden. Beim Fluchtspiel wurden sie spielerisch mit der harten Realität einer Flucht konfrontiert.

Einen Einser gewürfelt? Da muss Leonie entscheiden, welches einzige Gut sie für das Wichtigste hält, um es mit auf die beschwerliche Reise zu nehmen. Kleidung? Geld? Der Pass? Fotos der Familie? Leonie fällt die Entscheidung sichtlich schwer, gleichzeitig realisiert sie, dass ohne Pass die Zukunft noch schwieriger wird, als eh schon vorhersehbar. „Ich bin froh, dass ich Mittags in ein schönes Zuhause gehen kann und wir in Österreich sicher leben“, sagt sie am Ende des Vormittags nachdenklich.

„Wir erleben im Schulalltag, dass Kinder in diesem Alter glücklicherweise keine Vorstellung haben, was es bedeutet, flüchten zu müssen“, weiß Lehrerin Ursula Rotter aus Erfahrung. „Gleichzeitig merken wir aber, dass Kinder gerade in diesem Alter Vorurteile der Eltern übernehmen.“

Workshops, wie jener der youngCaritas, können hier einen sehr wertvollen Beitrag leisten, um diese auszuräumen. Begegnung stand auch im Mittelpunkt einer weiteren Veranstaltung im Rahmen des „Langen Tag der Flucht“: In der Feldkircher Marktgasse warteten Flüchtlinge mit orientalischen Köstlichkeiten auf.

Dialoggespräche
Und all jenen Menschen, die offene Fragen zur Integration von geflüchteten Menschen haben, macht die Caritas Vorarlberg ein spezielles Angebot: ExpertInnen der Caritas stehen für Gespräche im privaten Rahmen bereit. Es braucht nur jemanden, der/die einladet. Die Dialoggespräche sollen eine Gelegenheit bieten, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, mit denen man ansonsten weniger Möglichkeiten zum Austausch hat. Nicole Heim steht für Rückfragen und die Organisation unter Tel. 05522/200-1088 (E: nicole.heim(at)caritas.at) gerne zur Verfügung.