Weil Hoffnung größer als Verzweiflung ist

18.10.16 / 09:01

Es sind keine Geschichten des Scheiterns. Viel mehr Geschichten des Neuanfangs und der Hoffnung auf ein besseres Leben: Menschen, die ihre Heimat Armenien als Wirtschaftsflüchtlinge verlassen haben und nun wieder zurückkehren. Mit Unterstützung der Caritas Vorarlberg und der Liechtensteiner Regierung wird ihnen dieser Neustart erleichtert.

 

Armenien: Ein Land, geprägt von karger Landschaft, Armut, einer korrupten Regierung, den Nachwehen eines verheerenden Erdbebens im Jahr 1988 sowie dem Zerfall der ehemaligen Sowjetunion.

Aber auch ein Land mit sehr freundlichen Menschen, einem guten Schulsystem und der Hoffnung, dass die kommende Generation ein besseres Leben führen kann.

 

Rund ein Drittel der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Die offizielle Arbeitslosenzahl bewegt sich ebenfalls bei über 30 Prozent, in der Realität sind wohl noch viel mehr Menschen ohne Arbeit. Auf der Suche nach Arbeit wandern vor allem Männer nach Russland aus, in ihrer verzweifelten Lage versuchten viele Armenier in den vergangenen Jahren auch, als Wirtschaftsflüchtlinge nach Europa zu gelangen. Negative Asylbescheide oder auch fehlende Perspektiven sind oftmals Gründe, doch zurück in Armenien einen Neustart zu wagen.

 

Projekt „Migration und Entwicklung“ der Caritas Armenien

Die 25-jährige Anoush erzählt ihre Geschichte:

Sie hatte einen Armenier, der schon längere Zeit in Österreich lebt, kennengelernt und sich in ihn verliebt. Sie folgte ihm nach Österreich nach. Das junge Glück währte kurz, die schwangere Frau wurde von der Familie ihres Lebensgefährten eingesperrt, jegliche Kontakte nach Außen – auch Deutschkurse – wurden ihr strikt verboten. Auch der Pass wurde ihr von der Schwiegermutter abgenommen. Nach der Geburt ihres Töchterchens wurde sie immer öfters auch geschlagen.

 

„Eines Nachts ist mir die Flucht mit meinem Baby gelungen.“ Das Krankenhaus, das ihre Verletzungen behandelte, schaltete die Polizei ein und Anoush lebte in Folge bis zur Erledigung aller Formalitäten ein halbes Jahr in einem Frauenhaus.

„Mein großer Wunsch war es, wieder zu meiner Familie nach Armenien zurückzukehren. Aber wie sollte das gehen? Ohne Job und Einkommen?“,  erinnert sich Anoush an die damalige Zeit.

Dank des Projektes „Migration und Entwicklung“ der Caritas Armenien – finanziert von der Liechtensteiner Regierung und der Caritas Vorarlberg – konnte Anoush in Armenien wieder Fuß fassen: Sie arbeitet zwischenzeitlich als Apothekengehilfin, durch das Projekt konnte sie die Wohnung ihres Onkels, in der sie mit ihrer Familie lebt, einrichten. Zudem erhielt sie von Seiten der armenischen Caritas psychologische Unterstützung, auch eine Sozialarbeiterin stand ihr zur Seite.

 

„In den vergangenen fünf Jahren konnten wir so für fast 200 Familien die Rückkehr in ihre Heimat ermöglichen“, berichtet Lusine Stepanyan von der armenischen Caritas. „Vor ihrer Abreise verkaufen sie ihre Wohnungen und ihr ganzes Hab und Gut, zurück in Armenien stehen sie vor dem Nichts.“ Die Caritas vor Ort unterstützt die Rückkehrer unter anderem durch Ausbildungsprojekte, die fachliche Begleitung bei der Gründung von Kleinunternehmen und zinsfreie Kleinkredite. „Zahlreiche Erfolgsgeschichten bestätigen unseren Weg“, nennt sie als Beispiele ein Landwirt, dem die Caritas 30 Schafe finanziert hat und der zwischenzeitlich über 300 Schafe hat oder Frauen, die durch die Ausbildung als Friseurin oder Näherin zwischenzeitlich ihr eigenes Einkommen haben.

 

Weitere Projekte der Caritas

Weitere Projekte der Caritas, wie etwa Bewässerungsanlagen in den Dörfern verringern die Migration, zudem wird Aufklärungsarbeit geleistet, um den Menschen die Gefahren und Risiken der illegalen Migration zu verdeutlichen.

Ihren Dank richtet Lusine Stepanyan an die SpenderInnen der Caritas Vorarlberg sowie an die Liechtensteiner Regierung: „Nur durch diese Unterstützung können wir helfen!“

 

Caritas Hilfe in Armenien

Raiffeisenbank Feldkirch, KtoNr. 40.006, BLZ 37422
IBAN AT 32 3742 2000 0004 0006, BIC RV VGAT2B422

  • Caritasdirektor Walter Schmolly traf bei seinem Armenienbesuch Erzbischof Raphael Minassian.

  • Eine hohe Arbeitslosigkeit, triste Wohnverhältnisse und kaum Perspektiven – das sind Gründe, weshalb viele ArmenierInnen ihre Heimat verlassen.

  • Anoush wurde durch das Rückkehrprojekt der Caritas unterstützt. In Armenien arbeitet sie jetzt als Apotheken-Helferin, ihre Mutter betreut während dieser Zeit ihr Baby.