Caritas-Nothilfe in Haiti „greift“

09.11.16 / 09:40

Caritas-Mitarbeiter Robert Moosbrugger ist soeben von seinem Hilfseinsatz aus der nach dem Hurrikan „Matthew“ Anfang Oktober schwer getroffenen Karibikinsel Haiti zurück nach Vorarlberg gekehrt. Das Ausmaß der Zerstörung ist dramatisch. Was aber gleichzeitig Hoffnung gibt: Die nach dem Erdbeben im Jahr 2010 aufgebauten Strukturen der Caritas funktionierten auch bei dieser Naturkatastrophe.

 

Hurrikan „Matthew“ war am 4. Oktober mit voller Wucht auf die Karibikinsel Haiti getroffen. Über tausend Todesopfer sind zu beklagen, zehntausende Menschen haben ihr Zuhause verloren. Nach Angaben der UN sind 112.500 Kinder unter fünf Jahren von Unterernährung bedroht. Insgesamt sind momentan mehr als 750.000 Menschen auf Nothilfe angewiesen. So, wie in „Camp Perrin“. Pater Ellince Martyr, mit dem Robert Moosbrugger die Notversorgung der Caritas vor Ort organisierte, erzählt: „Das Medieninteresse war kurz nach Mathew groß, Hilfsorganisationen und Journalisten kamen. Aber jetzt, wo der Hurrikan vorbei ist, lässt auch die Aufmerksamkeit nach und der Fokus der internationalen Öffentlichkeit wendet sich wieder anderen Teilen der Welt zu.“

 

Dabei stehe die größere Katastrophe erst noch bevor. „In zwei, drei Monaten wird es hier eine Hungersnot geben, wenn die Menschen keine Nahrungsmittelhilfe mehr bekommen“, warnt der Pater. Mit den Ernten, die der Hurrikan zerstört hat, ist auch das Saatgut verloren gegangen, das die Bauern traditionell nach der Ernte für die nächste Aussaat zurücklegen. „Wenn Hirse, Mais und Bohnen im Januar nicht gesät werden, ist auch die künftige Saison verloren.“ Die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser ist eine zusätzliche Herausforderung.

 

Hoffnung > Verzweiflung

„Ich kann nicht zusehen, wie die Menschen hier verzweifeln. Daher gebe ich ihnen Arbeit. Wer hilft, die Trümmer wegzuräumen und die Kirche wieder aufzubauen, wird von mir bezahlt. Dann können sie sich am Ende der Woche ihr Essen selbst kaufen und das Schulgeld für die Kinder bezahlen, statt tatenlos herumzusitzen und auf Nahrungsmittelhilfe zu warten, die vielleicht gar nicht kommt. Die Haitianer sind von Natur aus nicht passiv. Es sind keine Menschen die warten und fordern. Deswegen ist es wichtig, ihnen Arbeit zu geben“, sagt Pater Ellince Martyr und schaut von der Veranda des Pfarrhauses hinüber in den Garten, der einmal schön angelegt war, mit Blumen und Bananenbäumen. Jetzt liegt da ein Berg von Schlamm und aufgehäuftem Holz. Das war einmal die Kapelle.

 

Ein großes Problem in Haiti ist auch die Bodenerosion, wie Robert Moosbrugger berichtet. „Der Hurrikan in Haiti ist auch eine ökologische Katastrophe. Das betroffene Gebiet, war eines der wenigen in Haiti, das noch etwas alten Baumbestand hatte. Neben der Wiederherstellung der Lebensgrundlagen für die Menschen, wird deshalb auch Wiederaufforstung ein wichtiges Thema für die Rehabilitationsmaßnahmen nach der Nothilfe.“ „Da Propangas sehr teuer ist, verwenden die Menschen Holzkohle zum Kochen, für deren Herstellung unzählige Bäume gefällt werden. Bäume, die sonst die Erde zusammenhalten. Durch Bodenerosion ist das fruchtbare Land schon um weite Teile geschrumpft und die Wälder waren bereits 1990 zu 98 Prozent abgeholzt.“, berichtet Robert Moosbrugger.

 

Hilfe durch Spenden

Es sind in erster Linie Hilfsorganisationen, die den Menschen in Haiti wieder Grundlagen für ihre Zukunft schaffen und ihnen Mut machen, wieder und wieder von Vorne anzufangen. Die internationale Hilfe für Haiti ist diesmal sehr bescheiden.  „Hunger ist überall präsent. Es reicht bisher einfach nicht für alle. Manche Leute suchen den ganzen Tag nach etwas zu essen und finden nichts. Und ohne Essen haben sie nicht die Kraft, zu arbeiten, um ihre Felder wieder aufzubauen und zu bewirtschaften“, berichtet Robert Moosbrugger. Als konkrete Hilfsmaßnahmen hat die Caritas Österreich 200.000  Euro zur Verfügung gestellt. Daraus werden in erster Linie Lebensmittelpakete, Hygienepakete, Saatgut und einfaches Baumaterial wie Wellblech in Haiti gekauft und an besonders schwer betroffene Familien verteilt.

 

Hilfe für Haiti
Caritas-Spendenkonto - Raiffeisenbank Feldkirch,
KtoNr. 40.006, BLZ 37422, IBAN AT 32 3742 2000 0004 0006, BIC RV VGAT2B422
Kennwort: Hurrikan Haiti

  • Mitarbeiterin bereitet Hilfspakete vor

  • Hygiene-Paket

  • Lebensmittel-Paket

  • Robert bei der Lebensmittelausgabe mit Marie Marcel Kindelis

  • Robter mit Pfarrer Ellince Martyr

  • Marie Marcel Kindelis vor ihrem zerstörtem Haus