Literaturpreis Ohrenschmaus: Siegerin kommt aus Bludenz

14.11.16 / 11:32

Über 150 Texte von Menschen mit verschiedenen Lernbehinderungen wurden beim diesjährigen „Ohrenschmaus-Literaturwettbewerb“ eingereicht. Es sind herausragende Texte von Menschen mit Beeinträchtigung, die neue Einblicke in ihr Denken ermöglichen und die Vielfalt der Literaturlandschaft bereichern. Mit Sybille Grafl, Melanie Corn und Hakan Alkis sind auch drei Literaten aus der Werkstätte Bludenz unter den PreisträgerInnen.

 

Es sind Texte zum Nachdenken und Schmunzeln, vor allem überraschen sie durch ihre Intensität und Tiefe. So, wie jener von Sybille Grafl aus Bludenz. Unter dem Titel „Sie hat sich richtig entschieden oder wir haben es zusammen geschafft!“, erzählt sie sehr berührend ihre eigene Lebensgeschichte. Es ist aber auch die Geschichte  ihrer leiblichen Mutter, die sich für das Leben entschieden hat, die ihrer Adoptiveltern, die sie von Beginn an unterstützt haben, sowie die über ihre Schwierigkeiten, die ihre Behinderung mit sich bringt. „Ich bin eine Schnatterliese“, erzählt die 38-jährige Bludenzerin, dass es ihr leicht fällt, ihre Gedanken zu formulieren.

 

Sehr beeindruckt hat ihre Geschichte offensichtlich auch die Jury, der unter anderem Felix Mitterer, Franzobel und Barbara Rett angehören. Sybille Grafl erhielt bei einer feierlichen Übergabe im Wiener Museumsquartier den Hauptpreis in der Kategorie“ Lebensberichte“. Über Ehrenpreise durften sich auch Melanie Corn und Hakan Alkis  freuen. Auch die 36-jährige Melanie Corn hat sich für ein ernstes Thema entschieden und erzählt über die Herausforderungen, die die Veränderungen in ihrer Familie und die Trauer über den Tod ihrer geliebten Mama mit sich bringen. Melanie Corn ist aber auch eine, die nach vorne schaut: Sie lebt zwischenzeitlich in einer Wohngemeinschaft und hat somit den Schritt in die Eigenständigkeit gewagt. „Das Diktieren meiner Gedanken hat mir in schwierigen Zeiten sehr geholfen.“ Hakan Alkis hat schließlich einen ganz eigenen Zugang zu Literatur. Der 25-jährige spielt gerne mit Wort-Paaren, unter dem Titel „Kopf-denken“ wurden seine Gedanken preisgegeben.

 

Die Literaten aus dem „Sprungbrett-Lädele“ der Caritas in der Bludenzer Sturnengasse sind mit Leiterin Monika Fischer ein eingespieltes Team. Sie bringt die diktierten Gedanken auch zu Papier. „Ursprünglich ging es dabei darum, dass durch dieses Diktieren von Texten der Sprachschatz der Menschen mit Beeinträchtigung erweitert und das Interesse für die Umwelt geweckt wird“, erzählt Monika Fischer. „Es ist auch für mich immer wieder spannend zu sehen, welche Meinung sie sich beispielsweise über Politik oder gesellschaftliche Themen bilden. Es zeigt mir auch, wie viel Vertrauen sie uns schenken und dabei sehr private Gedanken und Erlebnisse mit einer großen Öffentlichkeit teilen.“