Caritas-Modellprojekt macht Schule

21.11.16 / 11:07

Alexander Raggl und Klaus Girardi waren als Referenten zu einem Internationalen Netzwerktreffen nach Berlin geladen. Sie berichteten, wie sie einen Außenarbeitsplatz gefunden haben, der Freude macht und bei dem ihre Behinderung kein Problem ist.

 

„Walgau mitnand“ nennt sich ein Projekt der Caritas gemeinsam mit Unternehmen aus der Region. Menschen mit Beeinträchtigung erhalten dadurch einen Außenarbeitsplatz. Zusätzlich zu ihrem Arbeitsplatz in der Werkstätte werden Arbeitsmöglichkeiten in Betrieben angeboten, die auf ihre individuellen Interessen und Fähigkeiten zugeschnitten sind und dem Bedarf des Betriebes entsprechen.

 

Durch diese Zusammenarbeit wird die Teilhabe in einem Betrieb ermöglicht. So, wie Klaus Girardi. Er scheute sich davor, auf dem „offenen Arbeitsmarkt“ zu arbeiten, zu groß war seine Angst, dass er dort gehänselt werden würde. Dennoch wollte er etwas Neues wagen und hat in einer Gärtnerei jetzt einen passenden Außenarbeitsplatz gefunden. Seinen Arbeitsweg bewältigt er eigenständig. „Das hat mich selbstbewusster gemacht.“

 

Ähnlich auch Alexander Raggl, der Schindeln erzeugt. „Mit einem speziellen Zugmesser kann ich diese Arbeit auch vom Rollstuhl aus erledigen.“ Was ihn besonders freut, ist, dass er an seinem Arbeitsplatz sehr geschätzt wird. „Mein Chef kommt mich sogar selbst abholen.“ Als begeisterter Sportler schätzt er zudem, dass er seine Arbeit und das Training gut unter einen Hut bringen kann.

 

Hintergrund für das Projekt „Walgau mitnand“ – das auf Grund seines Erfolges übrigens mit „Bludenz mitnand“ erweitert wird – sind die Erkenntnisse der Schweizer Psychologin und Autorin Marlis Pörtner über „Personzentriertes Arbeiten“. „Dieses zielt darauf ab, dass jeder Mensch als eigenständige Persönlichkeit gesehen wird“, erläutert Waltraud Valentin, Stellenleiterin der Werkstätte Bludenz und Initiatorin von „Walgau mitnand“.

 

„Marlis Pörtner hat in ihrer langjährigen Arbeit mit Menschen mit Behinderung mit Erschrecken festgestellt, dass gerade Menschen mit Unterstützungsbedarf ihre eigenständige Persönlichkeit abgesprochen wird. Es wird der Person gesagt, was für sie gut ist und welche Ziele und `Fördermöglichkeiten´ man für sie sieht. Sie werden vielfach ein Leben lang massiv bevormundet. Das bedeutet, dass viele Personen sich nicht nach eigenen Vorstellungen entfalten können, dies führt wiederum vielfach zu Lethargie.“

 

Ernstnehmen, zutrauen, verstehen

„Personzentriert Arbeiten heißt - nicht von Vorstellungen, wie Menschen sein sollten auszugehen, sondern davon, wie sie sind und von den Möglichkeiten, die sie haben. Personzentriert Arbeiten heißt - andere Menschen in ihrer ganz persönlichen Eigenart ernst nehmen, versuchen ihre Ausdrucksweise zu verstehen und sie dabei unterstützen, eigene Wege innerhalb ihrer Möglichkeiten zu finden, um angemessen mit der Realität umzugehen.“ Entscheidend sei dabei, die Menschen weder zu überfordern, noch zu unterfordern – eben ein ausgewogenes Gleichgewicht zu finden. „Walgau mitnand“ und „Bludenz mitnand“ sind laufend auf der Suche nach Partnerunternehmen, die Menschen mit Beeinträchtigung ein passendes Arbeitsumfeld ermöglichen.

 

Kontakt:
Walgau mitnand
T: 05522/200-2300, E: walgau.mitnand(at)caritas.at

Bludenz mitnand
T: 05522/200-2100, E: bludenz.mitnand(at)caritas.at