Eine „Kleine Sonne“ mit großer Strahlkraft

30.11.16 / 15:32

Am Samstag, 3. Dezember ist „Internationaler Tag für Menschen mit Behinderung“. Ein Anlass, um auch über die Vorarlberger Grenzen hinaus zu schauen. Beispielsweise in die armenische Stadt Gyumri, wo vor etwas mehr als einem Jahr „Emils Kleine Sonne“, ein Förderzentrum für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen, eröffnet hat. Aus Vorarlberger Sicht war das ein ganz besonderes Ereignis, denn nicht nur viele Spenderinnen und Spender, sondern auch zahlreiche heimische Unternehmen unterstützten den Aufbau und die Realisierung dieser Einrichtung.

 

„Emils Kleine Sonne“ trägt durch und durch „Vorarlberger Handschrift“ und orientiert sich an den hohen Standards der Caritas Vorarlberg für Menschen mit Beeinträchtigungen. In der Vergangenheit wurden Kinder mit Behinderung oftmals als zusätzliche Belastung für die Familie gesehen. Cristina Vardanyan hat dies leidvoll erfahren: „Vahan war unser erstes Kind. Er ist mit einer schweren Beeinträchtigung auf die Welt gekommen, kann nicht gehen und ist in seiner Entwicklung verzögert. Meine Schwiegereltern gaben mir die Schuld für Vahans Beeinträchtigung“, erzählt sie verbittert. Die Ehe zerbrach, Unterhaltszahlungen blieben aus. Cristina und Vahan leben in ärmlichen Umständen. „Wir bekommen 80 Euro Unterstützung vom Staat, 300 Euro bräuchten wir aber mindestens, damit wir halbwegs über die Runden kommen.“ In ihrer Behausung ist es bitterkalt.

 

„Das Haus ist überhaupt nicht isoliert und ist in schlechtem Zustand. Vahan ist sehr oft erkältet. Dennoch bin ich froh, dass es mir ein Verwandter zur Verfügung gestellt hat und ich keine Miete bezahlen muss.“ Die junge Mutter bringt ihren Sohn jeden Tag mit dem Rollstuhl zu Fuß zur Schule. „Es hat sich hier sehr viel zum Positiven gewandelt. Vahan darf jetzt in die Schule gehen, wie alle anderen Kinder auch. Nachmittags wechselt er ins Zentrum, dort bekommt er ein Mittagessen, Therapien und hat es warm. Ich merke tagtäglich, wie glücklich Vahan dort ist.“ Dass Cristina Vardanyan ihren zwölfjährigen Sohn über alles liebt, ist in all ihren Worten und Gesten spürbar: „Gott hat sich Vahan so gewünscht und ich liebe ihn so, wie er ist.“

 

„Emils Kleine Sonne“ – benannt nach dem Feldkircher Reiseunternehmer Emil Nachbaur, der mit einer äußerst großzügigen  Erstspende den Startschuss für dieses erste Zentrum für Menschen mit mehrfacher Beeinträchtigung in Armenien gab – bietet für die Kinder völlig neue Therapiemöglichkeiten an – von Physio-, Logo- und Ergotherapie bis hin zu Kunst-, Musik- und Tanztherapien. „Es fängt schon damit an, dass sich die Kinder im Gebäude barrierefrei bewegen können. Sie lernen selbst zu essen, auf die Toilette zu gehen und das, was sie hier erleben, ist auch der Beginn einer gewissen Selbstständigkeit“, erzählt die Direktorin des Hauses, Tigranuhi Akopyan.

 

Eltern sind beispielsweise auch bei der Physiotherapie mit dabei, damit sie die Übungen auch zuhause mit ihren Kindern machen können und so den Effekt verbessern. „Wir spüren tagtäglich, wie glücklich sich die Kinder hier fühlen. Unser Zentrum ist ein großes Vorbild für andere Projekte in unserem Land und verändert die Gesellschaft: Menschen mit Beeinträchtigung werden gleich behandelt, können in die Schule gehen, eine Arbeit finden und sind so Teil unserer Gesellschaft.“ Sehr wichtig ist der Direktorin auch, dass Inklusion gelebt wird, beispielsweise durch Besuche von Ausstellungen oder im Schwimmbad.

 

Unterstützung, die Potentiale entfaltet

Das Beispiel des 18-jährigen Suren Avdalyan zeigt die nachhaltige Wirkung des Projektes: Er arbeitet inzwischen selbst als Freiwilliger in „Emils Kleiner Sonne“ mit: „Ich habe eine Gehbehinderung und wurde selbst im Zentrum gefördert. Heuer mache ich meinen Schulabschluss und werde anschließend in die USA studieren gehen.“ Für ihn ist klar: „Ohne Emils Kleine Sonne hätte ich das alles nicht geschafft. Die Unterstützung, die ich hier erhalten habe, hat meinen Ehrgeiz entfacht und wird mir dieses Studium ermöglichen.“

 

Zukunftspläne und Visonen

Direktorin Tigranuhi Akopyan hat auch weiterhin große Pläne und Visionen. „Momentan sind 75 Kinder im Zentrum untergebracht, diese Zahl wird sich 2017 auf 100 erhöhen. Im kommenden Jahr soll auch der Garten fertig gestaltet werden, damit wir diesen vermehrt nutzen können.“ In der Innenstadt von Gyumri soll weiters eine Bäckerei entstehen, in der einerseits junge Menschen mit Beeinträchtigung einen integrativen Arbeitsplatz erhalten und andererseits arbeitslose Jugendliche die Chance auf eine Ausbildung erhalten.

 

Caritas-Hilfe in Armenien
Raiffeisenbank Feldkirch, KtoNr. 40.006, BLZ 37422,
IBAN AT 32 3742 2000 0004 0006, BIC RV VGAT2B422

  • Cristina über ihren Sohn Vahan: „Gott hat ihn sich so gewünscht und ich liebe ihn so, wie er ist.“

  • In „Emils Kleine Sonne“ werden Kinder gefördert und ihr Selbstwert gestärkt.

  • Suren hat es geschafft: Trotz schwerer Gehbehinderung studiert er voraussichtlich ab kommendem Jahr in den USA.

  • Die Wohnverhältnisse in Armenien sind oft trist.