Lernen auf verschiedenen Ebenen

21.12.16 / 13:11

Es geht um Mathematik, Physik und Deutsch. Es geht aber auch um das gegenseitige Verstehen der jeweils anderen Kultur. Und es geht schließlich auch um Integration. Das Projekt „Matech“ hat einen etwas anderen Ansatz zur Unterstützung unbegleitet minderjähriger Flüchtlinge hier im Land.

 

Marlis Schedler ist die treibende Kraft hinter dem Projekt. Sie ist regelmäßig zu Gast im Haus Said – einer Wohngemeinschaft für jugendliche Flüchtlinge der Caritas in Bregenz – und gibt dort Deutschkurse. Im Kontakt zu den „Jungs“ hat sie entdeckt, wie unterschiedlich ihr Bildungsniveau ist. Sie wollte sie fördern – jene, die auf Grund der Kriegswirren in ihrer Heimat vielfach die Schule nicht besuchen konnten gleichermaßen wie jene, die schon viel Wissen mit sich bringen und hier in Österreich eine hoffnungsvolle Zukunft vor sich haben.

 

Der Idee folgte die Tat und zwischenzeitlich machen sich die jugendlichen Flüchtlinge jeden Samstag-Nachmittag von Bregenz nach Feldkirch auf, um dort in der Pädagogischen Hochschule zu lernen. Dass dies freiwillig und hoch motiviert geschieht, hat vor allem jenen Hintergrund, dass Studierende der Hochschule im Vorfeld einen spannenden Unterricht vorbereiten. Physikalische Versuche haben dort ebenso Platz im „Stundenplan“, wie Rätsel und Spiele, die das Lernen abwechslungsreicher machen. Marlis Schedler fordert aber auch: Das Gelernte der Vorwoche wird jeweils in kurzen Tests abgefragt und für jeden in einem eigenen Kompetenzenheft eingetragen.

 

„Es ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Die Jungs erhalten auf didaktisch sinnvolle Art Lernhilfe in verschiedenen Fächern, die Studierenden können sprachgerechten Fachunterricht live ausprobieren und sehen, wie wichtig es ist, neue Wörter vorzustellen und einfache Satzstrukturen zu verwenden“, erläutert Marlis Schedler, die im Hauptberuf als Dozentin an der pädagogischen Hochschule tätig ist. „Zum Erfolg des Projekts tragen die Pädagogische Hochschule, die die Räume und sämtliche Lehrmittel für den Unterricht zur Verfügung stellt und weitere Freunde des Hauses, die Tickets für die Fahrten nach Feldkirch sponsern und Lernmittel zum Üben zur Verfügung stellen und nicht zuletzt – die motivierten `Jungs´ aus dem Haus Said - bei.“

 

„Ich komme gerne hier her, es ist immer lustig und ich lerne viel“, bestätigt auch Davood, der ursprünglich aus dem Iran kommt. Für die „Jungs“ ist Marlis Schedler mehr als „nur“ Deutschlehrerin, sie ist auch Freundin und Vertraute. „Ich habe den besten Job überhaupt. Es macht mich selbst auch glücklich und zufrieden, wenn ich die enormen Fortschritte sehe“, erzählt die freiwillige Caritas-Mitarbeiterin. Und bekommt es auch von den „Jungs“ bestätigt: „Du hast mir alle Wörter gezeigt, die ich weiß“, dankte ihr beispielsweise kürzlich ein Jugendlicher. Für Marlis Schedler das schönste Kompliment überhaupt.

 

Übrigens: Alle erstellten Materialien werden auf der Website www.deutsch4alle.at/matech zur Verfügung gestellt und können auch für andere Lehrende – nicht nur im Flüchtlingsbereich – eine wertvolle Unterstützung sein.