Schritt für Schritt in die Selbständigkeit

04.01.17 / 09:21

Gernot Schabreiter lebt seit einiger Zeit in seiner ersten eigenen Wohnung in Bürs. Was für viele selbstverständlich ist, ist für ihn ein großer Schritt in die Unabhängigkeit. Begleitet wird er dabei von der Caritas, genauer von der Stelle „Leben in Selbständigkeit“, kurz LiS, die Menschen mit Beeinträchtigung ein weitgehend eigenständiges Leben ermöglicht.

 

„Jetzt kann ich endlich machen was ich will“, beschreibt der 44-jährige Bludenzer seine derzeitige Wohnsituation. Doch das war nicht immer so. Denn in der Vergangenheit hat es das Schicksal nicht immer gut mit dem gelernten Lageristen gemeint. Und nach dem Tod seiner Mutter vermisst er vor allem seinen Zwillingsbruder, der sich im Ausland ein neues Leben aufgebaut hat. So wird Gernot Schabreiter seit einigen Jahren von der Caritas Vorarlberg betreut und begleitet. Er selbst beschreibt sich als kritisch, aber pflegeleicht und erinnert sich an die erste Zeit in der Caritas: „Zuerst habe ich in einer Wohngemeinschaft mit fünf anderen Leuten zusammengelebt, aber das war nichts für mich.“ Und so machte sich seine Betreuerin Tanja Dablander auf die Suche nach einer geeigneten Wohnung: „Es ist nicht leicht, eine Wohnung für Menschen mit Beeinträchtigung zu finden, die auch leistbar ist. Gernot und ich haben viele Wohnungen angesehen, bevor wir vor zwei Jahren die richtige für ihn gefunden haben.“ Auch Gernot war begeistert von der neuen Dachgeschosswohnung und zog kurz darauf mit Sack und Pack von der WG in die eigenen vier Wände, in ein unabhängigeres Leben.

 

Frischer Wind im Alltagsleben

Seither lebt Gernot ein weitgehend selbständiges Leben. „Ich kann alles. Kochen, Wäsche waschen, aufräumen - das ist alles kein Problem. Das habe ich von meiner Mama gelernt“, so Gernot Schabreiter. Einmal in der Woche erhält er aber dennoch Unterstützung von der Caritas, die ihn beim Einkauf, bei Arztbesuchen, beim Knüpfen neuer Kontakte oder anderen alltäglichen Dingen unterstützt. „Anfangs war ich sehr kritisch, was Tanja und die anderen von der Caritas können, aber heute weiß ich, was sie alles leisten“, ist Gernot begeistert. Derzeit arbeitet Gernot in der Werkstätte Ludesch der Caritas und hilft da zum Beispiel bei Hausmeisterarbeiten mit und spielt in seiner Freizeit begeistert Tischtennis im Sportverein „I ka des“. Dennoch wünscht er sich etwas Abwechslung in seinem Leben, ein neuer Job, der frischen Wind in seinen Alltag bringen soll. Doch derzeit genießt der Bludenzer seine Weihnachtsferien bei seinem Bruder.

 

Kleine Schritte zum Ziel

„Wenn KlientInnen den Schritt in ein selbständigeres Leben wagen, sind sie anfangs sehr gefordert“, so Caritasmitarbeiterin Tanja Dablander. Plötzlich sind sie aus der betreuten Wohnform einer Wohngemeinschaft oder aus dem Elternhaus alleine in einer kleinen Wohnung, müssen ganz alltägliche Dinge selbst meistern. Von Leben in Selbständigkeit erhalten sie dabei die notwendige Unterstützung. Ist es am Anfang noch fast täglich, so pendelt sich die Hilfestellung der BetreuerInnen auf einmal in der Woche ein. „Wir begleiten unsere KlientInnen bei Behördengängen, machen Arzttermine für sie aus, oder unterstützen im Haushalt. Zusätzlich  sind wir mit dem Krankenpflegeverein oder dem Mobilen Hilfsdienst in Kontakt, wenn ihre Dienst notwendig werden sollten“, so Tanja Dablander weiter.

 

Ein selbständiges Leben

Derzeit werden 30 KlientInnen (ab 18 Jahren) in Bludenz und Dornbirn von LIS betreut und begleitet. „Unser Ziel ist, immer mehr Menschen mit Beeinträchtigung ein eigenständiges Leben zu ermöglichen, denn so kann Normalität und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gelingen“, so Julia Brändle, Leiterin von Leben in Selbständigkeit.

 

Informationen über Leben in Selbständigkeit
Stellenleiterin: Mag. (FH) Julia Brändle
T 05522 200-2050 oder 0676 884 202 050 , julia.braendle(at)caritas.at