Caritas sucht dringend leistbaren Wohnraum für einkommensschwache Familien

09.03.17 / 11:00

Die Anzahl an Menschen, die in ihrer Verzweiflung Hilfe in der Caritas Beratungsstelle „Existenz & Wohnen“ suchen, steigt Jahr für Jahr weiter an: „2016 haben wir 3.202 Haushalte mit über 6.500 betroffenen Frauen, Männer und Kindern unterstützt, ein Jahr zuvor waren es noch 2.685. Das entspricht einer Zunahme von 19 Prozent“, erläutert Christian Beiser, Leiter der Beratungsstelle „Existenz & Wohnen“. Knapp 300 Einzelpersonen, beziehungsweise Familien brauchten Unterstützung beim Thema „Wohnen“. Für sehr viele von ihnen sind die Kosten für ihre Wohnung schlichtweg nicht mehr finanzierbar – diese bringen das sprichwörtliche „Fass“ zum überlaufen.Mieten sind in Vorarlberg rasant in die Höhe geklettert und damit wird leistbarer Wohnraum immer knapper. Die Anzahl jener Menschen, die auf Grund der Entwicklung am Wohnungsmarkt Angst hat, plötzlich auf der Straße zu stehen, wird größer. Viele Menschen leiden emotional unter ihrer Ohnmacht und damit steigen auch die Anforderungen an unsere Begleitung.“

In den Wohnungsämtern der Vorarlberger Gemeinden sind laut Einschätzung der ExpertInnen der ARGE Wohnungslosenhilfe bis zu 6.000 Antragsteller vorgemerkt, die sich für eine gemeinnützige Wohnung beworben haben – davon über 2.000 mit hoher Dringlichkeit.

Die Auswirkungen der neu geregelten Bedarfsorientierten Mindestsicherung lassen befürchten, dass sich diese Situation zusätzlich verschärft. Besonders betroffen sind AlleinerzieherInnen mit ihren Kindern sowie bleibeberechtigte, geflüchtete Menschen.

Der große Bedarf treibt die Mietpreise in die Höhe:

  • Laut Berechnungen des Sozialministeriums sind die österreichweiten Mietpreise in den Jahren 2008 bis 2015 um 18 Prozent gestiegen.
  • Während die Österreicherinnen und Österreicher durchschnittlich rund 16 Prozent ihres Haushaltseinkommens für Wohnkosten ausgeben, müssen armutsgefährdete Haushalte durchschnittlich 36 Prozent ihres Einkommens für Wohnkosten ausgeben.
  • In Einzelfällen liegen diese sogar bei über 50 Prozent.

 

Immer wieder kann die Caritas erfolgreich Wohnungen an Menschen vermitteln, die oft viele Monate lang vergeblich an die Türen von VermieterInnen oder MaklerInnen geklopft hatten. „Häufig sprechen bei uns in der Beratungsstelle Menschen vor, die trotz Arbeit ihre Miete und die Kosten für Strom und Heizung nicht mehr bezahlen können“, erzählt Sozialpädagogin Angelika Ott vom Alltag in der Beratungsstelle „Existenz & Wohnen“. „Wir sind neben der Beratung immer öfter gefordert, Lebensmittelgutscheine und Hygieneartikel – gerade für Familien mit Kleinkindern – auszugeben. Das Bild vom leeren Kühlschrank ist nur zu oft harte Realität. Nur sieht das von Außen niemand.“

 

Wohnungssuche damals - heute

In der Geschichte der Caritas ist die Unterstützung von Menschen auf der Suche nach Wohnraum nichts Neues: Bereits in den 1950er-Jahren kamen Familien auf Grund von plötzlich gestiegenen Preisen in arge finanzielle Bedrängnis und konnten ihre im Rohbau befindlichen Häuser und Wohnungen aus finanziellen Gründen nicht fertigstellen. Die Vorarlberger Caritas startete damals ein Hilfsprogramm in Form einer Wohnbaudarlehens-Aktion. Aus diesem Anlass wurde auch die Haussammlung der Caritas ins Leben gerufen. Dadurch konnte rund 70 - vor allem kinderreiche - Familien im Land ein zinsfreies Wohnbaudarlehen gegeben und die Familien vor Wohnungslosigkeit bewahrt werden.

 

Caritasdirektor Walter Schmolly: „Wenn wir heute diese Solidarität der Vorarlberger Bevölkerung in Erinnerung rufen, dann tun wir das in der Zuversicht, dass diese auch heute wieder zum Tragen kommt.“ Gegenwärtig werden von unterschiedlicher Seite wöchentlich Ideen präsentiert, was zu tun wäre, um die Situation zu entschärfen. „Das ist gut und recht“, so Caritasdirektor Walter Schmolly, „hilft aber nicht denjenigen, die aktuell auf Wohnungssuche sind und nichts finden, weil die Mietkosten schlichtweg über ihren finanziellen Möglichkeiten liegen. Deshalb bitten wir Menschen, die verfügbaren Wohnraum besitzen, sich zu überlegen, ob sie diesen nicht einkommensschwachen Familien zu leistbaren Konditionen anbieten können und wollen.“

Dringend gesucht

Dringend gesucht werden abgeschlossene Wohneinheiten (mit Bad und Kochgelegenheit/Küche) ab 25 Quadratmeter, die den Kriterien der Vorarlberger Wohnbeihilfe entsprechen (maximaler Mietpreis: 6,90 Euro/Quadratmeter brutto, incl. allgemeinem Betriebskostenanteil). Die Caritas stellt den Kontakt zu Einzelpersonen und Familien her, die dringend auf leistbaren Wohnraum angewiesen sind. Zudem unterstützt die Caritas die Phase des Einzugs und steht als Ansprechstelle zur Verfügung.

Kontakt

Caritas Wohnraumvermittlung

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