„Die familiäre Seite von Vorarlberg“

25.04.17 / 14:43

Die Dornbirnerin Ulrike Haßler koordiniert das MentorInnenprojekt der Caritas Vorarlberg. Mit großem Engagement unterstützt sie dabei unbegleitete minderjährige Flüchtlinge auf ihrem Weg, in Vorarlberg Fuß zu fassen.

 

Was bietet das MentorInnenprojekt der Caritas Vorarlberg für die jungen Flüchtlinge?

Ulrike Haßler: Für die jungen Flüchtlinge sind  MentorInnen Unterstützung und eine große Bereicherung zugleich. Da die Jugendlichen ohne Eltern nach Österreich gekommen sind, fehlt ihnen der familiäre Anschluss. MentorInnen sind Bezugspersonen außerhalb der Wohngemeinschaft mit denen sie gemeinsam etwas unternehmen, einen Einblick in unsere Kultur und Lebensweise bekommen. Sie kommen aus ihrem Alltag heraus, öffnen sich mehr und mehr gegenüber der neu gewonnenen Vertrauensperson, sie blühen richtig auf. Der regelmäßige Kontakt ist  auch für die Mentorinnen und Mentoren etwas ganz Besonderes, es sind schon Freundschaften weit über das Projekt hinaus entstanden.

 

Seit einem Jahr sind Sie für das MentorInnenprojekt der Caritas zuständig. Was bedeutet für Sie diese Aufgabe?

Ulrike Haßler: Ich schätze an dieser Arbeit die Vielfalt. Ich werde und wurde reich beschenkt durch die vielen Begegnungen und Gespräche. Es sind die Menschen, die diese Arbeit so einzigartig machen: Die Jungs aus den Wohngemeinschaften, die Mentorinnen und Mentoren und die Teams der Caritas die sich mit viel Engagement und Herz für eine gelingende Integration einsetzen. Es ist einfach schön, ein Teil davon zu sein.

 

Welche Rückmeldungen kommen von den Mentoren?

Ulrike Haßler: Viele MentorInnen berichten mir, dass sie durch das Projekt nicht nur helfen konnten, sondern selber auch reich beschenkt wurden. „Ich hätte nie gedacht, was das Projekt mit mir macht – es ist eine Bereicherung für die ganze Familie - ich habe es noch keine Sekunde bereut“ sagte einmal ein Mentor zu mir. Sehr schön fand ich auch, als ein Junge nach einem Treffen mit seinem Mentor zurückkam und ein Lied von „Krauthobel“ im Dialekt sang.

Es ist zwar nur ein kleines Beispiel, aber es zeigt mir, wie sich mit einfachen Dingen Beziehungen gestalten lassen.

 

Welche Eigenschaften sollte ein Mentor/ eine Mentorin mitbringen?

Ulrike Haßler: Ich glaube, die wichtigste Eigenschaft ist, die Bereitschaft sich auf Jugendliche einzulassen. Daneben braucht es Zeit und auch das Interesse an anderen Kulturen. Es ist etwas Besonderes einen Jugendlichen zu begleiten, befindet er sich doch in einer wichtigen Phase seiner Entwicklung. Da gibt es manchmal auch Rückschläge, welche dann so gut wie möglich auch mitgetragen werden sollen. Die MentorInnentätigkeit ist auf jeden Fall sehr vielseitig und hängt vom Einzelfall ab.

 

Welche Aufgabe übernehmen Sie als Koordinatorin?

Ulrike Haßler: Ich sehe mich als Bindeglied zwischen den jungen Flüchtlingen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Wohngemeinschaften und den Mentorinnen und Mentoren. Es ist sehr wichtig, dass die Mentorinnen und Mentoren wissen, dass hinter dem freiwilligen Engagement jemand ist, der neben den Teams Verantwortung übernimmt und ihnen zur Seite steht.

Funktioniert das Verhältnis nicht, kann es jederzeit gelöst werden.

 

Ein abschließender Wunsch?

Ulrike Haßler:  Es wäre sehr schön, wenn jedem unbegleiteten minderjährigen Flüchtling eine Mentorin oder ein Mentor zur Seite steht und so die jungen Menschen, Vorarlberg von einer familiären und privaten Seite erleben, spüren und kennenlernen dürfen. Das ist eine riesige Chance für die Integration.

Wir freuen uns aktuell über 34 Mentoren, die ehrenamtlich tätig sind.

 

 

Zur Person:

Ulrike Haßler
Wohnhaft: Dornbirn
Familie: verheiratet, drei erwachsene Kinder

 

 

MentorInnenprojekt der Caritas Vorarlberg

Infos:
Ulrike Haßler, Koordinatorin für Mentoren
T 0043 676 88 42 07 914  E ulrike.hassler(at)caritas.at