„Von der Aktivierung zur Ermächtigung“

02.05.17 / 14:01

Auf Einladung der Caritas Vorarlberg thematisierten VertreterInnen von Politik, Behörden, Sozialeinrichtungen und Unternehmen gemeinsam mit Soziologin Dr. Claudia Globisch sowie Bildungsforscher Mag. Kurt Schmid bei einem Experten-Hearing im Dornbirner WIFI Wege, Menschen aus der Bedarfsorientierten Mindestsicherung in den (ersten) Arbeitsmarkt zu führen.

 

Im April hat die Vorarlberger Landesregierung die Neuregelung der Bedarfsorientierten Mindestsicherung beschlossen. Die Verordnung, in der die Details geregelt werden, soll demnächst in Begutachtung gehen. Das ist die faktische Seite. Die menschliche Seite thematisierte die an der Universität Innsbruck tätige Soziologin Claudia Globisch in ihrem Kurzreferat. Für eine umfassende Studie führte sie ausführliche Interviews mit BezieherInnen der Bedarfsorientierten Mindestsicherung – kurz BMS. „Ich sitz ja nicht einfach nur da und sage, ich tauge eh nicht mehr, dich will sowieso keiner. Aber dann sehe ich, für mich gibt es keine richtige Perspektive. Leider“, so einer der Befragten. Eine andere Interviewpartnerin erzählt: „Ich war vorübergehend besachwaltet. Ich habe es geschafft, dass ich da wegkomme. Aber jetzt kriege ich keine Chance, um zu beweisen, dass ich selbst klar komme. Dabei habe ich immer gesagt, dass ich nicht vom Sozialamt leben möchte, ich möchte mein eigenes Geld verdienen.“

 

„Von einer sozialen Hängematte haben wir in unseren Ergebnissen nichts festgestellt“, betont Claudia Globisch. „Die Leute sind sehr aktiv, die Frage ist aber, ob sie auch für den Arbeitsmarkt aktiviert werden können.“ Als Beispiel nennt sie das der allein erziehenden Elternteile, die zwar enorm viel leisten, am Arbeitsmarkt aber oft schlechte Chancen haben. Mangelnde Kinderbetreuungsmöglichkeiten und ein fehlendes soziales Netzwerk sind gerade im ländlichen Raum nach wie vor ein großes Problem und stellen somit eine Herausforderung für eine erfolgreiche Integration in die Erwerbsarbeit dar.

 

Die Mindestsicherung werde von den meisten Befragten als Autonomieverlust gesehen – Themen dabei sind soziale Ausgrenzung, das Fehlen von längerfristigen Planungshorizonten, die Abhängigkeit von der Sozialverwaltung oder auch fehlende Beziehungsnetze, die oftmals entscheidend wichtig sind, um einen Arbeitsplatz zu finden. Im Blick auf die zentrale Frage, wie Aktivierungsmaßnahmen in der Mindestsicherung wirken, beschreibt Frau Globisch dass unterschiedliche Typen von MindestsicherungsbezieherInnen mit der Aktivierung auch sehr unterschiedlich umgehen.