Spaziergang durch öffentliche Räume

07.07.17 / 10:09

Unter dem Motto „Wem gehört die Stadt?“ luden die Caritas und die Kaplan Bonetti Sozialwerke zu einem Spaziergang zu öffentlichen Plätzen in Feldkirch. Eva Lingg, Dozentin an der FH St. Gallen, die Feldkircher Sozialplanerin Natalie Wojtech, Stadtplaner Gabor Mödlagl und der Leiter des Caritas Cafés, Peter Wieser, sorgten mit ihren Inputs bei den knapp 80 TeilnehmerInnen für spannende Erkenntnisse.

 

Bettelnde Menschen am Gehsteig, spielende Kinder in der Grünanlage, SeniorInnen auf der Parkbank, Obdachlose in der Unterführung – sie alle nutzen den öffentlichen Raum und prägen sein Bild. Doch wem gehört der öffentliche Raum wirklich, wer darf ihn zu welchen Zwecken nutzen? „Wir sollten den öffentlichen Raum alle nutzen können. Dies zu gewährleisten ist die Aufgabe der verschiedenen Akteure aus Politik, Verwaltung und Planung“, so Eva Lingg. Beispiel Bahnhof: Einerseits ist dieser Visitenkarte für die Stadt, andererseits Treffpunkt für Menschen am Rand der Gesellschaft. „Ein ganz spezieller Ort, da er viele verschiedene Bedeutungen hat: Ort des Transits und des Wartens, des Aufenthalts und des Treffens, Ort der Hilfe, des Konsums und so weiter. In vielen neuen Bahnhofsplanungen steht die Bedeutung als Treffpunkt – gerade für Personengruppen, die in besondere Weise auf diese Orte angewiesen sind – an allerletzter Stelle."

 

Weitsicht zeigte auch der Jesuitenorden, als er beim Verkauf des „Reichenfelds“ an die Stadt Feldkirch als Bedingung die Nutzungsmöglichkeit als öffentlicher Raum zur Voraussetzung machte. Die Sozialplanerin der Stadt Feldkirch, Natalie Wojtech, bezeichnete die Grünflächen als „großer Schatz für die Stadt, Familien und Studenten“, der auch künftigen Generationen als Naherholungsraum erhalten bleiben soll. Beim nächsten Halt in der Marktgasse schilderte Peter Wieser vom Caritas Café seine Beobachtung, dass „Nutzungseinschränkungen für anders Denkende und anders Nutzende“ zunehmen und nannte das Bettel- oder Campierverbote als Beispiel. „Es ist der Versuch, Armut und soziale Probleme auf diese Weise unsichtbar zu machen.“ Stadtplaner Gabor Mödlagl präsentierte schließlich am Bahnhof die Pläne für das neue Bahnhofsquartier. Hier deponierten Veranstaltungsteilnehmer den Wunsch, in der Planung auch gemeinnützigen Wohnraum zu berücksichtigen. „Ich sehe ein zunehmendes Interesse seitens der Planenden, sich mit gesellschaftlichen Themen zu beschäftigen“, beschreibt Eva Lingg eine positive Entwicklung. „Ob und wie verschiedene Gesellschaftsgruppen weiterhin an den Bahnhöfen sichtbar bleiben dürfen, kann als Spiegel dafür gesehen werden, wie heute mit Nutzer- und Nutzungsvielfalt umgegangen wird; wie wichtig sie der Mehrheitsgesellschaft sind oder auch, wie man sich ein Zusammenleben miteinander vorstellt.“ Für reichlich Diskussionsstoff beim Ausklang im Caritas Café war durch die vielfältigen Denkanstöße jedenfalls gesorgt.