Drei Fragen zur Dürrekatastrophe in Äthiopien

27.07.17 / 10:15

Viele Regionen Ostafrikas sind derzeit von einer extremen Dürre betroffen. Allein in Äthiopien – einem Partnerland der Caritas Vorarlberg – sind 7,8 Millionen Menschen von Hunger bedroht. Auch hier gilt: Wer schnell hilft, hilft doppelt. Harald Grabher ist mitverantwortlich für die Koordination der Hilfsmaßnahmen.

 

Wie ist momentan die Lage in den Hungergebieten Äthiopiens? Hat sich die Lage etwas entschärft?

Harald Grabher: Die meisten Gegenden im Boranaland im Süden Äthiopiens, in denen wir arbeiten, haben in der letzten Regenzeit maximal drei Regentage verzeichnet. Kurzfristig hat dieser Regen für etwas Erleichterung gesorgt, zwischenzeitlich ist die Dürre aber mit voller Wucht zurückgekehrt. Nahrungsmittel und Trinkwasser sind seit Monaten knapp, deshalb sind die Menschen vor Ort weiterhin auf Nothilfe angewiesen. Auch für die Nutztiere der Bauernfamilien, die die Lebensgrundlage für die Menschen sind, ist die Situation äußerst prekär. Tausende Tiere sind bereits verendet oder mussten notgeschlachtet werden.

 

Wie hilft die Caritas Vorarlberg schwerpunktmäßig vor Ort?

Harald Grabher: Wir haben schon im März dieses Jahres mit unserem Hilfsprogramm gestartet. Neben der akuten Nothilfe ist es uns wichtig, auch Maßnahmen zu setzen, die längerfristig positive Auswirkungen auf die Lebensgrundlagen der Menschen haben. Hier haben wir ein „Cash for Work“-Programm für 1.150 Familien gestartet. Je ein Familienmitglied hat die Möglichkeit, etwa beim Bau von Wasserrückhaltebecken für Regenwasser oder bei der Kultivierung von Weideflächen mitzuarbeiten und bekommt dafür einen fairen Lohn. Durch dieses Einkommen können die Familien wiederum die notwendigsten Nahrungsmittel kaufen. Gleichzeitig werden Weiden und Wasserbecken für die Zeit nach der Dürre vorbereitet. Ein weiteres Beispiel ist unser Schulausspeisungsprogramm für 1.270 Kinder in der Borana-Zone. In der derzeitigen Situation ist dieses Schulessen meist die einzige Mahlzeit, die die Kinder täglich bekommen.

 

Wie kommen Spenden aus Vorarlberg an? Was kann jeder einzelne Spender, jede einzelne Spenderin bewirken?

Harald Grabher: Mit einer Spende von 60 Euro kann beispielsweise einer Familie über die schwierigste Zeit der Dürre geholfen und die Voraussetzungen geschaffen werden, dass ihr Leben wieder normal weitergehen kann, sobald die ersehnten Regenfälle eintreten.

 

 

Harald Grabher ist seit sechs Jahren für die Caritas Vorarlberg tätig und ist dort für Auslandsprojekte in Äthiopien und Mosambik verantwortlich. Zuvor hat er für andere Hilfsorganisationen in Tansania, Mosambik und Pakistan gearbeitet. Er ist überzeugt: „Es ist gut und wichtig für mich zu erkennen, dass wir alle gemeinsam einen Beitrag leisten können, Leid und Hunger in Äthiopien zu vermindern und die Lebenssituation der Menschen zu verbessern.“