Sterbebegleitung ist Lebensbegleitung

07.09.17 / 07:54

„Frisch“ in Pension verfügte die Bregenzerin Irmgard Mader vor rund fünf Jahren plötzlich über mehr Freizeit, die sie sinnvoll gestalten wollte. Auf der Suche nach einem Ehrenamt mit Sinn stieß sie auf Hospiz Vorarlberg und begleitet seither schwerkranke und sterbende Menschen in ihrer letzten Lebensphase. 

Inzwischen hat die dreifache Mutter und zweifache Großmutter schon einige Frauen und Männer in ihrer letzten Lebensphase begleitet. Die Entscheidung, sich in ihrer Freizeit um schwerkranke, sterbende oder einsame Menschen zu kümmern, fällt die engagierte Hospizbegleiterin ziemlich rasch und schon wenige Tage darauf startet sie mit dem von Hospiz angebotenen Befähigungskurs. „Dieser Lehrgang war sehr gut und eine tolle Schulung in jeder Weise. Er hat mir auch persönlich sehr viel gebracht. Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt, alle mit demselben Fokus, was es leicht machte, ins Gespräch zu kommen. Noch immer profitiere ich von diesen Bekanntschaften, manche von ihnen treffe ich auch privat“, so die 65-jährige gelernte Diätologin. 

Einsamkeit

Ihre erste Begleitung machte Irmgard Mader bei einer alten Dame, die bereits schwer dement war. „Die Frau war ganz alleine, ihre Familie lebte in Wien und kam nur selten zu Besuch. Zwei Jahre lang verbrachte ich regelmäßig viel Zeit mit ihr. Manches Mal waren Gespräche möglich, manches Mal erkannte die Patientin mich gar nicht mehr. Es war meine erste richtige Erfahrung mit der Krankheit Demenz und die Frau ist mir sehr ans Herz gewachsen“, so die engagierte Bregenzerin.

Eine der wichtigsten Aufgaben der HospizbegleiterInnen ist es, einfach da zu sein und den Menschen das Gefühl zu geben, dass sie wichtig und nicht alleine sind. "Ich begleite Menschen über einen längeren Zeitraum genauso wie Menschen, die sterbend sind." Wichtig ist, die verbleibende Zeit der Patientinnen würde- und liebevoll zu gestalten. „Es ist für mich ein Privileg, in diesen sehr persönlichen letzten Minuten dabei sein zu dürfen“, so Irmgard Mader.

Gemeinsam lachen

Doch neben diesen sehr emotionalen Momenten ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit, bleibt auch der Humor nicht auf der Strecke. Irmgard Mader berichtet von einem schwer demenziellen Mann, der sterben und sehr unruhig war und kaum im Bett gehalten werden konnte. „Irgendwann habe ich begonnen, ihm etwas vorzusingen und erinnerte mich an das eine oder andere Lied noch aus meiner Kindheit. Allerdings fiel mir immer nur die erste Strophe ein, was den Patienten dazu veranlasste zu fragen, ob ich denn auch einmal eine zweite Strophe singen könnte“, schmunzelt sie. Gesagt – getan. Zuhause recherchierte Frau Mader in der Folge sämtliche zweiten Strophen und gab diese bei ihrem nächsten Besuch zum Besten. Die Antwort des Patienten ließ nicht lange auf sich warten: „Danke für die Vorführung“.

Eine andere sterbende Patientin betreute sie nachts zuhause, damit ihr Mann einmal ruhig schlafen konnte, da sie auch nachts immer wieder Hilfe brauchte. „In der Nacht ist sie dann auch aufgewacht und sagte zu mir ‚Mein Gott, sie sitzen ja immer noch da. Da sollte ich ja noch einen Leserbrief schreiben, wenn ihr bei der Hospiz alles macht!`.“

Für Irmgard Mader sind alle diese Erfahrungen besonders wertvoll und geben ihrem Leben einen tieferen Sinn. „Ich finde soziales Engagement sehr wichtig, auch wenn es manches Mal anstrengend sein kann. Aber das ist Wandern oder Bergsteigen auch.“

 

 

Befähigungskurs 2018

Hospiz Vorarlberg ist laufend auf der Suche nach Menschen, die ehrenamtlich schwerkranke und sterbende Menschen auf ihrem letzten Lebensweg begleiten.

Im Jänner 2018 startet daher der nächste Befähigungskurs für HospizbegleiterInnen.

Nähere Informationen erhalten Sie bei Barbara Geiger, T 05522-200 1100 oder unter barbara.geiger(at)caritas.at

Buchtipp:

Übrigens: Irmgard Mader hat ein ganz besonderes Buch zu ihrem ehrenamtlichen Einsatz als Hospizbegleiterin geschrieben. In dem im Hecht-Verlag erschienenen Buch schildert sie ganz authentisch ihre Erfahrungen in der Sterbebegleitung und ganz konkret mit einer Bewohnerin.

„Ich mag Sie, Frau Doktor!!

Autorin: Irmgard Mader