Offen sein für das, was die Zukunft bringt

07.09.17 / 15:20

Hussam Al Alo ist ein sehr ruhiger, besonnener Mensch. Wenn er von seinem Leben erzählt, erkennt man schnell, wie vielseitig talentiert er ist. Als syrischer Flüchtling nach Vorarlberg gekommen, hat der 33-jährige rasch erkannt, dass das Erlernen der Sprache sowie Offenheit entscheidende Schlüssel für die Integration in der neuen Heimat sind.

Zu Besuch in der Werkstätte Nofels der Lebenshilfe Vorarlberg. Dort arbeitet Hussam Al Alo im Rahmen des Freiwilligen Integrationsjahres jeweils 20 Stunden die Woche. Und er ist ein beliebter Mitarbeiter – mit viel Geduld und Hingabe bei der Arbeit mit und für Menschen mit Beeinträchtigungen. Ja, das Freiwillige Integrationsjahr, habe ihm sehr viel gebracht, erzählt Hussam Al Alo. „Wir haben sehr viel gelernt – vom Erste-Hilfe-Kurs über Bewerbungstrainings, viele Deutsch-Stunden und über die Kultur Vorarlbergs.“ Auch die Arbeit in der Lebenshilfe sei für ihn eine sehr wichtige Zeit, erzählt der gebürtige Syrer, der in seiner früheren Heimat englische Literatur studiert hat. Einzig schwierig ist für ihn der Vorarlberger Dialekt: „Aber auch da habe ich schon einiges dazu gelernt“, lacht der sympathische Mann.

Hussam Al Alo, der mit seiner Frau in Feldkirch lebt, ist unendlich dankbar für die Unterstützung, die sie hier erhalten haben. „Wir haben zwischenzeitlich einen großen Freundeskreis, was uns sehr freut. Es haben uns auch viele Menschen geholfen, beispielsweise bei der Suche nach einer Wohnung oder beim Einrichten.“ Auf die Frage nach seinen Hobbys verweist Hussam Al Alo ebenfalls auf einen Freund der Familie, der ihm inzwischen Klarinette beibringt. Diese enorme Hilfsbereitschaft, die der „Neo-Vorarlberger“ tagtäglich spürt, ist die eine Seite der Medaille. Doch es gibt auch die andere: Menschen, die den leeren Sitzplatz im Zug oder Bus neben ihm meiden, Menschen, die bewusst auf Distanz gehen. „Wenn ich das spüre, fühle ich mich selbst auch nicht mehr so wohl.“

Voneinander lernen …

Wenn er die syrischen Traditionen mit denen in Vorarlberg vergleiche, finde er auffallend viele Ähnlichkeiten. „Wir feiern einerseits unsere Bräuche und Traditionen, feiern aber auch mit den österreichischen mit“, kann er darin nur Vorteile erkennen. Klar, es gibt auch Unterschiede: So war Hussam Al Alo anfangs überrascht, dass in Vorarlberg beispielsweise Frauen und Männer dieselben Freibäder nutzen. Seine Zukunft sieht er in Vorarlberg. Längerfristig träumt er davon, im IT-Bereich tätig zu sein. „Mein Wunsch ist es, eine entsprechende Ausbildungsstelle zu finden, vielleicht sogar auf diesem Weg?“

 

Freiwilliges Integrationsjahr:

Zwölf Männer und vier Frauen haben im vergangenen Jahr in verschiedenen sozialen Einrichtungen und bei Gemeinden praktische Erfahrung gesammelt. Im Rahmen des Freiwilligen Integrationsjahres waren die asylberechtigten und subsidiär schutzberechtigten Menschen unter anderem in Senioren- und Pflegeheimen, bei der Caritas und beim Institut für Sozialdienste, in der Offenen Jugendarbeit, bei der Lebenshilfe Vorarlberg sowie im sozialen Bereich von Städten und Gemeinden tätig, einmal wöchentlich war Seminartag. Die Soziale Berufsorientierung Vorarlberg (SBOV) betreute in Kooperation mit dem Vorarlberger Gemeindeverband, dem Land Vorarlberg und dem AMS dieses freiwillige Integrationsjahr für bleibeberechtigte Flüchtlinge im Sozialbereich.