Von den Jüngsten lernen

07.09.17 / 15:33

In der Werkstätte Bludenz ist mit Getzner‘s “Buntstiftle“ auch eine Kinderbetreuungsgruppe untergebracht. Ein selbstverständliches Miteinander von Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen, von Kleinkindern und Erwachsenen ist für alle Seite ein Gewinn und bewährt sich. Eben ein Miteinander ohne Hürden.

Es fügt sich gut, dass die Gruppe „Vielfalt“ der Werkstätte Bludenz und die Buntstiftle Spielgruppe Tür an Tür liegen, denn es gehört bereits am Morgen zum Ritual, dass der kleine dreijährige Bedir seinem Freund Bilal aus der Werkstätte einen Besuch abstattet. Gruppenleiterin Melanie Beiter meint die einzigartige Verbindung zwischen Bilal (31) und Bedir (3) wäre der Natürlichkeit, Neugierde und Offenheit des Jungen zu verdanken. „Bedir war von Anfang an begeistert von Gebärdensprache und unterstützter Kommunikation.“ Für Bilal ist der gemeinsame Mittag mit Bedir und neuerdings auch dessen Familie das Highlight des Tages.

Es war die gemeinsame Muttersprache, die die beiden anfangs zusammengebracht hat, denn Bilal hat den damals fast ausschließlich türkisch-sprechenden Zweijährigen besser verstanden und reagierte von Beginn an positiv auf ihn. Auch Bedir genoss die Freude des 31-Jährigen ohne Vorbehalte vor dem jungen Mann im Rollstuhl zu zeigen. „Kinder reagieren anfangs etwas befremdlich und verängstigt, der Umgang mit den Menschen mit Beeinträchtigung ist nach kurzer Zeit kein Thema mehr. Beide Gruppen nehmen einander natürlich wahr, lernen aufeinander zu achten und zaubern uns und einander jeden Tag ein Lächeln auf die Lippen.“ erklärt Buntstiftle-Leiterin Silke Wachter, „die Erwachsenen bauschen dies auf“.

Auch Bedirs Vater Alattin war anfangs skeptisch. „Er hatte bisher noch wenig Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigung“, schildert Werkstätte Bludenz Stellenleiterin Waltraud Valentin. Inzwischen haben sich die Vorbehalte der Eltern um 180 Grad gewendet, sie selbst besuchen Bilal regelmäßig, lesen ihm türkisch vor, übersetzen bei Bedarf auch gerne.

Im Herbst kommt Bedir in den Kindergarten. Seine Zeit bei den “Buntstifte“ endet zwar, die aufgebauten Freundschaften zwischen den Werkstätte MitarbeiterInnen und der Familie jedoch keineswegs. Bedir und seine Familie besuchen die Werkstätte Bludenz nun so oft sie können, essen gemeinsam zu Mittag und verbringen Zeit mit den so lieb gewonnen Menschen. Bedirs Offenheit, seine Neugierde und seine kindliche Voreingenommenheit haben Brücken geschlagen die über kulturelle und soziale Grenzen hinausgehen und alle Beteiligten, ob Kind, Mensch mit Beeinträchtigung oder Erwachsene überrascht und bereichert. „Solche Erfahrungen sind eine echte Chance für Eltern, denn Kinder wachsen ganz natürlich in solche Beziehungen rein“, resümiert Waltraud Valentin.